Yvonne und Friedemann Galley-Knappe

Das Künstlerpaar aus Lieskau und die Faszination von Metall

Yvonne Galley-Knappe gestaltet hochwertigen Schmuck, ihr Mann Friedemann ist Metallgestalter und hat die Malerei für sich entdeckt.

Von Claudia Crodel 07.09.2021, 15:31
Die Künstlerin Yvonne Galley-Knappe und ihr Mann Friedemann Knappe, ebenfalls Künstler, leben und arbeiten zusammen in Lieskau. Sie fertigt Schmuck, er malt und stellt Skulpturen her.
Die Künstlerin Yvonne Galley-Knappe und ihr Mann Friedemann Knappe, ebenfalls Künstler, leben und arbeiten zusammen in Lieskau. Sie fertigt Schmuck, er malt und stellt Skulpturen her. (Foto: Silvio Kison)

Lieskau/MZ - Das Grundstück, auf dem die Schmuckgestalterin Yvonne Knappe-Galley und der Metallgestalter Friedemann Knappe wohnen, liegt idyllisch in Lieskau. Das Werkstattgebäude stammt aus den 1960er-Jahren. „Das hat mein Vater damals für sich gebaut. Seitdem ist es Schmuckwerkstatt“, erzählt Yvonne Galley-Knappe und zeigt ihren Arbeitsplatz mit all seinen Gerätschaften, an dem bereits ihr Vater gesessen hat.

Hinter dem Namen Galley verbirgt sich eine ganze Schmuck-Dynastie in drei Generationen, der der hallesche Kunstverein im Herbst 2015 im Stadtarchiv eine Ausstellung gewidmet hatte. Der unlängst verstorbene Vater Wolf-Rüdiger Galley und der Großvater Hans Galley (1914-1991) gehören dazu. Yvonne Galley-Knappe hat das Handwerk vom Vater gelernt. Erst nach dem Berufsabschluss als Goldschmiedin hat die heute 54-Jährige an der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein Schmuckgestaltung studiert. Seit 1996 wohnt das Künstlerehepaar wieder in Lieskau, zunächst im alten Pfarrhaus, 2004 entstand das an die alte Werkstatt angebaute Wohnhaus.

„Oft geknickt oder gefaltet, das mache ich gern“

Die meisten Arbeiten von Yvonne Galley-Knappe entstehen aus Silberblechen, oftmals kombiniert mit Gold. „Oft geknickt oder gefaltet, das mache ich gern“, sagt sie. Aber auch Palladium und Platin zählen zu ihren Werkstoffen. In einige ihrer Schmuckstücke fügt sie auch Edelsteine ein. Halsschmuck, Ringe - auch individuell angefertigte Trauringe -, Broschen, Ohrhänger und -stecker sowie Armreifen, all das findet sich in ihrem Angebot.

Von  Yvonne Galley-Knappe hergestellte Schmuckstücke
Von Yvonne Galley-Knappe hergestellte Schmuckstücke
(Foto: Silvio Kison)

„Mir ist es wichtig, dass die Dinge tragbar sind und vor allem dass sie handwerklich gut sind.“ Gern beteiligt sie sich an Wettbewerben und Schmuckausstellungen, für die sie teils außergewöhnliche Schmuckstücke kreiert. Sie öffnet eine Schublade und holt eine große Brosche heraus, in Silber und Neonrot gehalten.

„Manchmal kommen Kunden mit alten Schmuckstücken, die nicht mehr zeitgemäß sind“

Seit einiger Zeit hat sie zudem das Upcycling für sich entdeckt. „Manchmal kommen Kunden mit alten Schmuckstücken, die nicht mehr zeitgemäß sind. Diese setze ich dann in einen anderen Kontext oder arbeite sie um“, erläutert die Schmuckgestalterin. Viel könne man davon wiederverwenden. Da entstehen Schmuckstücke, die mit alten Edelsteinen oder Gold und Silberelementen zu modernen Kettenanhängern Broschen oder Ohrschmuck umgewandelt werden. Mitunter fertigt sie auch gemeinsam mit ihrem Mann Schmuck an, beispielsweise Arbeiten aus Silberblech, in die Friedemann Knappe Bildnisse von Wildtieren getrieben hat.

Friedemann Knappe absolvierte ebenfalls vor dem Studium an der Burg eine Berufsausbildung. In Erfurt ließ er sich zum Silberschmied ausbilden. „Ich wollte zu den Bausoldaten, da durfte ich nicht studieren“, erzählt er. „Ich habe fünf Mal an der Burg die Aufnahmeprüfung gemacht, erst für den Bereich Möbeldesign/Innenarchitektur, dann im Kunstbereich Metall. Am Ende der Aufnahmeprüfung stand immer die Frage, ob ich mich bereit erkläre, Reserveoffizier zu werden“, blickt er zurück. Da er das verneinte, fehlten ihm jeweils zehn Punkte. Wie sich später herausstellte, hätte Friedemann Knappe die Prüfungen ansonsten alle bestanden.

Künstler öffnen zum Tag des offenen Ateliers

Nach dem Studium richtete er gemeinsam mit den Künstlern Cornelia Weihe, Thomas Leu und Rainer Henze eine Metallwerkstatt in der halleschen Raffineriestraße ein, in der er noch heute viele seiner Metallarbeiten anfertigt. Kleinplastiken entstehen da ebenso wie künstlerisch gestaltete Geländer, Gitter und Möbel. Außerdem fertigte er etliche Gegenstände für Kirchen, teilweise gemeinsam mit anderen Künstlern. Wer in der Kirche des Klosters Drübeck vor dem brennenden Dornbusch steht, Leuchter und den Tauftisch in der Lieskauer Kirche betrachtet oder die Lampen im Kloster Michaelstein, kann sich gewiss sein, dass es sich hier um Arbeiten handelt, die von Friedemann Knappe stammen, beziehungsweise an denen er großen Anteil hat.

Eine  von  Friedemann Knappe gefertigte Skulptur
Eine von Friedemann Knappe gefertigte Skulptur
(Foto: Silvio Kison)

Seit einigen Jahren malt der Metallgestalter auch. „Wir haben ja während des Studiums viel gezeichnet, auch im Zoo. Als ich eine Ausbildung zum Jäger machte und es da um Wildtierkunde ging, bekam ich wieder Lust zum Zeichnen und Malen“, sagt der 55-Jährige. Heute zeichne er „Viecher und Landschaften“, wie er es ausdrückt. Während des Corona-Lockdowns sei er viel mit dem Hund unterwegs gewesen. Bilder von der einstigen Strecke der Hettstedter Eisenbahn, der Fienstedter Flur oder den Lieskauer Tonlöchern zeugen davon.

Die Künstler öffnen zum Tag des offenen Ateliers am 18./19. September die Werkstatttür in der Granauer Straße 14 in Lieskau.