Breitbandausbau

So läuft die Netzoffensive in Leuna

Bislang mit Internet unterversorgte Gebiete sollen noch in diesem Jahr Glasfaserleitungen in Gigabit-Qualität erhalten.

Von Jakob Milzner
Glasfaserkabel liegen auf einer Baustelle.
Glasfaserkabel liegen auf einer Baustelle. (Foto: dp)

Leuna/MZ - Weiße Flecken auf der Landkarte - damit sind im Jahr 2021 zumeist nicht mehr unbekannte Regionen auf dem Planeten Erde gemeint, sondern Gebiete, in denen bislang keine schnellen Internetleitungen verlegt wurden. Solche weißen Flecken existieren in Sachsen-Anhalt noch recht viele; Ende 2020 verfügten laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur nur knapp 20 Prozent der Haushalte über einen Breitbandanschluss mit Verbindungsqualitäten von mehr als einem Gigabit pro Sekunde. Unter allen Bundesländern lag Sachsen-Anhalt damit auf dem letzten Platz.

Auch im Leunaer Raum existieren noch weiße Flecken. Eine Untersuchung des Bauamts ermittelte zuletzt zehn teils unterversorgte Gebiete: Dabei handelt es sich um die Orte Wüsteneutzsch, Daspig Siedlung, Kröllwitz, Rodden, Pissen, Ockendorf, die Total Raffinerie Mitteldeutschland, Bäumchen, die Agrargenossenschaft Untere Aue sowie den Gewerbekomplex an der Spergauer Straße 2. Diese Lücken sollen nun geschlossen werden. Darüber informierte Leunas Bauamtschef Silvio Lämmerhirt während einer Sitzung des Bauausschusses. Es hätten Gespräche stattgefunden, in deren Verlauf die Stadtwerke Merseburg als Investor für den geplanten Ausbau gewonnen worden seien.

„Wir erreichen mit dieser Lösung Ansätze, die weit jenseits der Breitbandstrategien des Bundes und des Landes sind“

Guido Langer, Geschäftsführer der Stadtwerke Merseburg, bestätigt das. Neben Leuna wolle man auch in Braunsbedra und Merseburg in den Ausbau des Breitbandnetzes investieren. Die neuen Verbindungen sollten dabei grundsätzlich als Glasfaserkabel verlegt werden. „Wir erreichen mit dieser Lösung Ansätze, die weit jenseits der Breitbandstrategien des Bundes und des Landes sind“, sagte Lämmerhirt. Der Ausbau solle in Leuna komplett als FTTH erfolgen. Das bedeutet, dass die Kabel bis in die Wohnungen verlegt werden. Datenverbindungen von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde könnten so erreicht werden, meinte der Bauamtsleiter.

Der Kostenanteil der Stadt Leuna werde dabei rund 250.000 Euro betragen. Eine Kostenschätzung des Anteils der Stadtwerke Merseburg habe einen Betrag von 2,33 Millionen Euro ergeben, sagte Lämmerhirt. Dafür hätten die Stadtwerke einen Fördermittelantrag beim Land gestellt. Bis zu 80 Prozent der Summe seien potenziell förderfähig. Zwar liege bislang noch kein Bescheid vor, doch hätten Kreis und Staatskanzlei bereits ihre Zustimmung signalisiert.

Finanzierung des Projekts durch den Haushaltsplan bereits abgedeckt

Dass der von der Stadt Leuna zu stemmende Betrag deutlich niedriger ausfallt, liegt daran, dass diese nur für die Zwischenstrecken aufkommen, die Merseburger Stadtwerke hingegen in den Ortschaften selbst tätig werden sollen. „Unser Anteil beschränkt sich auf die Verbindungsleitung zwischen dem letzten Knotenpunkt und den Ortschaften. Wir liefern praktisch nur Leerrohre“, erläuterte Peter Engel, der in Leuna dem Bauausschuss vorsitzt. Die Finanzierung des Projekts sei durch den Haushaltsplan bereits abgedeckt, ergänzte Amtsleiter Lämmerhirt. Knapp die Hälfte der Kosten könne mit den 120.000 Euro gedeckt werden, die durch den aufgelösten Vertrag zwischen Telekom, Landkreis und Stadt frei wurden.

Aktuell läuft nun die Ausschreibung. Noch im August soll dann die Vergabe erfolgen. Im vierten Quartal 2021 solle dann allen Haushalten in den betroffenen Gebieten ein Breitbandanschluss in Gigabit-Qualität angeboten werden können, sagte Lämmerhirt. Dafür müssten die Kunden wohl einmalig einen Betrag zwischen 700 und 800 Euro bezahlen; dessen Höhe obliege aber dem jeweiligen Anbieter.