Verkehrssicherheit auf L92

Ortschaftsrat Neinstedt drängt auf Tempo 80 auf Teilen der Ortsumgehung

Anwohner wünschen sich mehr Sicherheit im Straßenverkehr. „Wir sollten uns die Unfallstatistik anschauen“, schlägt Heiko Marks vor

Von Benjamin Richter
Der Ortschaftsrat beklagt, dass der Bauhof Thale die LED-Tempotafel am Marienhof in Neinstedt nicht an der gewünschten Stelle aufgehängt hat.
Der Ortschaftsrat beklagt, dass der Bauhof Thale die LED-Tempotafel am Marienhof in Neinstedt nicht an der gewünschten Stelle aufgehängt hat. Foto: B. Richter

Neinstedt/MZ - Über eines waren sich die Ratsmitglieder und interessierten Einwohner in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats Neinstedt schnell einig: So wie sie jetzt ist, kann die Landesstraße 92 nicht bleiben. Beide Seiten wünschten sich, dass die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) auf der Ortsumfahrung, zumindest aber im Bereich des Abzweigs am Osterberg, in Richtung Bad Suderode, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde reduziert.

„Links abbiegen ist an der Stelle fast aussichtslos“, schilderte Rolf Kosock, der als Feuerwehrmann schon einige Male zu Unfällen im Bereich jener Einmündung ausrücken musste. Der stellvertretende Ortsbürgermeister Heiko Marks (Bürger für Neinstedt), laut dem Geschwindigkeiten zwischen 100 und 120 Sachen auf der Trasse bei Weitem keine Seltenheit sind, ging noch einen Schritt weiter und urteilte, das Befahren dieser Kreuzung bedeute eine „Gefahr für Leib und Leben“.

Die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80, berichtete Marks, sei bereits im Oktober 2017 beantragt worden. Zuvor hatten sich im Auffahrtsbereich mehrere schwere Unfälle ereignet. Ein strikteres Tempolimit erschien dem Ortschaftsrat damals wie heute als probates Mittel, um weitere Unfälle zu vermeiden. Diese Auffassung scheint die LSBB jedoch nicht zu teilen, denn wie Heiko Marks weiter mitteilte, sei der Antrag abgelehnt worden.

„Links abbiegen ist an der Stelle fast aussichtslos.“

Rolf Kosock über die Gefahrenstelle am Abzweig nach Bad Suderode

Der stellvertretende Ortschef las den Anwesenden, die diese Neuigkeit mit Erstaunen aufnahmen, die Begründung der Behörde vor: „Weder der bauliche Zustand, noch die aktuelle Unfallsituation rechtfertigen derzeit ein reglementierendes Eingreifen der Verkehrsbehörde.

Die Anordnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Kilometer pro Stunde auf der L 92 zwischen den beiden Abzweigungen der K 1.364 wäre insofern ermessensfehlerhaft und damit rechtswidrig.“ Kosock kann diese Argumentation nicht nachvollziehen und skizzierte die Situation an dem Abzweig mit Worten: „Wenn man gerade in dem Moment anfährt, in dem einer mit vollem Tempo um die Kurve geschossen kommt, ist es oft schon zu spät. Dann scheppert es.“

Der Hauptbrandmeister zeigte sich zudem irritiert davon, dass in manchen Navigationsgeräten an der betreffenden Stelle eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Kilometern in der Stunde anzeigt werde. Eine solche gilt auf der L92 jedoch nur an anderer Stelle, nämlich im Brückenbereich in Richtung Marienhof, kurz bevor am Abzweig Richtung Weddersleben auf 50 reduziert und dieses Tempolimit durch das Ortsschild bekräftigt wird.

Diese Reduzierung, blickte Marks zurück, sei später, nach dem Antrag aus dem Jahr 2017, erfolgt - und wird, wie Ortsbürgermeister Detlev Knust (Bürger für Neinstedt) hinzusetzte, immer noch von einigen Autofahrern ignoriert, die mit überhöhter Geschwindigkeit in den Ort einfahren. Wer es bei drei Hinweisschildern nicht begreife, dem werde auch eine LED-Tempoanzeige nicht helfen, mutmaßte der Ortsvorsteher nüchtern.

Steht die Anzeigetafeln am Ortseingang vorm Marienhof an der falschen Stelle?

Dennoch hatte sich der Ortschaftsrat entschieden, eine seiner beiden im vergangenen Jahr angeschafften Anzeigetafeln am Ortseingang vor dem Marienhof aufzuhängen, um dort das Tempo der Autofahrer auf den zulässigen Wert zu senken (die MZ berichtete). Die beiden LED-Tafeln, die einen fröhlichen Smiley zeigen, wenn die erlaubte Geschwindigkeit eingehalten wird, und andernfalls einen traurigen, hatte das Gremium 2020 von dem ihm jährlich von der Stadt zugestandenen Budget von 5.000 Euro plus zwei je Einwohner - in Neinstedt also rund 8.600 Euro - gekauft.

Nun hängen die Tafeln - doch auch an ihnen, speziell an der am Marienhof platzierten, gab es bei der Sitzung Kritik. „Man hat sie zwischen zehn andere Schilder gestellt“, monierte Rolf Kosock, sodass Fahrer auf der Straße sie erst unmittelbar vor dem Vorbeifahren sähen.

Besonders das Vorfahrtsschild vor dem Abzweig zum Stadtweg raubt lange die Sicht. Bei einem Vor-Ort-Besuch mit Philipp Zedschack, der im Thalenser Rathaus die Abteilung Ordnung und Sicherheit leitet, und Ortschef Knust sei eigentlich ein anderer Standort, nämlich rund 20 Meter hinter dem Ortsschild und klar vor dem Schilderwald, festgelegt worden, antwortete Heiko Marks.

Allerdings sei am Marienhof der nun verwendete Pfosten bereits vorhanden und ungenutzt gewesen - und „der Bauhof wollte sich wohl Arbeit sparen“, vermutete Marks, der versprach, bei der Stadtverwaltung auf eine baldige Umplatzierung der Tafel an die ursprünglich vorgesehene Stelle zu drängen.

Auch das Ziel einer Temposenkung auf der Ortsumfahrung wollen die Neinstedter weiterverfolgen - und haben den nächsten Schritt abgesteckt: „Wir sollten uns die Unfallstatistik der Polizei anschauen“, schlug Heiko Marks vor. Der letzten Entscheidung der Behörde habe die Statistik aus dem Jahr 2017 zugrunde gelegen, seitdem seien vier Jahre vergangen und auf der Straße einiges passiert.

Thales zu der Sitzung erschienener Bürgermeister Maik Zedschack (CDU) empfahl dem Ortsgremium das Vorgehen, und Ortsbürgermeister Detlev Knust bezeichnete es als „einzige Chance“, da die Verordnungen des Landes auf den Unfallzahlen fußten.