Trotz Tests und Hygienekonzept

Macht Corona der Jägerausbildung einen Strich durch die Rechnung?

Das Jagen ist beliebt. Der erste Kurs an der neu gegründeten Jagdschule in Bad Lauchstädt ist voll belegt. Wegen Corona kann dieser aber nicht starten.

Von Anke Losack
Eine Jägerin steht mit ihrer Bockbüchsflinte auf einer Wiese. Foto: Philipp Schulze/dpa

Bad Lauchstädt- Jäger Thomas Schorsch und ein Team von langjährig erfahrenen Waidmännern stehen in den Startlöchern. Seit Monaten. Die Jagdschule Bad Lauchstädt, die der 44-Jährige im vergangenen Jahr gegründet hat, könnte mit dem Unterricht für angehende Jungjäger beginnen – wäre da nicht die Corona-Pandemie. Es ist derzeit nicht möglich, die Ausbildung in der Jagdschule durchzuführen. Dabei ist der erste Kurs seit Langem mit zwölf Teilnehmern voll belegt, berichtet Thomas Schorsch. Und er ist über das große Interesse für die Ausbildung nicht überrascht. „Der Bedarf ist einfach da“, sagt er.

Verband verzeichnet großes Interesse an Jägerausbildung

Laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) haben sich im vergangenen Jahr in Deutschland 18.820 Frauen und Männer der staatlichen Jägerprüfung, dem sogenannten Grünen Abitur, gestellt. Das sei annäherend so viel wie im Jahr zuvor. Das Interesse an der Jagd ist – trotz oder wegen der Pandemie – ungebrochen, sagt Kreisjägermeister Kay-Uwe Böttcher. Im Saalekreis ist die Zahl der Prüflinge ziemlich stabil. Das hängt nicht zuletzt mit beschränkten Prüfungskapazitäten zusammen.

Zur Gewährleistung einer qualifizierten Jägerprüfung legt die Prüfungskommission eine maximale Teilnehmerzahl fest, erklärt Christina Kleinert, die Dezernentin für Kreisentwicklung im Saalekreis. Ihren Angaben zufolge nahmen im vergangenen Jahr 22 Prüflinge teil. 2019 waren es 26 und im Jahr zuvor 20. Für September ist die diesjährige Jägerprüfung avisiert, sagt Kreisjägermeister Böttcher. Wie die sich unter Corona-Bedingungen gestaltet, bleibe abzuwarten.

Ausbilder Thomas Schorsch mit seinem Heideterrier Grille
Foto: A. Losack

Trotz Tests und Hygienekonzept- Jägerausbildung kann nicht komplett online absolviert werden

Thomas Schorsch hofft, dass die Ausbildung der Jägeranwärter bald beginnen kann. Es sind 135 Stunden Unterricht in verschiedenen Fächern wie zum Beispiel Wildkrankheiten, Waffenkunde, Natur- und Tierschutz, Brauchtum und Hundewesen zu absolvieren. Für die Durchführung der Ausbildung sei bereits ein Hygienekonzept erarbeitet worden, erklärt er. „Außerdem können wir vor jedem Termin testen.“ Unter den Ausbildern sei auch ein Arzt.

Die Jagdausbildung ist sehr umfangreich. „Und die Prüfung nicht ohne“, sagt der Bad Lauchstädter. Sicherlich könnten in der Ausbildung Themen wie Jagdrecht online vermittelt werden, aber etwa die Waffenhandhabung und viele weitere Dinge nicht. Die Vorbereitung auf das Grüne Abitur mit einem großen Anteil an Praxisbezug zu gestalten, haben sich die Ausbilder hier in der Jagdschule zum Ziel gesetzt.

Immer mehr Frauen würden sich für die Jagd interessieren

„Unser Anspruch ist, Jägernachwuchs zu fördern. Wir wollen auch die Leidenschaft mitgeben“, sagt Thomas Schorsch, der unter anderem das Thema Jagdhunde selbst lehren wird. Weil er viele Meutenführer kennt, könne er verschiedene Rassen live zeigen lassen. Außerdem sei beispielsweise geplant, für das Thema Naturschutz und Waldbau mit den angehenden Jungjägern ins Revier zu fahren. „Und wir würden sie auch mal mit auf die Jagd nehmen“, sagt Thomas Schorsch.

Die Teilnehmer, die sich für den ersten Kurs der Jagdschule angemeldet haben, sind zwischen 16 und 60 Jahre alt. Eine Frau ist dabei. Immer mehr Frauen würden sich für die Jagd interessieren, sagt der Ausbilder. Ob Frau oder Mann – die Motivation, Jäger zu werden, sei zumeist auf die Familie oder den Bekanntenkreis zurückzuführen, erklären er und Kreisjägermeister Böttcher. Letzterer ergänzt: „Viele kommen auch zur Jagd, weil sie zum Beispiel im ökologischen Bereich oder Naturschutz tätig sind.“ (mz)