Für den Frieden

Michael Flossbach rollt 128 Kilo schweren Friedensstein durch Sachsen-Anhalt

Burg - Und los! Das Kommando gibt sich Michael Flossbach selbst. Alle Muskeln sind angespannt - ausgerichtet, einen schweren Stein ins Rollen zu bringen. Täglich legt der Aktionskünstler zwischen zehn und 20 Kilometer zurück. Seine ungewöhnliche Tour führt ihn auch quer durch Sachsen-Anhalt, von West nach ...

Von Ralf Böhme 29.09.2018, 10:00

Und los! Das Kommando gibt sich Michael Flossbach selbst. Alle Muskeln sind angespannt - ausgerichtet, einen schweren Stein ins Rollen zu bringen. Täglich legt der Aktionskünstler zwischen zehn und 20 Kilometer zurück. Seine ungewöhnliche Tour führt ihn auch quer durch Sachsen-Anhalt, von West nach Ost.

Überall ist ihm dabei die Aufmerksamkeit am Wegesrand sicher. Ob vor dem Hundertwasser-Haus in Magdeburg oder an der Landesgartenschau in Burg, Passanten bleiben stehen, suchen das Gespräch. Was ihnen Flossbach erzählt, löst stets großes Erstaunen, aber vor allem Sympathie aus.

Friedensstein ist Gegenentwurf zu Krieg und Chaos

Der Grund ist der Mühlstein, den er vor sich herschiebt: „Das ist ein Friedensstein.“ Ein persönlicher Gegenentwurf zu Krieg und Chaos, wie der 46-Jährige erklärt. Irgendwie passt dazu, dass der Idealist seinen Geburtstag natürlich auf der Tour feierte - am 21. September, dem Weltfriedenstag der Vereinten Nationen.

Nach der freundlichen Auskunft interessieren Passanten in Burg vor allem diese beiden Fragen. Erstens: Wie schwer ist der Stein? 128 Kilogramm, Durchmesser ein halber Meter. Die Angaben nötigen sichtlich Respekt ab. Zweitens: Was ist die Botschaft der zahlreichen Aufschriften? Es handelt sich um religiöse und politische Symbole - laut Flossbach allesamt Zeichen des Friedens. Allein der Begriff ziert den Basalt-Lavastein in 44 verschiedenen Sprachen.

Gern lässt sich der Mann helfen, der für seien Idee fast wie der antike Sisyphos schuften muss. Mancher versucht es. Dann ist aber nach 100 oder 200 Metern meist schon Schluss. Denn keiner besitzt einen solchen Willen wie Flossbach. Ein selbstgesteckte Ziel nötigt zur Eile: „Am 3. Oktober will ich in Berlin das Brandenburger Tor erreichen.“ Das ist kein Zufall. Deutsche Einheit und Frieden gehören für den Mann aus Nordrhein-Westfalen zusammen.

Friedensstein - Ziel ist Berlin am 3. Oktober

Unterstützer aus der Heimat haben ihr Kommen bereits zugesagt. Die letzten zwei Kilometer von der Siegessäule bis zum symbolträchtigen Etappenziel sollen ein Event zum Nationalfeiertag werden. Jeder, der will, kann den rollenden Friedensstein begleiten. „Je mehr Leute kommen, desto besser.“ Nach dem Abstecher in die Hauptstadt soll die Metropole der friedlichen Revolution von 1989 das Ziel sein - Leipzig.

Obwohl zwei stählerne Laufringe das Vorwärtskommen ein wenig erleichtern, bleibt jeder Schritt letztlich eine Knochenarbeit. Noch während Flossbach den Stein über das Pflaster von Burg schiebt, färbt der Schweiß das Stirnband des Gartenbaugestalters aus Kürten dunkel. Aber das ist Alltag seit Ostern. Seitdem ist der vierfache Familienvater unterwegs , mit dem Segen der Kirchgemeinde seiner Heimatstadt. Seine Ehefrau Jenniver, die Haus und Hof bewirtschaftet, unterstützt das Vorhaben.

Möglichst viele Menschen sollen mit dem Friedensstein in Kontakt kommen

Flossbachs Maxime, die auf ein interreligiöses Friedensgebet am Hansetag 2017 zurückgeht, lautet: Wohin die Reise geht, sollen die Menschen entscheiden. „Mir geht es darum, dass möglichst viele mit dem Friedensstein in Kontakt kommen.“ Dafür könne das mit dem Ortungssystem GPS ausgestattete Mühlrad wie ein Vagabund die Welt durchqueren. „Jerusalem wäre vielleicht ein gutes Ziel.“

Die Stadt der Religionen, vorerst ist das freilich nur eine Vision. Dafür müsste der Friedensstein nicht nur wie bisher einige hundert, sondern einige tausend Kilometer zurücklegen. Aber schon jetzt verbinden sich für Flossbach zahllose anregende Erlebnisse mit seiner persönlichen Rolling-Stone-Tour.

Friedensstein war auch beim Katholikentag in Münster

In Erinnerung bleibt nicht zuletzt der große Katholikentag Anfang Mai in Münster. Amüsant ist die Statistik: Allein bis Bielefeld dreht sich das schwere Mühlrad schon 161.000 Mal. In Bückeburg schiebt Bürgermeister Reiner Brombach mit. Ganz so stark ist die Resonanz in Sachsen-Anhalt bislang nicht. „Erst einmal sehen die meisten Leute einfach weg, als wäre ich mit dem Friedensstein unsichtbar.“ Entmutigen lässt sich der Pilger für den Frieden davon nicht. Heute ist Michael Flossbach unterwegs in Richtung Genthin, weiter zur Landesgrenze nach Brandenburg.

Seine Friedensaktion kann man in sozialen Netzwerken im Internet verfolgen. Auf Facebook ist der größte Anteil von Followern vertreten.

Näheres finden Interessenten unter: www.facebook.com/stoning.roll.mf.

(mz)