Keine Ausbildung mehr aber Einsätze

Welche Bilanz die Roßlaer Feuerwehr vom Corona-Jahr 2020 zieht

Die Freiwillige Feuerwehr Roßla ist im vorigen Jahr 68 Mal ausgerückt, öfter als im Jahr zuvor. Worauf die Mitglieder hoffen.

Von Helga Koch
Auch zu Unfällen wie hier auf der Südharzautobahn wird die Feuerwehr Roßla regelmäßig gerufen.
Auch zu Unfällen wie hier auf der Südharzautobahn wird die Feuerwehr Roßla regelmäßig gerufen. (Foto: Feuerwehr Roßla)

Roßla/MZ - Premiere in doppelter Hinsicht: Die Jahreshauptversammlung der Roßlaer Feuerwehr fand diesmal viel später als sonst statt, und außerdem an einem ungewöhnlichen Ort - im „Feuerwehrgarten“ hinterm Gerätehaus, dicht neben der vielbefahrenen Bahnlinie Halle - Kassel. Ungewöhnlich war aber vor allem das Jahr, über das Ortswehrleiter Lars Wiechert berichtete. Hatte doch die Corona-Krise den Alltag für die Mitglieder gehörig durcheinander gebracht. „Ab dem 14. März hatten wir keine Ausbildung mehr, aber Einsätze zu fahren.“ Fast wöchentlich seien neue, zehnseitige Schreiben gekommen, worauf zu achten sei. „Wir durften nichts machen, und doch sollte alles wie vorher sein.“

Erster Einsatz für die Feuerwehr in 2020 gleich in der Neujahrsnacht

Schon der erste der insgesamt 68 Einsätze des vorigen Jahres sei ihnen an die Nieren gegangen, als in der Neujahrsnacht kurz vor halb fünf die Leitstelle wegen einer „Person im Schornstein“ Alarm ausgelöst habe. „Ich dachte, es ist ein Schreibfehler von der Leitstelle“, blickt Wiechert zurück. Was folgte, war ein sechsstündiger Einsatz mit der Drehleiter in Uftrungen - bei eisigen Temperaturen, mit schwindender Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang und dennoch einem guten Ende. Brennende Wohnhäuser, eingeklemmte Menschen bei Verkehrsunfällen, auslaufende Betriebsstoffe auf der Autobahn, explodierende Gasflaschen in einem Garten, Feuer am Questenstamm oder einem Windrad…

Und trotzdem, sagt der Ortswehrleiter, habe es schöne Momente gegeben. Etwa, als Pfarrer Folker Blischke zu Ostern mit seiner mobilen Kanzel bei der Feuerwehr war und so viele Menschen erreichte - Gottesdienste waren Corona-bedingt nicht möglich. Aus demselben Grund habe der Tag der offenen Tür nur virtuell stattgefunden, sagt Wiechert: „Wir haben fast 5.000 Personen erreicht.“ Als die Pandemie im Spätherbst im Marienstift wütete, half die Feuerwehr unter anderem mit einem Arbeitseinsatz.

Lob für die „fantastische Arbeit“ der Roßlaer Wehr

Vieles sei ausgefallen, aber „bei der Ausbildung waren wir flexibel“, sagt Wiechert. Statt sich im Gerätehaus zu treffen, entstanden beispielsweise kleine Videos zum Einsatz technischer Geräte: „Die können wir immer wieder verwenden.“ Trotz aller Schwierigkeiten, sagt Gerätewart Hanno Heßler, hätten sie alle Fahrzeuge beim TÜV pünktlich vorgestellt und einige Reparaturen selbst erledigt. „Von denen allein zwei 3.000 Euro gekostet hätten“, wirft Wiechert ein. Die 16 Mitglieder der Jugendwehr, sagt Jens Gebelein, hätten viele Dienste nicht absolvieren können, Wettkämpfe und Zeltlager seien ausgefallen: „Das wollen wir möglichst nachholen.“ Ähnlich falle die Bilanz für die Kinderwehr aus, sagt Nicole Wiechert. „Trotzdem haben alle die ’Kinderflamme’ geschafft und waren megastolz.“

Gemeindewehrleiter Frank Reinhardt lobt die „fantastische Arbeit“ und Einsatzbereitschaft der Roßlaer Wehr - trotz des erhöhten Risikos, sich das Virus einzufangen. Ebenso zollt Bürgermeister Ralf Rettig (parteilos) große Anerkennung: „68 Einsätze, das ist eine Hausnummer!“ Die Gemeinde habe im vorigen Jahr „872.000 Euro für die Sicherheit unserer Bevölkerung ausgegeben. Das ist gut angelegtes Geld. Der Gemeinderat hat nie etwas abgelehnt.“ Auch Blischke findet anerkennende Worte für die „sich verbindende Kraft von Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung“. Trotz unterschiedlicher Meinungen zu vielen Themen - Zusammenhalt mache das Feuerwehrleben aus.