Nach fast drei Jahrzehnten

Kostümwechsel im Kostümverleih Querfurt

Seit fast drei Jahrzehnten sorgt die Schafstädterin Monika Zurek für das richtige Outfit ihrer Kunden. Nun gibt sie ihren Verleih in neue Hände.

Von Robert Briest
Monika Zurek (r.) hat in der Querfurterin Katrin Heppner eine Nachfolgerin für den Verleih gefunden.
Monika Zurek (r.) hat in der Querfurterin Katrin Heppner eine Nachfolgerin für den Verleih gefunden. Foto: Robert Briest

Schafstädt/Querfurt/MZ - Monika Zurek hat Platz in ihrem Haus an der Schafstädter Nordpromenade. Ungewohnt viel Platz, der von einer Zäsur im Leben der 66-Jährigen zeugt. Denn bisher hingen hier im Erdgeschoss Tausende Abendkleider, Trachten, vor allem aber Kostüme. Der Fundus ihres Verleihs. Doch nun ist alles verschwunden. Sorgen macht sich Zurek deswegen nicht. Sie hat sich bewusst entschieden, in die Rente zu wechseln. Einen Schlussstrich zu ziehen unter ein Kapitel, das immerhin fast 30 Jahre währte.

„Am 9. September 1991 habe ich mit meiner Änderungsschneiderei angefangen“, berichtet sie. Zwei Jahre später startete dann der Kostümverleih – klein. „Am Anfang hatten wir fünf Kostüme. Musketiere und Rotkäppchen.“ Die hatte Zurek selbst genäht für den Besuch beim Schafstädter Karneval. Dann brachten ihr Kunden alte Kostüme, die die Schneiderin umnähte und aufpeppte: „Es hat sich daraus eine Leidenschaft entwickelt. Es ging gar nicht mehr anders.“

„Und wer Not hatte, kriegte hier immer ein Abendkleid.“

Und so wuchs Zureks Fundus über die Jahre rasant – ebenso wie der Kundenkreis, der weit über die Region hinausreicht. Teilweise hätten ihr die Klienten die Kostüme auch per Post aus München zurückgeschickt. Vor Corona habe die Nachfrage fast ganzjährig bestanden, nicht nur in der Karnevalszeit, berichtet die Geschäftsfrau: „Die Kostüme waren immer in Bewegung. Es gibt ja so viele Veranstaltungen, Mottowochen und Ähnliches.“ Vor zehn, zwölf Jahren sei auch die Welle der Oktoberfeste so richtig in die Region geschwappt. Deshalb dehnte sie ihr Angebot auch auf Dirndl aus: „Und wer Not hatte, kriegte hier immer ein Abendkleid.“

Doch das ist Geschichte. Zum 30. Juni schließt Zurek ihren Verleih, am 9. September, wenn sie die 30 Jahre voll hat, folgt die Änderungsschneiderei. „Dann fang ich an mit leben“, scherzt die Schafstädterin. Ihre Kunden lässt sie dennoch nicht im Regen stehen. Denn es ist ihr gelungen, eine Nachfolgerin zu finden, eine Stammkundin, die den gesamten Bestand bis hin zur letzten Nadel übernimmt und vor anderthalb Wochen abgeholt hat. „Ich bin noch immer beim sortieren und zählen. Bisher bin ich bei 3.000 bis 3.500 Kostümen“, berichtet Katrin Heppner. Sie betreibt seit 1997 gemeinsam mit ihrem Mann den Querfurter Stahlhandel. Nun eröffnet sie am Donnerstag unter dem Namen „Harlekin“ ihren Kostümverleih am Döcklitzer Tor 58 in der Quernestadt. „Ich hatte vor zwei Jahren gehört, dass Moni aufhören will, da reifte bei mir der Gedanke, dass es Spaß machen könnte, wenn ich es weiterführe.“

Ihre Vorgängerin ist vom Erfolg der neuen Unternehmung überzeugt, schließlich hat sie nicht nur ihren Fundus, sondern zugleich auch die Kunden übergeben. Für den nun in ihrem Haus entstandenen Platz hat Zurek schon Pläne. „Wir wollen das hier unten für uns als altersgerechte Wohnung ausbauen.“ Doch zunächst will sie ihren baldigen Ruhestand und die damit verbundene Zeit zum Reisen nutzen.

Der neue Kostümverleih „Harlekin“ ist erreichbar unter der 0170/530 58 90 und im Netz unter www.kostuemverleih-querfurt.de