Nach drei Jahrzehnten

Nie wieder Schule - Leiterinnen aus Bad Lauchstädt gehen in Ruhestand

Die beiden Lauchstädter Leiterinnen Marlies Felsberg und Maritta Flor gehen in den Ruhestand und mit ihnen 84 Jahre pädagogische Erfahrung.

Von Robert Briest
Drei Jahrzehnte lang leiteten Marlies Felsberg und Maritta Flor die Goethe-Schule.
Drei Jahrzehnte lang leiteten Marlies Felsberg und Maritta Flor die Goethe-Schule. (Foto: R. Briest)

Bad Lauchstädt/MZ - Marlies Felsberg will endlich wieder lesen. „Ein richtiges Buch, nicht immer nur Rahmenrichtlinien und Hygienekonzepte.“ Denn für Belletristik fehlte der Leiterin der Bad Lauchstädter Goethe-Schule im abgelaufenen Schuljahr die Zeit. Zu viel Arbeit hat die Coronapandemie beschert und das ausgerechnet in Felsbergs finalem Leitungsjahr. Am Mittwoch hatte sie ihren letzten Schultag. Bis 31. Juli hat sie offiziell Ferien, danach wechselt sie in den Ruhestand. Und das nicht allein. Ihre Stellvertreterin Maritta Flor geht mit. Dabei wird sie im August erst 64. Doch Felsberg, die die Goethe-Schule seit 1990 leitet, hatte sie ein Jahr später als Stellvertreterin nach Lauchstädt geholt, deshalb fühlt sich der Schnitt für sie nun richtig an.

Auch ihre bisherige Chefin bejaht das. „Ich finde das gut. So findet hier ein richtiger Generationswechsel statt.“ Die Nachfolgerinnen stehen schon fest. Die Stellvertretung kommt aus dem eigenen Haus, die neue Chefin von der Sekundarschule in Halle-Neustadt. Mit dem bisherigen Duo gehen allerdings auch 84 Jahre Lehr- und 61 Jahre Leitungserfahrung. „Wir haben in der Zeit viel geschafft“, resümiert Felsberg. „Wir sind Ganztagsschule geworden, ’Schule ohne Rassismus’ und sind auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule.“

„Das Konzept war, dass die Klassen ein Stück weit mehr Teams sind“

2017 haben sich die Lauchstädter für letzteres entschieden und den Schritt bis heute nicht bereut. Zeitweise drohte die Schülerzahl unter 200 zu rutschen, berichtet Felsberg. Jetzt sei man stabil bei etwa 450. Die Nachfrage ist groß. Die Schüler kommen teils sogar aus Roßbach. Und Flor sieht bei den bisherigen neunten Klassen, die die Testklassen für das neue Modell waren, auch schon Fortschritte. „Das Konzept war, dass die Klassen ein Stück weit mehr Teams sind. Man merkt, dass sie in Projekten intensiver zusammenarbeiten.“ Die Gemeinschaftsschule soll den Absolventen den Weg Richtung Abitur eröffnen. Doch, so sagen die Leiterinnen, schon jetzt, da die ersten neuen Klassen noch gar nicht soweit sind, würden regelmäßig Schüler zur Partnerschule, einem Fachgymnasium in Halle, wechseln.

An ihrer alten Schule haben die Leiterinnen Felsberg und Flor ein schwieriges Abschlussjahr erlebt. „Es war schlimmer als der erste Lockdown. Es gab zu oft zu viele Änderungen“, resümiert Felsberg. Vor allem die mittleren Klassenstufen hätten es schwer gehabt: „In der achten Klasse ist die Schere zu weit aufgegangen“, sagt Flor. Die guten Schüler, mit Unterstützung zu Hause, seien gut durchgekommen, aber die Schüler, die stärker Lehrer brauchen, seien abgerutscht. Und die scheidende Leiterin ergänzt: Bei den IT-Fähigkeiten habe das Kollegium zwar kräftig aufgeholt, doch die technische Ausstattung sei weiterhin ein Problem. Erst jetzt seien die ersten Lehrerlaptops eingetroffen. Sie müssten aber noch mal weg, um das Betriebssystem aufzuspielen. Um mit Schülern Lernprogramme zu nutzen, habe man die Räume wechseln müssen: „Und dann bricht doch wieder alles zusammen, weil es halt veraltet ist.“

Probleme, mit denen sich künftig die Nachfolgerinnen plagen können. Sie selbst, so feixen Felsberg und Flor, hätten jedenfalls keinen Plan, wie es im kommenden Schuljahr weitergeht. Müssen sie ja auch nicht. Ein gutes Buch reicht in Zukunft vollkommen.