Sachsen-Anhalt will sexuelle Minderheiten schützen

Sachsen-Anhalt will sexuelle Minderheiten schützen: Schon kleine Kinder sollen Geschlechtervielfalt kennenlernen

Magdeburg - Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) will gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und weiteren sexuellen Minderheiten im Land vorgehen. Im Landeskabinett hat Kolb einen Aktionsplan vorgelegt, der ab 2016 greifen soll. Das Maßnahmenpaket, das eine größere Toleranz für die Minderheiten schaffen soll, setzt bereits bei der Kindererziehung an: Mit sogenannten Kita-Koffern sollen künftig Kinder im Vor- und Grundschulalter spielerisch mit Rollenbildern, Geschlechtervielfalt und verschiedenen Familienmodellen vertraut gemacht werden. „Wir wollen für mehr Sensibilität sorgen“, so ...

Von Jan Schumann 14.12.2015, 19:13

Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) will gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und weiteren sexuellen Minderheiten im Land vorgehen. Im Landeskabinett hat Kolb einen Aktionsplan vorgelegt, der ab 2016 greifen soll. Das Maßnahmenpaket, das eine größere Toleranz für die Minderheiten schaffen soll, setzt bereits bei der Kindererziehung an: Mit sogenannten Kita-Koffern sollen künftig Kinder im Vor- und Grundschulalter spielerisch mit Rollenbildern, Geschlechtervielfalt und verschiedenen Familienmodellen vertraut gemacht werden. „Wir wollen für mehr Sensibilität sorgen“, so Kolb.

Mit dem Konzept der Kita-Koffer, die Kinderbücher und pädagogisches Begleitmaterial enthalten, stützt sich Kolb auf Erfahrungen aus Berlin und Rheinland-Pfalz. Dort gelte der Ansatz als „gelungenes Beispiel“ für die Sensibilisierung für Geschlechtervielfalt, heißt es in dem Papier, das der MZ vorliegt. Kolbs Aktionsplan sieht auch Schulungen des Kita- und Schulpersonals vor.

Hohe Dunkelziffer von Gewalttaten

Dreh- und Angelpunkt der Kabinettsvorlage ist die anhaltend hohe Dunkelziffer von Gewalttaten gegen Homosexuelle, Intersexuelle sowie Transsexuelle und Transgender - letztere sind Menschen, die sich nicht mit ihrem natürlichen Geschlecht identifizieren. „Nur ein geringer Teil der Beleidigungen, Drohungen und Angriffe wird bei der Polizei bekannt“, sagt Kolb. So sei die Kriminalitätsstatistik kaum aussagekräftig: Von 2007 bis 2014 registrierte die Polizei landesweit 19 Delikte, die sich gegen die sexuelle Orientierung der Opfer richtete. Doch diese Zahl sei weit weg von der Realität, heißt es beim Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt. „Richtig ist, dass die Opfer nur selten Anzeige erstatten“, sagt Vorstandsmitglied Karsten Köpp. „Viele Betroffene haben Angst, dass sie in ihrer Opferrolle nicht verstanden und im schlimmsten Fall erneut diskriminiert werden.“ Der Landesverband berät jährlich rund 40 Betroffene. Der Merseburger Sexualforscher Heinz-Jürgen Voß sagte, in ländlichen Regionen seien Menschen, die ihr Geschlecht selbstbestimmt festlegen wollten, „leider noch immer gut beraten, einen Selbstverteidigungskurs belegt zu haben“.

Kolb will nun die Bereitschaft zur Anzeigenerstattung erhöhen. So soll geprüft werden, inwiefern das Thema „homo- und transgenderfeindliche Straftaten“ in der Polizeiausbildung verankert werden kann. Zudem soll die Arbeit von Polizei-Spezialisten für gleichgeschlechtliche Lebensweisen effektiver gemacht werden. Das Ministeriumspapier geht noch weiter: Es sieht die Unterstützung einer Bundesratsinitiative zur Homo-Ehe sowie ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vor.

Diese und andere Punkte gehen Teilen der CDU zu weit. Bisher verweigerte Innenminister Holger Stahlknecht seine Unterschrift unter den Kabinettsbeschluss. CDU-Fraktionschef André Schröder sagte am Montag: „Grundsätzlich befürworten wir einen Aktionsplan. Aber wenn die Kita-Koffer zur Pflicht würden, ginge mir das zu weit.“ (mz)