Gewisser Ermessensspielraum

Wie die Situation in den Pflegeheimen in MSH derzeit aussieht

Nachdem in vielen Pflegeheimen in Mansfeld-Südharz die meisten Bewohner gegen Corona geimpft sind, könnte es bald Erleichterungen für sie geben. Wie es im Einzelnen aussieht.

Von Daniela Kainz und Joel Stubert
DRK Pflegeheim Kyffhäuserblick in Sangerhausen (Foto: Maik Schumann)

Sangerhausen/Mansfeld

Nach einer langen Zeit mit pandemiebedingten Einschränkungen hoffen die größtenteils bereits durchgeimpften Senioren in den Pflegeheimen in Mansfeld-Südharz auf baldige Lockerungen. Auch im Mansfelder Johanniter-Haus will man Stück für Stück in den gewohnten Alltag zurückkehren. Das Seniorenheim öffnet sich weiter für Besucher, aber auch Senioren sollen ihre Angehörigen wieder zu Hause besuchen können. Möglich wird das alles, weil die Bewohner bereits ihre zweite Impfung gegen das Coronavirus erhalten haben. „Und unsere Mitarbeiter sind seit vergangener Woche auch alle geimpft“, sagt Einrichtungsleiterin Undine Heisig.

Mehr Freiheiten für die Senioren in den Pflegeheimen

Beste Voraussetzungen, um den nächsten Schritt zurück in die Normalität zu gehen. Ab 10. Mai sollen die Erleichterungen im Leben der Senioren und ihrer Angehörigen greifen. Dann wird das Haus auch nicht mehr nur dreimal in der Woche, sondern bereits fünf Tage in der Woche für Besucher geöffnet sein. Trotzdem gelten auch weiterhin die allgemeinen Corona-Regeln. Das bedeutet beispielsweise, dass der jeweilige Familienangehörige, der seine Mutter oder seinen Vater für den Kaffeebesuch nach Hause holen möchte und noch nicht geimpft ist, sich im Johanniter-Haus testen lässt oder aber zur Abholung einen negativen Test vorweist.

Heisig zeigt sich zuversichtlich, dass sich die Angehörigen ihrer Verantwortung gegenüber den Senioren bewusst sind und die Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemie auch in den eigenen vier Wänden einhalten. Sie freut sich für die Senioren über ihre zurückgewonnenen Freiheiten. Als in der Anfangszeit gar keine Besuche im Johanniter-Haus möglich waren, wurde der Kontakt zu den Familien hauptsächlich per Telefon oder Videotelefonie gehalten. „Wir hatten dafür Tablets, über die auch Bilder verschickt wurden“, sagt die Einrichtungsleiterin. Aus ihrer Erfahrung zeigten sich die Bewohner des Hauses in dieser schwierigen Situation diszipliniert und verständnisvoll. Da seien Angehörige mitunter ungeduldiger als die Senioren gewesen, erinnert sie sich. Seitdem die Impfungen mehr Sicherheit geben, finden auch wieder gemeinsame Aktivitäten im Haus statt. Gruppentherapien und Spielenachmittage nehmen die Senioren dankbar an. Geburtstage müssen auch nicht allein verbracht werden. Heisig: „Neulich saß eine 95-Jährige mit ihren Freundinnen an einer großen Kaffeetafel zusammen.“

Corona-Regeln mit gewissem Ermessensspielraum

Auch Andreas Claus, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Sangerhausen, kann es kaum erwarten, dass in seinen Seniorenzentren wieder so etwas wie Normalität einzieht. „Bei uns war es schon immer so: Wer geimpft ist, darf auch die Wohnung verlassen und auch raus aus dem Gebäude“, sagt er. Wenn jemand ein langes Wochenende bei den Angehörigen verbringe, müsse der Bewohner anschließend auch trotz einer vollständigen Impfung auf das Coronavirus getestet werden. So sehe es das Gesundheitsministerium vor. „Wir wollen den Bewohnern gute alte Tage verschaffen“, sagt Claus. „Da zählen Kontakte dazu.“ Aktivitäten seien aber grundsätzlich immer noch eingeschränkt, Gruppenausflüge oder gruppentherapeutische Angebote beispielsweise noch nichtmöglich. „Auch auf Geburtstagsfeiern oder die beliebten Sommer-, Frühlings- oder Herbstfeste müssen wir noch verzichten“, betont Claus. „Natürlich ist es dann auch so, dass unsere Bewohner ungeduldig werden.“

Es geht eben für die Leiter der Einrichtungen mittlerweile trotz Impfungen vor allem darum, stets abzuwägen, was schon möglich ist und was nicht - auch unter dem Druck von Bewohnern und Angehörigen. Keine leichte Aufgabe, wie auch Pfarrer Folker Blischke zu berichten weiß, der auch Vorstandsvorsitzender vom Marienstift in Roßla ist. „Wir sind abhängig von den Landesvorschriften“, sagt Blischke. Es gebe einen gewissen Ermessensspielraum, gibt auch er zu. So sei es beispielsweise nicht erwünscht, wenn Bewohner mit zu Familienfeiern außer Haus mitgenommen werden. „Aber wir sperren hier auch keinen ein“, so Blischke.

Für Geschäftsführer Ralf Orlowski vom Seniorenheim „Am Park“ in Klostermansfeld ist in diesen Tagen die Nachricht „die größte Freude, dass die Testpflicht für Geimpfte wegfällt“. Diese Tatsache würde künftig den Ablauf innerhalb des Hauses deutlich erleichtern. „Die Schnelltests sind eine logistische Herausforderung“, sagt er. Denn die Mitarbeiter müssten diese Aufgabe zusätzlich zu ihrem eigentlichen Arbeitspensum übernehmen, wenn Besucher kommen. Momentan aber warte man noch auf die zweite Impfung für die Bewohner des Hauses. Orlowski hält trotzdem nichts davon, die Bewohner in dieser Übergangszeit wegzusperren. Mit gesundem Menschenverstand konnten und können ihm zufolge Lockerungen in den Alltag einfließen. Spaziergänge zählen beispielsweise dazu. Entscheidend sei bei allem, dass weiterhin auf Abstandsregeln, Mund-Nasen-Schutz und Desinfektion geachtet werde. Kein Tabu sind in Klostermansfeld Besuche zu Hause. „Wir haben ein System für Rückkehrer“, sagt der Geschäftsführer. Die Rentner müssen sich vorsorglich für drei Tage in Quarantäne begeben, um zu beobachten, ob sie wider Erwarten Symptome entwickeln. (mz)