EIL

Bewerberin im Wahlkreis 74

Bundestagswahl: Katrin Budde kämpft zum neunten Mal um Parlamentsplatz

Katrin Budde (SPD) ist die erfahrenste Bewerberin. Sie saß 30 Jahre in Parlamenten. Auf eine Koalition mit der Union hat sie keine Lust mehr.

Von Robert Briest Aktualisiert: 01.09.2021, 15:21
Katrin Budde hat bereits sieben Landtagswahlkämpfe absolviert, nun will sie zum zweiten Mal in den Bundestag einziehen.
Katrin Budde hat bereits sieben Landtagswahlkämpfe absolviert, nun will sie zum zweiten Mal in den Bundestag einziehen. Foto: Maik Schumann

Eisleben/Merseburg/MZ - Katrin Budde kommt diesmal sehr blass daher – sowie ihre Parteikollegen auch. Ihre SPD hat sich bei den Wahlplakaten für Schwarz-Weiß-Porträts auf knalligem Rot entschieden. Der Bewerberin im Wahlkreis 74 gefällt das durchaus. Sie hat reichlich Erfahrung damit, ihr Konterfei auf Wahlwerbung zu sehen. Es ist ihr neunter Kampf um ein größeres politisches Mandat. Acht Mal gelang ihr der Sprung ins Parlament. Doch nicht jede Wahl war deshalb erfolgreich. 2016 hatte sie die SPD als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl geführt. Es setzte eine krachende Niederlage, weshalb Budde tags darauf den Landesparteivorsitz niederlegte.

Es sollte eine Zäsur in der politischen Karriere der heute 56-Jährigen sein, der nur ein Jahr später der Neustart im Bundestag folgte. Die Arbeit dort sei nicht nur mehr, sondern auch ganz anders als im Landtag, berichtet Budde. Die Themen seien auf der einen Seite zwar allgemeiner, auf der anderen Seite habe es sie aber überrascht, wie viel Konkretes für den Wahlkreis man machen kann.

Der heißt für sie seit 2017 bereits Sangerhausen-Merseburg. Dabei lebt Budde in Magdeburg. Als Problem sieht sie das aber nicht: „Man kann ohnehin nicht überall im Wahlkreis wohnen, aber man muss sich für alles interessieren.“ Sie kenne vermutlich ihren Wahlkreis besser als mancher, der dort lebt, findet die Sozialdemokratin, die bisher nebenbei noch für den Salzlandkreis, Anhalt-Bitterfeld und Magdeburg zuständig ist, denn die Landes-SPD hat derzeit nur drei Vertreter in Berlin.

Dort will Budde wieder hin. „Es macht Spaß“, begründet sie: „Politik kann man nur machen, wenn man es mit Leidenschaft und Spaß macht, sonst muss man es lassen.“ Die Sozialdemokratin, die lange als Wirtschaftspolitikerin galt, hat in Berlin ein neues Steckenpferd entdeckt: die Kulturpolitik. „Das Thema war in der SPD unbesetzt und es passte zu meinem Wahlkreis.“ So wurde Budde gleich in ihrer ersten Legislatur im Bundestag Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien. Entsprechend ist ihre Agenda geprägt, die sie in den kommenden vier Jahren für den Saalekreis durchsetzen will: eine Bundesförderung für die Vereinigten Domstifter, weiterhin Geld für das Festspiel der Deutschen Sprache in Bad Lauchstädt und mehr Mittel für das Thema Industriekultur: „Hier haben wir gerade begonnen, eine Förderung aufzubauen. Da soll sich der Bund stärker einbringen.“ Alte Industriestätten sollen mit Hilfe des Geldes für Kultur, aber auch als Produktionsstätten hergerichtet werden.

Als wichtigstes Thema der Region sieht Budde jedoch den Strukturwandel: „Da müssen wir schauen, dass das vorhandene Geld gut umgesetzt wird.“ Ihre Rolle sieht sie dabei vor allem darin, Gelder für ergänzende Projekte zu akquirieren: „In Berlin gibt es ja immer noch Tausende Töpfe, um Geld einzuwerben.“

Eng mit dem Strukturwandel verknüpft ist die Energiewende. Die dürfe nicht dazu führen, dass es hier keine Chemie mehr gibt, warnt Budde. Sie ist dagegen, den Kohleausstieg von 2038 weiter nach vorn zu ziehen. „Die Kohlekraftwerke sind nicht für alles verantwortlich. Ich negiere den Klimawandel nicht, aber man muss da mit Augenmaß vorgehen und nicht einseitig zu Lasten von Wirtschaft und Arbeitsplätzen“, findet die Sozialdemokratin.

Die übrigens genug hat von Großer Koalition. Sollten die Mehrheitsverhältnisse so sein wie vor vier Jahren, wäre sie dafür, dass die SPD in die Opposition geht. Eine neuerliche Legislatur an der Seite der Union stelle sie sich schwer vor: „Aber wenn eine andere Regierung möglich wäre, etwa Rot-Grün-Gelb, dann würde ich sofort sagen: machen.“