Kunden verzichten auf ihren Friseurtermin

Testpflicht sorgt für Absagen - Welche Tests sind gültig?

Viele Kunden verzichten auf ihren Friseurtermin, weil sie nun einen tagesaktuellen Coronatest vorweisen müssen. Welche Tests gültig sind.

Von Laura Nobel
Oliver Stein schneidet einer Kundin in seinem Salon in Schkopau die Haare. Das tragen von FFP2-Masken ist nun verpflichtend. (Foto: Katrin Sieler)

Merseburg - Wer zum Friseur will, muss einen tagesaktuellen, negativen Coronatest vorweisen. Das schreibt die Bundesnotbremse vor, die am 23. April in Kraft trat. Doch dies hat für viel Verwirrung gesorgt. Viele Kunden sind verunsichert, was für ein Test überhaupt gültig ist. Die Testpflicht sorgt für Terminabsagen in den Friseursalons.

„Es herrscht noch ein großes Informationsdefizit“, sagt André Herzog. Er ist der Innungsobermeister der Friseure und Kosmetiker für Halle, Merseburg und den Saalekreis. Viele seiner Kunden hätten in den vergangenen Tagen angerufen, weil sie sich nicht sicher waren, was für einen Test sie mit zu ihrem Termin bringen müssen. In dem neuen Infektionsschutzgesetz war zunächst von einem „anerkannten Test“ die Rede. Das verunsicherte auch die Friseure selbst.

„Wir mussten erstmal herausfinden, was überhaupt unter einem anerkannten Test zu verstehen ist.“

Anke Kind, Geschäftsführerin des Friseur- und Kosmetiksalons Figaro in Bad Dürrenberg, ärgerte sich über die unkonkrete Formulierung. „Ich saß fast bis Mitternacht über dem Gesetz. Wir mussten erstmal herausfinden, was überhaupt unter einem anerkannten Test zu verstehen ist.“ Nachdem klar war, dass der Test unter Aufsicht eines Dritten durchgeführt werden muss, haben Anke Kind und ihre Mitarbeiterinnen alle Kunden angerufen und darüber informiert. Die Kunden hätten dies akzeptiert, jedoch habe es auch einige Terminabsagen gegeben, vor allem im Bereich der Fußpflege, den Figaro ebenfalls anbietet. Befreit von der Testpflicht sind in Sachsen-Anhalt vollständig Geimpfte. Ihren Mitarbeitern müssen Inhaber von Friseursalons zwei Mal wöchentlich ein Testangebot machen.

Auch Oliver Stein, Inhaber des Salons Stein in Schkopau, berichtet: „Etwa 20 Prozent haben ihren Termin aufgrund der Testpflicht abgesagt. Der Rest kommt noch.“ Die Kunden bringen dann eine Bescheinigung mit ihrem Testergebnis mit, das ihnen zum Beispiel im Testzentrum ausgestellt wurde. Stein muss dies in Listen entsprechend dokumentieren. „Das nimmt natürlich alles Zeit in Anspruch. Man spricht mit den Kunden ja auch darüber. Es ist schon ein organisatorischer Aufwand.“ Doch er ist froh, dass er überhaupt noch arbeiten darf und seinen Salon nicht erneut schließen musste.

„Und was passiert, wenn es Test positiv ausfällt?“

Ob auch Selbsttests, die man vor dem Termin zu Hause selbst durchführt, als Nachweis ausreichen, war zunächst nicht klar. Vier Tage nach Inkrafttreten der Notbremse brachte das Gesundheitsministerium Licht ins Dunkle. Demnach sind Selbsttests nur dann zur Erbringung des erforderlichen Testnachweises geeignet, wenn sie unter Aufsicht eines Dritten durchgeführt wurden. Die Bestätigung eines Familienmitgliedes reicht dabei nicht aus. Möglich sei aber, dass ein Selbsttest unter Aufsicht des jeweiligen Dienstleisters direkt vor Ort durchgeführt wird. Sofern das Testergebnis negativ ist, darf die entsprechende Dienstleitung erbracht werden. Ob Friseure oder andere Dienstleister ihren Kunden Tests anbieten, bleibe ihnen überlassen.

Innungsobermeister André Herzog hält von dieser Möglichkeit nichts. „Das mag für einzelne Salons durchführbar sein, für die breite Masse jedoch nicht.“ Kritisch sei vor allem, wenn ein positives Testergebnis dabei ist. Genau so sieht es auch Anke Kind. „Wir haben dafür gar nicht die Räumlichkeiten. Und was passiert, wenn es Test positiv ausfällt? Es wird wieder einmal uns selbst überlassen, wie wir damit umgehen.“ Ein Testangebot für die Kunden vor Ort möchte sie daher bei sich nicht anbieten. Bisher sei es auch noch nicht passiert, dass ein Kunde ungetestet zum Termin kam. „Wir informieren die Kunden, was für einen Test sie brauchen. Viele rufen auch von sich aus an und fragen nach.“

Trotz der schwierigen Situation schaut die Geschäftsführerin nach vorn: „Wir nehmen die Herausforderung an.“ Schließlich habe sie gemeinsam mit ihrem 17-köpfigen Team die Krise bisher meistern können. „Wir sind auch sehr dankbar für unsere treue Kundschaft, die viel Verständnis für die Situation zeigt.“ (mz)