Koordinierungsstelle gegründet

Koordinierungsstelle gegründet: Partnerschaft für Demokratie wird in Prettin gestärkt

Prettin - Der Landkreis und die KZ-Gedenkstätte richten eine Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie in Prettin ein. Welches Anliegen dahintersteckt.

Von Ute Otto 17.07.2020, 07:57

Der Landkreis Wittenberg siedelt für die nächsten vier Jahre seine „Externe Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie“ in der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg Prettin an. Gefördert wird diese Projektstelle vom Bundesfamilienministerium über das Programm „Demokratie leben“. Noch bis zum 20. Juli können sich Interessenten auf die Ausschreibung der Stelle als Projektkoordinator bewerben.

Verantwortlich für Fördergeld

Aufgabe ist es, die Arbeit aller Akteure im Kreis mit ihren Aktivitäten gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit sowie für die Entwicklung eines demokratischen Gemeinwesens zu unterstützen, die Initiativen zu vernetzen und die Bürger aller Altersgruppen und aus allen Schichten partnerschaftlich einzubeziehen. Er oder sie verwaltet zudem die Fördermittel, die der Landkreis für die Umsetzung einschlägiger Projekte bekommt.

Über deren Vergabe entscheidet allerdings der „Begleitausschuss Partnerschaft“. Der soll jetzt auf neue Füße gestellt werden, und das ist wörtlich zu nehmen. Bislang rekrutierte sich das Gremium hauptsächlich aus Kreistagsmitgliedern. „Wir wollen Menschen ansprechen, die wir aufgrund ihrer Erfahrungen gerne in dem Beirat hätten“, sagt Landrat Jürgen Dannenberg.

Auch Melanie Engler, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg, ist der Beirat wichtig: „Der Begleitausschuss ist ein wesentliches Element für Demokratie. Wir wollen Menschen im Beirat haben, die das mit Herzblut machen“, sagt sie.

Aus der Geschichte lernen

Bei der Gedenkstättenstiftung des Landes Sachsen-Anhalt sei der Landkreis mit dem Ansinnen, die Koordinierungsstelle dort anzusiedeln, sofort auf offene Ohren gestoßen. Melanie Engler sieht sie in ihrem Haus gut aufgehoben. „Unsere politische Bildungsarbeit speist sich aus der Auseinandersetzung mit der Geschichte und bezieht sich nicht nur auf die Geschichte des Ortes selbst und des Nationalsozialismus, sondern auch auf die Kolonial- und DDR-Geschichte. Das ist wichtig, weil sie unser gegenwärtiges Verhalten bestimmt“, sagt die Gedenkstättenleiterin.

Die Konstituierung des Beirats sowie der Kauf von Technik und Material für Moderatoren sollen aus dem 2020er Förderanteil finanziert werden. Damit sind auch die Personalkosten für den Koordinator bis Jahresende gedeckt. Die kurze Befristung der Stelle auf drei Monate in der Ausschreibung hängt laut Dannenberg mit dem Fördermodus zusammen. Dass das potenzielle Bewerber abschrecken könnte, sei ihnen bewusst.

Von Jahr zu Jahr

„Wir haben die Hoffnung, dass die Menschen, die sich informieren, schon in Projekten unterwegs waren und wissen, wie das läuft“, sagt Dannenberg. Angelegt ist die Stelle bis 2024. „Wir haben das Geld formal.“ Die Fördermittel werden jedoch in Jahresscheiben bewilligt. Melanie Engler hält es für überfällig, dass die Bundespolitik wie bereits mehrfach versprochen ein Demokratie-Fördergeld im Haushalt verankert. „Das wäre die Verstetigung solcher wichtigen Projekte“, sagt sie.

Außerdem soll noch 2020 ein so genannter Mikroprojektfonds angeschoben werden, „um auf aktuelle Probleme reagieren zu können“. Das könne eine Sportveranstaltung sein, die die Themen Rassismus und Homophobie aufgreift oder ein Expertenforum, dass sich mit Verschwörungstheorien auseinander setzt. Wie viele Projekte unterstützt werden, sei noch offen, so Dannenberg. „Möglicherweise schreiben wir einen Wettbewerb aus.“

››Die Stellenausschreibung ist zu finden im Internet: https//Gedenkstaette-lichtenburg.sachsen-anhalt.de

Viele Projekte gefördert

Neu ist die Koordinierungsstelle nicht. „Als Netzwerkstelle war sie zuletzt bei der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Gräfenhainichen angesiedelt“, berichtet Landrat Jürgen Dannenberg (Die Linke). Die LEB habe die Netzwerkstelle zum Ende des Förderzeitraums 2015 - 2019 auf eigenen Wunsch abgegeben, da sie ihre künftige Bildungsarbeit auf andere Schwerpunkte orientieren möchte. Der Koordinator, Reinhard Pester, hatte seinen Sitz in der Kreisverwaltung Wittenberg. „Er wird in der Verwaltung eine andere Aufgabe übernehmen“, so der Landrat. Die Liste der im vorherigen Zeitraum umgesetzten Projekte ist lang. Erinnert sei an den Film über die Alternativen Jugendkulturen in Wittenberg vor und nach der Wende - ein Projekt der Wirtschaftsjunioren, die Ausstellung über das Kriegsgefangenenlager Kleinwittenberg im Ersten Weltkrieg vom Pflug e.V., die Stolperstein-Projekte des Luther-Melanchthon-Gymnasiums. Auch die internationalen Workcamps in der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg gehörten dazu. (mz)