Stadtrat Oranienbaum-Wörlitz

Stadtrat Oranienbaum-Wörlitz : Kritik an Friedhof führt zu Besuch

Oranienbaum - Oranienbaums Ortschaftsräte haben sich die Ergebnisse der Umgestaltung des Friedhofs angesehen. Vermutlich müssen noch einige Kiefern gefällt werden.

Von Andreas Behling 02.10.2019, 18:18

Seit dem Start der Arbeiten zur Umgestaltung auf dem Friedhof der Stadt Oranienbaum sind ungefähr 80 Bäume entfernt worden, die nicht mehr stand- und bruchsicher waren. Das erklärte der Oranienbaum-Wörlitzer Ordnungsamtsleiter Falk Müller im Rahmen einer Begehung des Areals. An ihr nahmen neben Mitgliedern des Ortschaftsrates noch Evelin Danders, in der Verwaltung für das Friedhofswesen zuständig, und Sebastian Doil als Mitglied der Baumschutzkommission teil.

Müller zufolge ist nicht auszuschließen, dass demnächst noch weitere Kiefern entnommen werden müssen. Diese seien vom Borkenkäfer befallen. Vorgesehen sei jedoch, alle nicht mehr vorhandenen Bäume nahezu komplett zu ersetzen. „Es wird Nachpflanzungen geben. Allerdings Schritt für Schritt“, kündigte der Ressortchef an.

Zudem seien die gestalterischen Eingriffe bislang nicht abgeschlossen. Wege seien aufzufüllen, Baumstümpfe abzufräsen, sofern sie nicht zu dicht an Grabstätten liegen, und Grasflächen anzulegen.

Darüber hinaus sollen die geschaffenen Freiflächen einen ebeneren Charakter erhalten. Wichtig für die Folgejahre sei, die Pflege von Grünflächen und Bäumen abzusichern. Nachgepflanzt werden soll dort, wo es gestalterischen Sinn macht und die Optik passt.

„Und nicht zuletzt muss es finanzierbar sein“, merkte Müller an. Evelin Danders berichtete, dass die Friedhofsordnung durchaus zulasse, eigene Pflanzen zu setzen. Die dürften aber nicht größer als 1,40 Meter werden. An einigen Gräbern ist dieses Maß deutlich überschritten.

Nach dem Ende der für eine Grabstelle vereinbarten Liegezeit gehen die gepflanzten Bäume oder Sträucher zudem ins Eigentum der Stadt über. „Und die Kommune ist für die Verkehrssicherheit auf dem Gelände zuständig“, erinnerte Sebastian Doil, der die Eingriffe verteidigte, weil sonst „ein vollkommen verwaschener Charakter“ entstanden wäre.

Aus der Warte des Oranienbaum-Wörlitzer Bürgermeisters Maik Strömer (CDU) war es richtig, die Umgestaltung in Angriff zu nehmen. In der Vergangenheit seien teilweise Wege entstan-

den, die um wildgewachsenes Strauchwerk herumführten. Nicht bei allen Oranienbaumern und auch nicht bei allen auswärtigen Besuchern des Friedhofs stießen die gärtnerischen Arbeiten allerdings auf Gegenliebe.

So machte Stadträtin Margret Wendt (AfD) im Hauptausschuss darauf aufmerksam, dass die Befestigung der Wege sehr zu wünschen übrig ließ. Zumal die lang anhaltende Trockenheit von Nachteil gewesen sei. „Wenn man von der Grabpflege gekommen ist, musste man gleich unter die Dusche“, sagte Wendt.

Persönlich habe sie den Zustand als „desolat“ empfunden. In sozialen Netzwerken verschafften sich weitere Einwohner Luft. Einige meinten, dass man sich „als Anwohner echt schämen“ müsse, weil nicht nur der Großteil der Bäume entfernt wurde, sondern auch noch „sehr viele Sträucher und Hecken verschwunden“ sind.

Der so hervorgerufene Anblick habe „überhaupt nichts mit dem Charakter oder Flair eines Parkes zu tun“. Entstanden sei „eine Dreckwüste mit Gräbern und Grabsteinen“. Ein anderer User hatte den Friedhof mit seinen Bäumen als „eine Oase der Ruhe“ empfunden. Es werde sicher etwas dauern, bis das Areal wieder annähernd so schön ist, wie es mal gewesen sei. Und an einer weiteren Stelle hieß es, man habe nicht nur tote Bäume weggenommen, sondern habe alles zunichte gemacht „ohne Sinn und Verstand“.

„Wir wollten mit Hilfe des historischen Plans von 1922 die Umgestaltung zu einer Parkanlage und die fortschreitende Annäherung an einen Wald verhindern“, sagte Ortsbürgermeister Michael Marks (Freie Wähler) im Anschluss an den etwa halbstündigen Rundgang. Er gehe davon aus, dass zum Friedhof weitere Beratungen stattfinden werden. So ist zum Beispiel geplant, am Nordrand des Gottesackers ebenfalls eine Baumreihe anzulegen.

Kleingewässer für das Binnenklima

Die Wiederherstellung des Kleingewässers auf dem Oranienbaumer Friedhof hat Sebastian Doil, seit dem Beginn der neuen Legislaturperiode für die CDU auch im Vockeroder Ortschaftsrat aktiv, angeregt. „Das wäre für das Binnenklima in dem Bereich nicht schlecht“, schätzte er vor Ort ein. Bürgermeister Maik Strömer (CDU) steht einem solchen Projekt zwar aufgeschlossen gegenüber, hält es aber gegenwärtig für „finanziell nicht umsetzbar“.

Die zu erwartende Größenordnung bewege sich allein für eine Treppe, die zu der momentan mit Schilf bewachsenen Fläche hinab führt, bei ungefähr 2500 Euro. Für vier Treppen müssten also dem eingeholten Angebot zufolge zirka 10000 Euro eingeplant werden. „Die notwendigen Arbeiten zur Entschlammung des Gewässers sind da noch gar nicht enthalten“, so Strömer.

Anstelle der Renaturierung des Gewässers ist die Umstellung des Bewässerungssystems auf dem Friedhof stärker in den Fokus der Verwaltung gerückt. „Die verlegten Leitungen sind teilweise über sechs, sieben Jahrzehnte alt und mittlerweile sehr reparaturbedürftig“, erklärte das Stadtoberhaupt. „Wir streben daher eine Versorgung mit Brauchwasser an.“

(mz)