Schulen im Landkreis Wittenberg

Feiern will organisiert sein

Zum Ende der Schulzeit wird normalerweise ausgiebig Party gemacht. Warum das in diesem Jahr nicht so einfach möglich ist - und einige sogar darauf verzichten.

Von Paul Damm und Julius Jasper Topp
Nach den Zeugnissen wird üblicherweise gefeiert.
Nach den Zeugnissen wird üblicherweise gefeiert. (Foto: dpa)

Wittenberg - Immer näher rückt das Ende eines ungewöhnlichen Schuljahres im Landkreis Wittenberg - und damit die Frage, wie die Abschlussfeier nach der Zeugnisübergabe aussehen soll. Trotz niedriger Inzidenz ist die Planung für die künftigen Absolventen infolge der Pandemie erschwert. Dennoch wollen einige Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss gebührend zelebrieren. Die MZ erfuhr aus mehreren Schulen im Landkreis, dass die Feiern diesmal ausfallen und wie schwierig es für Schüler ist, die doch eine Party organisieren.

Planung fällt schwer

Dass es eine Feier nach der Zeugnisübergabe geben soll, stand bei den Schülern des Lucas-Cranach-Gymnasiums in Wittenberg außer Frage. Sechs Abiturienten hatten sich zu einem sogenannten Abiball-Komitee zusammengeschlossen, um die Abschlussveranstaltung zu planen. Wobei die Planung zu Beginn eher holprig verlief. „Ständig änderten sich die Beschlüsse. Das machte uns die Organisation unheimlich schwer“, sagt Janine Bender vom Komitee-Vorstand der Schule.

Vor einigen Wochen begaben sich die Zwölftklässler auf die Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsraum für die Abschlussfeier. Allerdings endete die Suche in einer Sackgasse: Momentan dürfen nämlich nur 100 Personen im Innenraum an einer Veranstaltung teilnehmen. „Das war uns zu wenig. Wenn wir etwas planen, dann sollen auch Lehrer, Eltern und Freunde mit dabei sein dürfen“, berichtet Janine Bender.

Daher fassten sie kurzerhand den Entschluss, die Feier direkt nach der Zeugnisübergabe auf dem Schulhof des Gymnasiums zu veranstalten. „Hier ist genug Platz und wir dürfen im Außenbereich mit 250 Personen feiern“, erklärt Max Hieber vom Organisationsteam. Allerdings folgte kurz darauf die nächste Ernüchterung. Den Schülern wurde mitgeteilt, dass eine Feier auf dem Schulhof nicht zulässig ist. Der Grund: Ein Abiturball auf dem Schulgelände muss von einem professionellen Veranstalter organisiert werden.

„Das ist schade. Ich habe auch schon länger damit geliebäugelt, den Abiball auf dem Schulhof stattfinden zu lassen“, sagt Bernd Ludlei, Schulleiter des Piesteritzer Gymnasiums. Ein weiterer Grund, warum sich die Feier auf dem Schulhof schwierig gestaltet, sei laut Ludlei das bestehende Alkohol- und Rauchverbot. Der Direktor betont: „Dieses kann nicht einfach für einen Abiball außer Kraft gesetzt werden.“

Inzwischen hat das Organisationsteam der Schule einen passenden Veranstaltungsort gefunden - nur wenige Kilometer vom Gymnasiums entfernt: den Sportplatz in Apollensdorf. „Hier können wir 250 Personen gut unterbringen“, erklärt Janine Bender. Momentan laufen die Vorbereitungen für den Abschlussball auf Hochtouren. Unterstützung erhalten die Organisatoren von Andy Straube. Der Geschäftsführer des Wittenberger „Bittersuess“ kümmert sich als Veranstalter um die Feier und versorgt die Gäste mit Getränken. „Es ist trotzdem immer noch ein großer organisatorischer Aufwand. Mein Telefon steht kaum noch still“, erklärt die Gymnasiastin. Schließlich benötigen die Schüler eine angemessene Bestuhlung sowie ein gutes Catering und Musik - und die Zeit rennt, denn bereits am 3. Juli, also in gut zwei Wochen, soll der Abiball in Apollensdorf starten.

Oft muss der Ball ausfallen

In anderen Schulen im Landkreis wird auf einen Abschlussball in diesem Jahr verzichtet - teilweise sollen kleine individuelle Feiern veranstaltet werden. So beispielsweise in der Kemberger Ganztagsschule „Ernestine Reiske“, wie Schulleiter Jürgen Preuschoff berichtet: „Einen Abschlussball im großen Rahmen wird es leider nicht geben. Eine Klasse will privat eine kleine Feier ausrichten. Mehr ist nicht geplant.“ Als Grund nennt er die Planungsunsicherheit, die noch in den vergangenen Monaten herrschte. Zudem soll es für die Abschlussklässler kaum möglich gewesen sein, Geld in die Klassenkasse spülen zu lassen. Preuschoff: „In den Zeiten von Homeschooling war es nur schwer möglich, Kuchenbasare in der Schule auszurichten.“

Ebenfalls verzichten müssen auch die Abiturienten des Wittenberger Luther-Melanchthon-Gymnasiums. „Der ursprünglich geplante Abiball ist aufgrund der Verordnungen nicht durchführbar. Das ist bitter“, berichtet die Schulleiterin Anja Aichinger. Derzeit seien die Schüler im Gespräch, ein gemeinsames Essen mit den Lehrern unter freiem Himmel zu organisieren. Freuen können sich die Schüler trotzdem: „Wir werden wieder unsere traditionelle und festliche Zeugnisübergabe im Theatersaal der Phoenix-Theaterwelt durchführen“, betont die Direktorin.

In der Coswiger Sekundarschule „Johann Gottfried Wilke“ wurde der Schulleiter Detlef Gutsche bisher noch nicht über Planungen der Schülerinnen und Schüler informiert. „Ich gehe davon aus, dass momentan noch nicht so viel am Laufen ist. Ein großer Abschlussball mit allen Schülern und Lehrern wird kaum umsetzbar sein“, schätzt Gutsche ein.

Auch Eltern finden es schade

Bedauern ist von den Eltern im Kreis zu hören. Der Vorsitzende des Kreiselternrates, Daniel Kemp, findet es schade, dass der Abschied sehr mager ausfällt. „Oft ist es die letzte Gelegenheit, bei der sich die Schüler und die Eltern treffen, bevor sie getrennter Wege gehen“, sagt er. Man kenne sich schließlich von Elternabenden, gemeinsamen schulischen und außerschulischen Aktivitäten. Da sei es schade, dass die würdige Abschlussfeier nun oft flachfalle. Das gelte auch für die Grundschulen, sagt Kemp, dessen Tochter bald auf eine weiterführende Schule wechselt. Auch bei ihr sei die Abschlussfahrt wegen Corona ausgefallen. (mz)