Ende der Impfpriorisierung

Warum Impfwillige im Saalekreis viel Geduld aufbringen müssen

Die Impfpriorisierung ist seit Montag aufgehoben, doch die Wartelisten waren vorher schon lang. Was das auch für Hausarztpraxen bedeutet.

Von Laura Nobel
Eine Schwester in einer Hausarztpraxis zieht einen Corona-Impfstoff in die Spritze.
Eine Schwester in einer Hausarztpraxis zieht einen Corona-Impfstoff in die Spritze. Foto: Schumann

Merseburg - Viele Impfwillige haben die Aufhebung der Impfpriorität herbeigesehnt. Seit dieser Woche ist es soweit - alle Menschen ab zwölf Jahren können sich um einen Termin für die Corona-Impfung bemühen, unabhängig von Alter, Vorerkrankung und Beruf. Doch das bedeutet nicht, dass jeder auch direkt einen Termin ergattern kann. Der Ansturm auf die Hausarztpraxen ist seit Wochen hoch, die Wartelisten lang. Wer sich einen Termin machen möchte, muss also Geduld haben. Denn der Impfstoff bleibt knapp. Hausärzte sind auf die Lieferungen angewiesen.

Impfstoff-Mangel: Hausärzte können derzeit nur Zweiimpfungen bedienen

„Die Nachfrage ist sehr hoch. Wir versuchen unser Bestes, um dem Ansturm gerecht zu werden“, sagt Alfrun Köpernik, Hausärztin in Leuna. „Doch wir haben einfach zu wenig Impfstoff. Die Patienten werden sich gedulden müssen.“ Derzeit stünden zahlreiche Zweitimpfungen an, die die Praxis durchführen muss. Die seien noch gut abzudecken durch den Impfstoff, der zur Verfügung steht. Doch es bliebe kaum etwas für Erstimpfungen übrig. In dieser Woche könne die Praxis gerade einmal sechs Erstimpfungen anbieten, erzählt Köpernik.

In der Praxis von Christine Halusa in Tollwitz sind in dieser Woche sogar gar keine Erstimpfungen möglich. „Vor sechs Wochen hatten wir eine schöne Lieferung und konnten knapp 100 Patienten impfen“, erzählt die Allgemeinmedizinerin. Für diese steht nun die Zweitimpfung an. „Wir haben die entsprechenden Dosen gerade so zusammenkommen.“ Das große Manko der aktuellen Situation sei, dass man sich nicht auf eine bestimmte Anzahl an Impfdosen verlassen kann, die wöchentlich geliefert werden. Das sei in jeder Woche anders, schildert Halusa. „Das ganze Praxisteam arbeitet motiviert daran, mit den Impfungen voranzukommen. Wir würden gern mehr Platz für die Impfungen schaffen.“ Doch das sei aktuell nicht möglich, da man kaum planen könne und der Impfstoff einfach nicht ausreiche.

Praxen können Anspruchsgedanken der Gesellschaft nicht gerecht werden

Wer geimpft werden möchte, kommt auf die Warteliste und wird telefonisch informiert, sobald ein Termin möglich ist. Bei Hausärztin Halusa stehen derzeit noch jede Menge Patienten aus der Priorisierungsgruppe 3 auf der Liste. Hinzu kommen Senioren, die bereits an Corona erkrankt sind und nun geimpft werden dürfen. Wer keine Priorisierung hat, muss also Geduld mitbringen.

Für Alfrun Köpernik macht es aus diesem Grund gar keinen Sinn, die Priorisierung jetzt schon aufzuheben. Vor allem, weil dadurch ein Anspruchsdenken in der Gesellschaft entstehe, dem die Praxen nicht gerecht werden können, führt die Hausärztin vor Augen. „Es kann nicht jeder, der möchte, gleich einen Termin bekommen.“ Schließlich könne nur so viel verimpft werden, wie zur Verfügung steht. Und das ist jede Woche erneut die große Frage.

Generell hohe Nachfrage: Ende der Impfpriorisierung nicht zu merken

Für die Praxen bedeutet es einen hohen organisatorischen Mehraufwand, die Impfungen und die vielen Anfragen zusätzlich zu den normalen Sprechzeiten abzuwickeln. Auch in der Praxis von Petra Rasch in Merseburg steht das Telefon nicht mehr still. So geht es schon seit Wochen. „Seitdem wir impfen dürfen, ist der Ansturm ungebrochen. Ich bin gefühlt nur noch am Telefonieren“, erzählt eine Mitarbeiterin.

Dass in dieser Woche die Priorisierung entfallen ist, sei nicht zu merken gewesen, da die Nachfrage ohnehin sehr hoch sei. „Wir hoffen immer, dass die Apotheke in der Lage ist, genügend Impfstoff zu liefern.“ Wie lange man auf einen Termin warten muss, hänge auch von dem Impfstoff ab, den die Patienten bevorzugen. Besonders begehrt sei das Vakzin von Biontech. (mz)