Nach zehn Jahren wieder im Landtag

"Deutschland" statt "Kenia"? Die FDP ist regierungsbereit

Die Liberalen sind wieder im Landtag - und wollen mitregieren.

Von Alexander Schierholz
Grund zum Jubeln: Lydia Hüskens
Grund zum Jubeln: Lydia Hüskens (Foto: dpa)

Magdeburg - Der Jubel im „Alten Theater“ in Magdeburg scheint kein Ende nehmen zu wollen, als Punkt 18 Uhr am Sonntagabend die erste Prognose für die FDP über die Bildschirme flimmert: sieben Prozent. In den Hochrechnungen sackt die Partei danach zwar noch etwas ab, doch klar ist: Die Liberalen sind nach zehn Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder zurück im Landtag.

Spitzenkandidatin Lydia Hüskens erklimmt kurz nach der Prognose die Bühne, sie schwenkt einen Blumenstrauß, sie bedankt sich bei Parteifreundinnen und -freunden für deren Einsatz im Wahlkampf, immer wieder unterbrochen von Applaus: „Ihr seid großartig!“

FDP zweiter großer Gewinner in Sachsen-Anhalt

Mit dem Wiedereinzug sind die Freien Demokraten neben der CDU der zweite große Gewinner des Wahlabends. Und nun? Was anfangen mit diesem Sieg? Nach zehn Jahren Landtagspause erst einmal Opposition? Oder doch gleich Regierung? Wen man auch fragt, die Richtung ist klar: Die FDP sei bereit, Verantwortung zu übernehmen, sagt Hüskens, die neun Jahre Erfahrung als parlamentarische Geschäftsführerin zwischen 2002 und 2011 mitbringt.

Wir wollen regieren und dieses Land gestalten.

Andreas Silbersack, FDP

Der hallesche Direktkandidat Andreas Silbersack sagt: „Wir wollen regieren und dieses Land gestalten.“ Und der FDP-Bundestagsabgeordnete Marcus Faber aus der Altmark sieht die Chance, die Kenia-Koalition abzulösen. Allerdings: nicht um jeden Preis. Eine Regierungsbeteiligung werde davon abhängen, wie die FDP ihr Programm werde umsetzen können, sagt Faber, ob das etwa die „Talentschulen“ mit besonderer Förderung seien oder der Ausbau der Infrastruktur auf dem Land.

Jamaika statt Kenia? FDP zum Regieren in Sachsen-Anhalt bereit

Doch wie könnte ein Regierungsbündnis mit FDP-Beteiligung aussehen? Nach dem Stand der Sitzverteilung am Sonntagabend könnte es statt „Kenia“ künftig „Jamaika“ heißen, also eine schwarz-gelb-grüne Koalition aus CDU, FDP und Grünen. Oder schlicht „Deutschland“, ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Letzteres favorisiert Faber, von „Jamaika“ spricht er erst gar nicht.

Und einer ist dann doch noch unentschlossen: der Staßfurter Direktkandidat und Landwirt Johann Hauser. „In der Regierung muss man sachliche Politik machen. In der Opposition kann man angreifen und draufhauen“, sagt er, um klarzustellen: „Ich bin ein Sachpolitiker.“ Wichtig sei aber doch erst einmal, „dass wir wieder im Landtag sind“. Für ihn sei das „ein emotionaler Moment“. (mz)