„Kultur für alle Altersgruppen“

Virtueller Rundgang durch Burg Falkenstein im Selketal: 360-Grad-Panoramen und Informationspunkte für Besucher

Pansfelde - Über acht Etagen kann jeder seinen Besuch ausdehnen. Beginnend in der Burgküche, durch die Spinndiele, vorbei am Abort-Erker und dem Schwarzen Zimmer geht es aufwärts. Digital lässt sich auch für nicht ganz so Höhentaugliche Stufe für Stufe der Bergfried erklimmen. Dort kann sich der Besucher dann an die Brüstung lehnen. Als Bonus für die Besichtigung kann der Gast gleich in acht Richtungen seinen Rundumblick schweifen lassen.

Von Uwe Kraus

Je nach Alter und Interesse verbindet sich die Burg Falkenstein mit dem neuen Märchen „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“, der unschlagbaren Kinderserie „Spuk unterm Riesenrad“ des DDR-Fernsehens oder Eike von Repgow.

Das Bauwerk hoch über dem Selketal wird vielleicht wegen seiner cineastischen Vergangenheit nicht so stark frequentiert wie die Moritzburg, wo „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ entstand, doch wer den „Spuk“ liebt, muss mindestens einmal am ehemaligen Drehort im Harz gewesen sein.

Geschichte der Burg wird in mehr als 30 Ausstellungsräumen erlebt

Wer Mittelalter erleben will, ist auf Burg Falkenstein genau richtig. Trutzig und von dichten Wäldern umgeben überblickt sie, wie es sich für eine richtige Burg gehört, von einer Anhöhe aus das ganze Selketal.

Als eine der eindrucksvollsten Burgen im Harz hat sie seit dem 12. Jahrhundert alle Zeitläufe überdauert. Ihre wechselvolle Geschichte kann in mehr als 30 Ausstellungsräumen auf rund 1.000 Quadratmeter Fläche erlebt werden. Eng verknüpft ist die Burg mit der Entstehung des „Sachsenspiegels“, dem bedeutendsten deutschsprachigen Rechtsbuch des Mittelalters.

In Corona-Zeiten muss das Bauwerk allerdings vom Sofa aus erkundet werden. Nach aktuellem Stand ist die Burg bis zum 24. März geschlossen. 360-Grad-Panoramen und viele Informationspunkte in den virtuellen Räumen lassen den Besucher jetzt aber unter www.burg-falkenstein.de alles sehen, was auf der Burg anzuschauen ist.

„Zugang und Teilhabe an Kunst und Kultur für alle Altersgruppen“

Die Macher versprechen „barrierefreien Zugang und Teilhabe an Kunst und Kultur für alle Altersgruppen, Schulklassen, Menschen mit Behinderungen und Covid-19-Risikogruppen“. Wer in früheren Zeiten schon mal den Falkenstein erkundete, der weiß, angestrengt werden dabei eher die Füße. Heute sind es die Finger und Hände an der Maus.

Vor der Burgsilhouette des namengebenden Stammsitzes der Herren von der Konradsburg beginnt der Rundgang hinter den wehrhaften Mauern. Die Schritte führen direkt in den Burghof. Welchen Flügel der Kernburg besucht man zuerst? Den baulich schönen Westflügel oder die neugotischen Königszimmer?

Wer seine Trauung plant, schaut zuerst zu Letzterem, denn nicht nur das Standesamt hat hier seinen Platz, auch Konzerte lassen sich erleben. Selbst ein digitales Probesitzen ist bei etwas Geschicklichkeit machbar.

Ein Makel des Rundgangs: Hier erklingt keine Musik, kein Hochzeitsmarsch, nicht einmal der berühmte Bänkelsang der Minnesänger, die hier über Jahre ihren Wettstreit austrugen. Beim stummen Museumsweg unterbrechen klar strukturierte Hinweispunkte, an denen prägnante Informationen abgefragt werden können.

Ringe auf dem Fußboden ermöglichen einen Richtungswechsel

Ringe auf dem Fußboden ermöglichen weitere Schritte in die Besichtigungsrichtung, selbst Treppen lassen sich so steigen. Etwas Fingerspitzengefühl bleibt dabei gefragt, um nicht vom rechten Weg abzukommen. Wünschenswert wäre jedoch die Chance, dahin zu gelangen, wo man beim analogen Streifen durch die Burg vor Wänden oder Verbotsschildern endet.

So könnte man ins Versteck „Magdeburg“ blicken, unter Dielen wühlen und in den Brunnen hinabsteigen. Die technische Ausstattung des virtuellen Rundganges ermöglicht dagegen, vom Sofa aus die Brunnentiefe oder die Höhe des Kaminschlotes zu messen oder zu erkunden, wie breit der Fräuleinsgang ist.

Dabei könnte man darüber mutmaßen, wie schwer die beiden unverheirateten Schwestern derer von der Asseburg, Katharina Marie Sophie und Wilhelmine Justine, sich da hindurchbewegten.

Über acht Etagen kann jeder seinen Besuch ausdehnen. Beginnend in der Burgküche, durch die Spinndiele, vorbei am Abort-Erker und dem Schwarzen Zimmer geht es aufwärts. Digital lässt sich auch für nicht ganz so Höhentaugliche Stufe für Stufe der Bergfried erklimmen.

Dort kann sich der Besucher dann an die Brüstung lehnen. Als Bonus für die Besichtigung kann der Gast gleich in acht Richtungen seinen Rundumblick schweifen lassen. Doch am Bildschirm fehlt eins: Der Wind, der dort um die Nase weht, und das Rauschen der Harzer Wälder. (mz)

***

Im 12. Jahrhundert ließen die Herren von der Konradsburg über der Selke einen neuen Stammsitz errichten: die Burg Falkenstein. Sie ist die am besten erhaltene Burg im Harz. Schrittweise bauten die Grafen von Falkenstein ihren Einfluss im Harz aus. 1437 übertrug der Bischof von Halberstadt die Burg dann an die Herren von der Asseburg. Deren Bautätigkeit formte das heutige Bild.