Orgelfahrt in Bethau

Orgelfahrt in Bethau: Instrument will klingen

Bethau - Die Region zwischen Elbe und Elster hält viele Schätze bereit. Neben den Reizen der Landschaft gehören dazu unter anderem die Kirchen. Auch außerhalb des Reformationsjubiläums sind sie Orte, die viel über die Identität der hier lebenden Menschen ...

Von Sven Gückel 07.07.2017, 17:26

Die Region zwischen Elbe und Elster hält viele Schätze bereit. Neben den Reizen der Landschaft gehören dazu unter anderem die Kirchen. Auch außerhalb des Reformationsjubiläums sind sie Orte, die viel über die Identität der hier lebenden Menschen aussagen.

Zwölf Jahre, so lange debattierte man in Bethau, ehe 1904 ein Urteil gesprochen wurde: Die neue Kirche wird mit Turm gebaut. Warum sich die Menschen damals eine Entscheidung so schwer machen, bleibt wohl ein Geheimnis. Fest steht, dass die Bethauer mit dem Aussehen und der Gestalt ihres Gotteshauses bis heute zufrieden sind.

Wenngleich die Nutzung mittlerweile weit hinter den Erwartungen zurück liegt, wie Siegfried Schmidt den Teilnehmern der diesjährigen Orgeltour in Bethau bescheinigte.

Nur noch zwölf Mal

Nur noch zwölf Mal im Jahr werde die Kirche genutzt, der letzte Gottesdienst in ihr fand vor zwei Monaten statt. Um so erfreulicher der Anblick an diesem Tag der Orgelfahrt. Alle Bänke der 113 Jahre alten Kirche sind besetzt. Platz genommen haben Interessierte, die mehr über die Kirchen des Umlandes erfahren wollen und deshalb an der zwölften Orgelfahrt teilnahmen.

Unterstützt wurden die Organisatoren der Orgeltour 2017 neben anderen auch durch die Familie Reich, die in der Region mehrfach musikalisch hervortrat, den Singkreis „Frohsinn“, den Kirchenchor Annaburg und Otto-Bernhard Glüer, die in allen vier Gotteshäusern, neben Bethau auch Rosenfeld, Großtreben und Axien, für den musikalischen Part sorgten. Mehrfach kamen dabei auch Lieder zu Gehör, die Luther textete oder sogar komponierte.  

Organisiert von den Pfarrern der Pfarrbereiche Annaburg-Klöden-Prettin I und II, macht die Tour Station in Rosenfeld, Großtreben, Bethau und Axien.

„Es ist schön, dass sich das Angebot so großen Zuspruchs erfreut“, sagte Annaburgs Pfarrerin Viola Hendgen. Mit Begeisterung folgt auch sie den Ausführungen Schmidts. Seit langem schon beschäftigt sich der Senior mit der Historie des Objektes, kennt selbst kleine Details und erheiternde Geschichten.

Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde die Kirche am 14. November 1905 eingeweiht. Investiert wurden dafür 35.000 Reichsmark. Zwei Kriege und politische Umwälzungen haben allerdings schon 1954 deutliche Spuren hinterlassen. „Der Turm drohte einzustürzen, weshalb auch die Glocken nicht mehr läuten durften“, berichtet Schmidt.

Doch, so der Bethauer weiter, wenn die Not am Größten ist, ist Gottes Hilfe gewiss. In diesem Fall ist es ein junger Pfarrer, der nach Bethau entsandt wird und der mit viel Geschick und Hartnäckigkeit für eine erste Sanierung der Kirche sorgt. Der folgen später die Elektrifizierung des Geläuts und der Orgel.

1980, zum 75-jährigen Jubiläum des Gotteshauses, gibt’s innen und außen neuen Putz, auch das Dach wird in Ordnung gebracht. Auf Basis alter Fotografien, fährt Schmidt fort, kommt es 1998 schließlich zur erneuten Sanierung, die das Gotteshaus in den heutigen Zustand versetzt.

„Zu einem Preis, der, gemessen an den Kosten für die Ersterrichtung, sieben Kirchen ermöglicht hätte“, verdeutlicht er. Unter der geringen Nutzung des Gotteshauses leidet derzeit auch die 1905 von der Dessauer Firma Fleischer und Kindermann erbaute Orgel. 2004 gründlich überholt, weise sie doch einige Tücken auf, verrät Annett Zöffel.

540 Pfeifen

Die Lindaerin greift eigens für die Orgeltour in die Tasten, spielt ein italienisches Musikstück, begleitet Pfarrerin Viola Hendgen während eines Sologesangs und die anwesende Gemeinde zu dem von Luther getexteten Lied „Frau Musica spricht“. 540 Pfeifen aus Metall und Holz sowie sieben Register stehen der Organistin dafür zur Verfügung.

„Dass Menschen wie sie dieses kulturelle Erbe erhalten, in dem sie es bedienen, ist ebenso schön und lobenswert wie die Arbeit derer, die Kirchengeschichte für die Nachwelt aufschreiben“, dankt Hendgen dem Bethauer Hobby-Kirchenhistoriker Siegfried Schmidt und Annett Zöffel für deren Zuarbeit. Pfarrer allein würden dieses aufgrund der Fülle ihrer Tätigkeiten kaum noch schaffen, ergänzt sie.

(mz)