Vier Millionen Euro Schaden

Steigra Saalekreis: Brand in Recycling-Firma

Steigra - Großbrand in Recyclingfirma bei Steigra verursacht einen Schaden von vier Millionen Euro. Warum die Suche nach Löschwasser zum Problem wurde.

Von Michael Bertram 08.08.2017, 06:15

Es ist kurz nach 2 Uhr, als am Montag die Nacht für mehr als 100 Einsatzkräfte mehrerer freiwilliger Feuerwehren aus dem Saale- und dem Burgenlandkreis ein abruptes Ende findet: Schuld ist ein Großbrand auf dem Gelände einer Recyclingfirma in Steigra. Menschen werden bei dem Brand von mehr als 40 Tonnen Plastikmüll nicht verletzt, allerdings entsteht ein Millionenschaden.

Schon kurze Zeit nach dem Ausbruch des Brandes schlagen gewaltige Flammen aus einer Lager- und Produktionshalle. Das Dach ist schon längst nicht mehr da. Durch die gewaltige Hitze ist es geschmolzen und in sich zusammengestürzt. Auch an den Seitenwänden fehlen große Teile. Hinter den dadurch entstandenen Fenstern ist die zerstörerische Gewalt des Feuers zu beobachten. Vor der Halle stehen Einsatzkräfte der Feuerwehr mit ihren Schläuchen - und können nur wenig ausrichten.

Flammen vernichten 30 mal 40 Meter große Lagerhalle bei Steigra

Die Flammen vernichten bis zum Nachmittag nicht nur eine 30 mal 40 Meter große Lagerhalle, in der sich 30 Tonnen Kunststoffabfälle befanden, sondern auch ein zweites solches Gebäude. Dieses ist 30 mal 20 Meter groß und beherbergt laut Angaben des Landkreises zwölf weitere Tonnen Plastikmüll. Das Material, womöglich ein bereits aufbereiteter Ersatzbrennstoff für das nahe Zementwerk in Karsdorf, brennt buchstäblich wie Zunder und gibt dem Feuer immer wieder neue Nahrung.

Der Feuerwehr bleibt schon kurz nach dem Eintreffen keine andere Wahl, als eine der Hallen kontrolliert niederbrennen zu lassen. Trotz dichter Rauchschwaden soll keine Gesundheitsgefahr bestehen, heißt es. Anwohner werden lediglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Decke der Lagerhalle bei Steigra eingestürzt

Weil die Decke eingestürzt ist, können die Kräfte den Brand nicht von innen angreifen. In der anderen Lagerhalle sind die Löschversuche dagegen erfolgreicher, sie kann nach ersten Erkenntnissen gerettet werden. Aber auch in diesem Bereich dauern die Löscharbeiten bis zum Abend an, um auch wirklich alle Glutnester zu erwischen. Neben Wasser wird dabei auch Schaum eingesetzt.

Besonders problematisch stellt sich bei dem verheerenden Brand die Löschwasserversorgung dar: Nach MZ-Informationen existiert auf dem Betriebsgelände zwar ein Löschwasserteich, dieser reichte jedoch nicht aus, um den Flammen Herr zu werden. Da auch die Kapazitäten der Tanklöschfahrzeuge begrenzt sind, werden Schläuche über lange Wegstrecken verlegt, um an Wasser heranzukommen. Unter anderem verläuft eine Strecke nach Steigra, die andere führt zur Unstrut, deren Wasser auf den Berg, wo der Einsatzort liegt, gepumpt wird.

Sprinkleranlagen in den betroffenen Hallen gibt es nicht

Das Landesverwaltungsamt als Genehmigungsbehörde wiederum spricht von zwei Teichen, die genutzt werden können, sowie einen unterirdischen Regenwasserspeicher, der ebenfalls zur Verfügung steht. Sprinkleranlagen in den betroffenen Hallen gibt es nicht, hießt es von Seiten der Behörde.

Noch während der Löscharbeiten beginnt schon am Montag die Suche nach der Ursache. Zwar können Ermittler die Hallen noch nicht betreten, dennoch geht die Polizei aufgrund von Zeugenaussagen davon aus, dass es in einer Zerkleinerungsanlage zu einem technischen Defekt gekommen ist. Die Ermittlungen werden noch Tage andauern, teilte die Polizei mit. Den Schaden bezifferte sie auf vier Millionen Euro, da mehrere wertvolle Maschinen Opfer der Flammen geworden sind. Ob und wie es vor Ort weitergeht, ist unklar. Eine Stellungnahme des Unternehmens war am Montag nicht zu erhalten.

Bereits 2013 ein Brand auf dem Recyclinghof bei Steigra

Es ist nicht der erste Brand auf dem Recyclinghof: Im Januar 2013 herrschte schon einmal Großalarm auf dem Gelände. Damals war ein Radlader in einer Halle in Brand geraten. Das Feuer sprang auf die Decke einer Lagerhalle über. Auch damals waren rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz.

Es dauerte Stunden, bis der Großbrand gelöscht war. Zusätzlich Gefahr bestand durch rund 50 Tonnen geschredderter Kunststoffplättchen, die vermischt mit Textilresten als Ersatzbrennstoff für das Zementwerk in Karsdorf dienten und in der Halle gelagert wurden. (mz)