Exotin besiedelt Mansfeld-Südharz

Seltene Gottesanbeterin erobert langsam das Biosphärenreservat Südharz

Von Babett Gumbrecht
Eine männliche Gottesanbeterin
Eine männliche Gottesanbeterin (Foto: Sandra Dullau)

Sangerhausen/Eisleben/Hettstedt/MZ - Noch sind die kleinen grünen Tiere ein seltener Anblick in der Natur in Sachsen-Anhalt. Doch das könnte sich bald ändern. Die Rede ist von der Gottesanbeterin. Sie erobert mit den klimatischen Veränderungen neue Lebensräume - auch bei uns.

„Ja im letzten Jahr konnten wir zwei, drei Tiere beobachten“, bestätigt Armin Hoch vom Biosphärenreservat Südharz. Aber woran liegt das? Gottesanbeterinnen lieben Wärme und vertragen Trockenheit. Seit Anfang der neunziger Jahre breiten sie sich durch klimatische Veränderungen immer weiter nach Norden aus. In den heißen Jahren 2019 und 2020 beobachtete das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt eine rasante Ausbreitung der Art im Süden Sachsen-Anhalts. Zum Vergleich: In den Jahren 2005 bis 2007 wurde kein einziges Tier gezählt. 2020 gleich 194.

„In Starre sehen die Gottesanbeterinnen aus wie Blätter und sind schwer zu sichten“

Das Insekt mit dem wissenschaftlichen Namen Mantis religiosa gehört zur Gruppe der Fangschrecken, welche spezielle Fangbeine für die Jagd besitzen. Der Name der Gottesanbeterin geht auf die in Ruhestellung an den Körper angelegten Fangbeine zurück, die an eine Gebetsposition erinnern. Die Art besiedelt vor allem Heiden, Brachen und Gärten mit höheren Gräsern, Stauden und Gebüschen. Fundorte im Südharz: die Queste und Breitungen.

Bisher wurden nur wenige Exemplare gesichtet, aber es könnten weit aus mehr sein, denn das Aussehen der Gottesanbeterin erleichtert es Tierforscherin nicht wirklich. Die hellgrüne oder bräunliche Färbung orientiert sich an der vorherrschenden Vegetation und dient der Tarnung. Hoch: „In Starre sehen die Gottesanbeterinnen aus wie Blätter und sind schwer zu sichten“. Dennoch häufen sich die Sichtungen des Insekts.

Tiere und Pflanzen von veränderten Bedingungen betroffen

Und die Gottesanbeterin ist kein Einzelfall: „Die blaue Holzbiene oder das Taubenschwänzen sind auch Arten, die sich bei uns neu etabliert haben und weiter ausbreiten“, so der Experte für Botanik Hoch. Grund dafür sei die besondere geografische Lage des Biosphärenreservat. Es liegt direkt an der Grenze zwischen der subatlantischen und der subkontinentalen Klimazone.

Dadurch bewirke eine minimale Veränderung des Klimas direkt auch eine Veränderung der Bedingungen für die Tiere und Pflanzen. Dadurch konnten leicht neue Bedingungen für andere Tierarten geschaffen werden, die sich jetzt im Biosphärenreservat ausbreiten. Andere Tiere hätten nun aber Probleme, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Deswegen wird es Arten geben die nicht mehr überleben können und verschwinden. Lurche zum Beispiel seien durch die zunehmende Austrocknung der Gewässer vom Artenrückgang betroffen. Hoch: „Die Zeit wird zeigen, welche Tierarten die Verlierer der Klimakrise sind“.

›› Beobachtungen zur Gottesanbeterin können mit Angaben zur Fundstelle, Anzahl und Färbung der Tiere sowie Fotos an: