Hitze lässt Windräder stillstehen

Hitze lässt Windräder stillstehen: Braunkohle muss Stromnachfrage im Sommer abdecken

Halle (Saale) - In Ostdeutschland gibt es mehr Wind- und Solaranlagen als je zuvor. Dennoch sichert in diesem heißen und trockenen Sommer vor allem die Braunkohle die Stromnachfrage. In Mitteldeutschland laufen die Kraftwerke Schkopau (Saalekreis) und Lippendorf (Sachsen) auf ...

Von Steffen Höhne
Das Braunkohlekraftwerk in Schkopau lief im Sommer 2018 auf Hochtouren.
Das Braunkohlekraftwerk in Schkopau lief im Sommer 2018 auf Hochtouren. imago stock&people

In Ostdeutschland gibt es mehr Wind- und Solaranlagen als je zuvor. Dennoch sichert in diesem heißen und trockenen Sommer vor allem die Braunkohle die Stromnachfrage. In Mitteldeutschland laufen die Kraftwerke Schkopau (Saalekreis) und Lippendorf (Sachsen) auf Hochtouren.

„Im Vergleich zum Vorjahr haben wir von Juni bis Ende August nach Lippendorf sieben Prozent mehr Kohle geliefert und nach Schkopau 37 Prozent mehr“, sagt ein Sprecher des Kohleförderers Mibrag aus Zeitz der MZ. In Schkopau wurden planmäßige Reparaturarbeiten verschoben, daher der hohe Zuwachs. Auch das größte ostdeutsche Braunkohlen-Unternehmen, Leag aus Cottbus, meldet, dass die Kraftwerke im Sommer „voll ausgelastet“ waren.

Strom-Nachfrage hätte ohne Braunkohle nicht gedeckt werden können

Was ist passierte in den vergangenen Wochen? Während die Solarstrom-Erzeugung zur Mittagsspitze bis zu 30 Prozent des deutschen Strombedarfs deckte, blieb die Windstromerzeugung schwach. Gerade in den Abendstunden mussten konventionelle Kraftwerke, dazu gehören auch Gas- und Atomkraftwerke, einspringen, um den Bedarf zu decken. „Ohne Braunkohle hätte die Nachfrage in den Sommermonaten nicht gedeckt werden können“, sagte Leag-Vorstandschef Helmar Rendez zuletzt auf dem Ostdeutschen Energieforum.

Die Daten der Bundesnetzagentur belegen den steigenden Einsatz von Stein- und Braunkohle in den Sommermonaten. Ihr Anteil im Strommix lag von Juni bis Ende August bei 38 Prozent - knapp sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Bundesnetzagentur geht aber davon aus, dass auch „ohne die Braunkohle eine gesicherte Versorgung in Deutschland möglich gewesen wäre“ - etwa über mehr Gas. Es hätte dann allerdings zeitweise auch Stromimporte aus dem Ausland geben müssen und „die Preise wären aller Wahrscheinlichkeit höher ausgefallen“, heißt es bei der Behörde.

Durch die Knappheit sind auch so die Großhandelspreise an der Leipziger Energiebörse EEX deutlich gestiegen. Der Preis für eine Kilowattstunde hat sich innerhalb eines Jahres von drei auf sechs Cent verdoppelt. Auch für das Jahr 2019 werden aktuell Preise von fünf Cent je Kilowattstunde gehandelt. Das wird früher oder später laut Experten auch zu steigenden Preisen bei den normalen Stromkunden führen.

Stilllegung von acht Braunkohlekraftwerken geplant: Schkopau verzichtbar?

Die Dürre in den vergangenen Wochen ist für Grüne und Umweltgruppen jedoch auch Anlass gewesen, mehr Klimaschutz zu verlangen. Vor allem wurde ein schneller Ausstieg aus der Braunkohle gefordert. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace legte dazu zusammen mit dem Fraunhofer IEE eine Studie vor, dass bis 2020 zu den geplanten Stilllegung von acht Braunkohlekraftwerke weiter Blöcke in sieben Kraftwerken hinzukommen könnten, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Dazu zählen auch die Ende der 90er Jahre gebauten Kraftwerke Lippendorf und Schkopau. IEE-Energieexperte Norman Gerhardt sagte der MZ: „Es gibt genug andere Kraftwerke in Deutschland und Europa, die den Wegfall kompensieren können.“ Diese Frage beschäftigt auch die Politik. Aktuell arbeitet die Kohle-Kommission, in der auch Experten aus Mitteldeutschland sitzen, an Vorschlägen zum Ausstieg aus der Braunkohle.

Leag-Chef Rendez warnt vor einem schnellen Braunkohle-Aus. Auch in anderen europäischen Ländern gebe es künftig Energie-Defizite, die heute etwa durch deutsche Stromexporte ausgeglichen werden. Auch der Energiewirtschaftsverband BdEW teilte Ende August mit: „Die Kraftwerks-Kapazitäten in der Europäischen Union schmelzen dahin. Wir werden uns im kommenden Jahrzehnt nicht allein auf Stromimporte aus dem europäischen Ausland verlassen können. (mz)