Jagdbeirat im Landkreis Wittenberg

Jagdbeirat im Landkreis Wittenberg: Zoff bei den Jägern

Jessen/Wittenberg - Weil sich die drei Jägerschaften, die es im Landkreis Wittenberg nach wie vor gibt, nicht einigen können, bleibt eine Stelle im Jagdbeirat zunächst unbesetzt.

Von Marcel Duclaud 02.10.2019, 18:18

So ganz grün sind sich manche Jäger im Landkreis Wittenberg offenkundig nicht. Das zumindest legt eine Debatte nahe, die im Kreistag am Montagabend im Zusammenhang mit der Wahl des neuen Kreisjägermeisters und des Jagdbeirates des Landkreises stattfand.

Hintergrund sind die nach wie vor existierenden drei rechtlich selbstständigen Organisationen der Jäger: die Kreisjägerschaft Wittenberg, die Jägerschaft Altkreis Jessen sowie die Jägerschaft Mittlere Elbe-Vorfläming. Sie müssen die Kandidaten für das Ehrenamt des Kreisjägermeisters und des Vertreters der Jäger im Jagdbeirat vorschlagen.

Zunächst einvernehmlich

Das ist auch geschehen. Anfang Juli lag laut Fachdienstleiter Holger Zubke ein einvernehmlicher Vorschlag auf dem Tisch. Allerdings habe die Kreisjägerschaft Wittenberg nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kurz darauf die Zustimmung für den Vertreter der Jäger im Jagdbeirat, Ronny Hanl, zurückgezogen. Stattdessen ist Rainer Hinze nominiert und als Vorschlag präsentiert worden.

Die Konsequenz in so einem Fall, so Zubke: Das Vorschlagsrecht geht auf die nächsthöhere Organisationsebene über, das ist der Landesjagdverband. Und der schlug, dem Mehrheitsprinzip folgend, Ronny Hanl als Kandidaten für den Vertreter der Jäger im Jagdbeirat des Landkreises Wittenberg vor. Gewählt indes wurde Hanl, der in Listerfehrda wohnt und im Jobcenter des Landkreises arbeitet, (noch) nicht.

Zweifel am Verfahren

Der Kreistag hat, einem Vorschlag von Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) folgend, zwar den Kreisjägermeister und die Vertreter von Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagdgenossenschaften gewählt, nicht aber den Vertreter der Jäger.

Zuvor hatte Zubke appelliert, dass es ein funktionierendes Gremium brauche. Denn es lag auch ein Antrag der AfD vor, die ganze Sache zu vertagen und in die Ausschüsse zu verweisen. Die Verfahrensweise der Bestimmung der Kandidaten in den Jägerschaften sei „unüblich“, sagte Volker Scheurell.

Das monieren auch andere Kreisräte. „Ja, es gab immer wieder diese Probleme“, bestätigt Horst Dübner (Linke). In 30 Jahren sei es nicht gelungen, zu verbindlichen Regeln zu kommen, was die Bestimmung der Kandidaten durch die drei Jägerschaften betrifft: „Wir hofften stets auf einen Konsens und einheitliche Vorschläge.“

Am Ende, so Dübner, „schaden sich die Jäger selber“. Er vermisst zudem eine Begründung der Wittenberger Jäger, warum sie den ursprünglichen Vorschlag später ablehnten.

Ähnlich argumentiert Christian Tylsch, Fraktionschef der CDU: „Die drei Jägerschaften werden sich partout nicht einig. Das Amt wird damit beschädigt.“ Er bittet die Jägerschaften deshalb, gemeinsam eine Grundlage zu schaffen, damit nicht jedes Mal, wenn die Wahl von Kreisjägermeister und Jagdbeirat ansteht, Diskussionen zu Verfahrensfragen beginnen.

Dass es im Jagdrecht in der Tat keine Regelungen gebe, wie die Personal-Vorschläge zustande kommen sollen, ergänzte Holger Zubke. Und der Landrat konstatiert: „Es ist in den vielen Jahren nicht gelungen, die drei Jägerschaften unter einem Dach zu versammeln. Aber das ist Sache der Jägerschaften.“ Stefan Kretschmar (Freie Wähler) betont: „Es dürfte nur eine Kreisjägerschaft geben. Weil es drei sind, wird es so kompliziert.“

Jägermeister Guido Arndt

Durch den Kreistag gewählt sind folgende Personen: als neuer Kreisjägermeister Guido Arndt. Der Mann wohnt in Jessen, ist von Beruf Diplomforstingenieur und tätig als Leiter der Revierförsterei Jessen, Arndt fungiert zudem als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Jessen/Grabo.

Weiter im Jagdbeirat sind künftig: der Landwirt Andreas Petzold aus Gniest als Vertreter der Landwirtschaft; Frank Ackermann aus Annaburg als Vertreter der Forstwirtschaft, er war lange Jahre Chef des Betreuungsforstamtes; als Vertreter des Naturschutzes der Kemberger Daniel Klehr, der bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Wittenberg arbeitet; schließlich als Vertreter der Jagdgenossenschaften Kai Gersch aus Eutzsch, er ist Handelsvertreter und in mehreren Jagdgenossenschaften aktiv.

(mz)