Beschäftigung

Beschäftigung : Arbeitslosigkeit auf Rekordtief

Magdeburg - Sachsen-Anhalts Arbeitsmarkt befindet sich im Höhenflug: Erstmals seit der Wiedervereinigung sank die Arbeitslosenquote im Land unter neun Prozent. Die Arbeitsagentur stellte am Donnerstag aktuelle Zahlen für September vor. Demnach sind nur noch 8,8 Prozent der Menschen im Land ohne Job. Im Vorjahresmonat waren es noch 9,2 Prozent, vor einem Jahr 9,7 Prozent. Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen im Land, sprach von einem „goldenen Herbst am Arbeitsmarkt“. Experten sind hingegen ...

Von Anja Förtsch
Aktuelle Stellenangebote an einer Tafel in einer Arbeitsagentur
Aktuelle Stellenangebote an einer Tafel in einer Arbeitsagentur dpa-Zentralbild

Sachsen-Anhalts Arbeitsmarkt befindet sich im Höhenflug: Erstmals seit der Wiedervereinigung sank die Arbeitslosenquote im Land unter neun Prozent. Die Arbeitsagentur stellte am Donnerstag aktuelle Zahlen für September vor. Demnach sind nur noch 8,8 Prozent der Menschen im Land ohne Job. Im Vorjahresmonat waren es noch 9,2 Prozent, vor einem Jahr 9,7 Prozent. Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen im Land, sprach von einem „goldenen Herbst am Arbeitsmarkt“. Experten sind hingegen skeptisch.

Für den Rückgang der Zahlen macht Senius die Herbstbelebung verantwortlich. „Andererseits kommt uns die Demografie entgegen, weil aktuell mehr Lebensältere in die Rente wechseln und eine Lücke hinterlassen, die durch junge Neueinsteiger nicht geschlossen wird“, so Senius. Stellen entstanden besonders in der Erziehung, dem Handel und der Mechatronik.

Im Ländervergleich liegt Sachsen-Anhalt an drittletzter Stelle, vor Berlin und Bremen. Auch hinter dem Durchschnittswert von Ostdeutschland liegt Sachsen-Anhalt zurück: Die Arbeitslosenquote in den neuen Ländern beträgt aktuell 7,9 Prozent. Deutschlandweit sind 5,4 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung arbeitslos.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hob hervor, „dass wir den Abstand zu den westlichen Bundesländern deutlich reduzieren konnten. Bei der Arbeitslosenquote trennen uns von Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Hamburg inzwischen weniger als zwei Prozentpunkte.“ Zum Vergleich: Um die Jahrtausendwende betrug die Differenz der Arbeitslosenquote zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern zeitweilig knapp 15 Prozent. Heute sind es etwas mehr als fünf Prozent.

Unter Ökonomen ist die Stimmung weniger positiv. Oliver Holtemöller, stellvertretender Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), verwies auf den Saisoneffekt: Da im Winter etwa im Bauwesen oder der Gastronomie Stellen abgebaut werden, schwanken die Zahlen. „Saisonbereinigt betrug die Arbeitslosenquote im September 9,8 Prozent und lag damit auf dem Stand des Vormonats“, so Holtemöller. Jörg Döpke von der Hochschule Merseburg verwies zudem auf die nach wie vor hohe Abwanderung. „Eine Arbeitslosenquote ist immer eine Relation.“ Wenn viele Menschen abwandern oder in Rente gehen, sinke auch die Arbeitslosenzahl. Dass die Agenturen derzeit 17 200 offene Stellen verzeichnen sei nicht zwingend ein gutes Zeichen. „Die Struktur der Stellen und der Ausbildung der Menschen im Land passt offenbar nicht zusammen“, so der Volkswirt. Dort müsse die Politik ansetzen.

Problematisch ist nach wie vor die verhältnismäßig hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen im Land. Diese ist zwar erneut gesunken, der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den gesamten Arbeitslosenzahlen beträgt aber immer noch 40,5 Prozent. (mz)