Heiratsschwindler 2.0

Heiratsschwindler 2.0: Wie eine Frau aus dem Landkreis um 100.000 Euro gebracht wurde

Hettstedt/Eisleben/Sangerhausen - Die Frau ist auf eine Betrugsmasche hereingefallen. Nun ermittelt die Polizei.

Von Anke Losack

Ihre Facebook-Freundschaft nahm vor etwa drei Jahren ihren Anfang. Ein attraktiver Mann hatte Jana F. (Name geändert) aus Mansfeld-Südharz über Facebook kontaktiert. Er gab an, als Ingenieur an einem großen Bauprojekt in Nigeria zu arbeiten, machte ihr Komplimente, interessierte sich für sie.

Aus der anfangs harmlosen Facebook-Freundschaft entwickelte sich ein intensiverer Kontakt: Handy-Nummern wurden ausgetauscht, sie chatteten via Skype. Jana F. verliebte sich in den Mann. Doch wenn sie ihn kontaktieren wollte, reagierte er meist nicht. Der Ingenieur meldete sich dann später zurück, gab an, viel zu arbeiten.

Frau fällt auf Betrugsmasche mit vorgetäuschter Liebe herein

Zudem berichtete er von Schwierigkeiten, die er mit der Polizei oder seinem Pass habe. Er bat Jana F. daraufhin um Geld. Über die drei Jahre überwies sie insgesamt 100.000 Euro und fiel auf einen Betrug mit vorgetäuschter Liebe rein.

Romance-Scamming nennt sich die Betrugsmasche, die früher schlicht als Heiratsschwindelei bezeichnet wurde. Die sogenannten Scammer, Männer oder auch Frauen, sind sozusagen die Heiratsschwindler 2.0 im Zeitalter des Internets. Sie suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken nach Opfern.

Steffi Schwan, Polizeisprecherin im Revier Mansfeld-Südharz, hat der MZ Jana F’s Fall, der jüngst von der Betroffenen angezeigt wurde, geschildert. Nach ihren Angaben gehören die Betrüger in der Regel zur sogenannten Nigeria-Connection, die eine regelrechte Liebesmafia darstellt.

Betrugsmasche: Männer geben sich als Ärzte oder Soldaten aus und gehen Online auf Frauensuche

Meist seien es Männer, die sich als Ingenieure, Architekten, Ärzte oder US-Soldaten ausgeben und ungewöhnliche Lebensgeschichten vorgaukeln. „Sie machen einen seriösen Eindruck, sprechen meist perfekt Englisch“, so Schwan. Bilder, die sie von sich zeigen, seien meist gestohlen. Sie sind nur auf Geld ihrer Opfer aus, täuschen dafür Schwierigkeiten im Ausland vor.

Nach Angaben von Schwan wurden bei der Polizei in Mansfeld-Südharz im vergangenen Jahr drei Fälle angezeigt, bei denen Frauen die große Liebe vorgespielt wurde und die dann gnadenlos ausgenommen wurden. In diesem Jahr sind der Polizei im Landkreis zwei Fälle bekannt. Der jüngste ist der von Jana F. Die Dunkelziffer ist hoch, meint Schwan. „95 Prozent werden nicht angezeigt, da sind wir uns sicher.“ Viele Opfer würden sich aus Scham nicht melden.

Betrüger agieren mit gefälschten Ausweisen

Das Geld, das die Opfer überwiesen haben, sehen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wieder. Denn die Betrüger tun alles dafür, ihre Spuren zu verwischen und ihre wahren Identitäten zu verschleiern.

Nach Angaben von Schwan würden sie etwa mit gefälschten Ausweisen agieren oder auch Mittelsmänner für Geldgeschäfte einsetzen. Die Verfolgung gestaltet sich schwierig. „Weil sich die Sache im Ausland abspielt“, sagt die Polizeisprecherin. Darum sei es wichtig, über die Betrugsmasche aufzuklären.

Besonders gefährdet, so Schwan, seien Personen, die sich in Partnerbörsen oder sozialen Netzwerken ein eigenes Profil mit Foto, Angaben zur Person und Beziehungsstatus einrichten. „Viele Leute sind da sehr sorglos und geben Details aus ihrem familiären Umfeld preis“, so Schwan. Das ist ein gefundenes Fressen für Betrüger, die dann oft alles über ihr Opfer wissen wollen.

Opfern fällt es oft nicht leicht, die Polizei einzuschalten

Einen regen Austausch über ihr Privatleben führte auch Jana F. mit ihrem Ingenieur. Nach Angaben der Polizeisprecherin hat die beste Freundin von Jana F. bemerkt, dass an der Liebesbeziehung etwas nicht stimmt. Das Opfer habe sich schließlich überreden lassen, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. „Leicht ist ihr das nicht gefallen“, sagt Schwan.

Sämtliche Hoffnungen, die über die drei Jahre systematisch geweckt wurden, werden auf einen Schlag genommen. Das Herz ist gebrochen. „Davon erholen sich viele Betroffene nur langsam“, so die Polizeisprecherin. Vom finanziellen Schaden mal ganz zu schweigen. (mz)