Unterschriftenaktion

Unterschriftenaktion: Sozialarbeiter sollen bleiben

Sangerhausen/Eisleben/Hettstedt - „Sie ist nett und wir brauchen sie. Sie hilft uns, wenn es Streit gibt“, sagt Romy über die Sozialarbeiterin ihrer Schule. Die Zweitklässlerin hat wie viele Mädchen und Jungen aus der Sangerhäuser Grundschule Südwest eine Liste unterschrieben, auf der der Erhalt der Schulsozialarbeit im gesamten Land gefordert wird. Der steht nämlich auf der Kippe. Darauf macht ein Bündnis „Schulsozialarbeit dauerhaft verankern“ gegenwärtig im Land Sachsen-Anhalt aufmerksam. Es geht darum, dass die Schulsozialarbeit auch nach dem 31. Juli 2020 weiterlaufen soll, denn dann endet die Förderung über den europäischen Sozialfonds. Wie es dann weitergehen soll, ist ...

Von Beate Thomashausen 11.03.2019, 14:09

„Sie ist nett und wir brauchen sie. Sie hilft uns, wenn es Streit gibt“, sagt Romy über die Sozialarbeiterin ihrer Schule. Die Zweitklässlerin hat wie viele Mädchen und Jungen aus der Sangerhäuser Grundschule Südwest eine Liste unterschrieben, auf der der Erhalt der Schulsozialarbeit im gesamten Land gefordert wird. Der steht nämlich auf der Kippe. Darauf macht ein Bündnis „Schulsozialarbeit dauerhaft verankern“ gegenwärtig im Land Sachsen-Anhalt aufmerksam. Es geht darum, dass die Schulsozialarbeit auch nach dem 31. Juli 2020 weiterlaufen soll, denn dann endet die Förderung über den europäischen Sozialfonds. Wie es dann weitergehen soll, ist unklar.

Konzept für Sozialarbeiter gefordert

Ein Aktionsbündnis, dem die Liga der freien Wohlfahrtsverbände, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die Gewerkschaft GEW Sachsen-Anhalt, der Landeselternrat und der Landesschülerrat angehören, fordert die Landesregierung jetzt auf, ein Konzept vorzulegen, wie die Schulsozialarbeit über das Jahr 2020 hinaus fortgeführt und finanziert wird. Die Unterschriftenaktion, die bis Mitte April läuft, soll den Landtag unter Druck setzen.

„Wir brauchen Schulsozialarbeit“, sagt Angela Ermisch. Sie ist Lehrerin an der Grundschule Südwest. „Das Konfliktpotential an den Schulen wächst. Schulsozialarbeiter sind uns Lehrern eine große Unterstützung zum Beispiel in Elterngesprächen, aber natürlich auch in der täglichen Arbeit mit den Schülern, die sich oft mit Problemen konfrontiert sehen, die man nicht in einer Unterrichtsstunde lösen kann.“

Weniger Schulabbrecher dank Sozialarbeiter

Das bestätigt Yvett Becker-Schulz, dass Kinder heutzutage häufiger Probleme an der Schule haben als früher. Schulsozialarbeiter versuchen dann Angebote außerhalb des Unterrichts zu schaffen, um mit den Kindern soziale Kompetenzen zu trainieren wie Gesprächsregeln oder wie man mit Wut, Angst und Trauer umgeht. Yvette Becker-Schulz ist seit 2016 als Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Roßla im Einsatz und seit Anfang des Jahres zusätzlich an der Grundschule Südwest in Sangerhausen.

Darüber hinaus halten Schulsozialarbeiter auch Kontakt beispielsweise mit dem Jugendamt und organisieren Veranstaltungen zur Prävention. „Sie leisten wichtige Netzwerkarbeit“, sagt Stefanie Wernecke von der Netzwerkstelle Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz. Die Netzwerkstelle unterstützt seit 2009 die mittlerweile 37 Schulsozialarbeiter, die im Landkreis im Einsatz sind. Sie wird selbst auch über das EU-Programm gefördert. Ursprüngliches Anliegen sei es gewesen, so Wernecke, die Schulabbrecherquote im Landkreis zu senken, die in den Jahren vor 2009 alarmierend hoch gewesen sei.

Zuerst etwas skeptisch betrachtet, seien Schulsozialarbeiter mittlerweile unverzichtbar an den Schulen. „Sie haben alle Kinder und Jugendlichen mit ihren Problemen an den Schulen im Blick, bieten Projekte an, schaffen zusätzliche Angebote, arbeiten präventiv, sind Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen, sind häufig Vermittler an ihren Einsatzorten“, bricht sie eine Lanze für die Schulsozialarbeiter. Die Netzwerkstelle selbst wiederum organisiert Fachforen und themenbezogene Kooperationen und Weiterbildungen. (mz)