Nordharzer Städtebundtheater

Nordharzer Städtebundtheater: Einst verbotene Band gibt Konzert

Halberstadt - In keiner Plattensammlung fehlen ihre Lieder. Jeder im Osten Deutschlands kennt sie: Renft. Nachdem inzwischen fünf der früheren Bandmitglieder verstorben sind und zwei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr live auftreten können, ist Leadsänger Thomas „Monster“ Schoppe der letzte Überlebende einer Band, die für die Entwicklung der Rockmusik der DDR prägend ...

In keiner Plattensammlung fehlen ihre Lieder. Jeder im Osten Deutschlands kennt sie: Renft. Nachdem inzwischen fünf der früheren Bandmitglieder verstorben sind und zwei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr live auftreten können, ist Leadsänger Thomas „Monster“ Schoppe der letzte Überlebende einer Band, die für die Entwicklung der Rockmusik der DDR prägend war.

Mit Marcus „Basskran“ Schloussen, Delle Kriese und Gisbert „Pitti“ Piatkowski ist er jetzt auf großer Jubiläumstour: 50 Jahre Klaus-Renft-Combo. Die führt die Band auch am Freitag, 14. Oktober, auch nach Halberstadt. Ab 19.30 Uhr steht sie im Nordharzer Städtebundtheater auf der Bühne.

Eingefleischte Fans mögen jetzt vielleicht irritiert sein: Schließlich schrieb Klaus Renft in seiner Autobiografie etwas von 1958. „Es gab wohl einen Auftritt unter diesem Namen in jenem Jahr. Doch das blieb nur eine Episode“, erklärt Schoppe. Die Band, aus der sich die eigentliche Renft-Combo entwickelte, habe 1966 ihre ersten Anfänge genommen. „Deshalb ist es wohl besser, erst dieses Jahr das 50-jährige Jubiläum zu begehen.“

Seit 1967 bis 1975 ständig existent, war die aus Leipzig stammende Klaus-Renft-Combo - ab 1974 nannte sie sich nur noch Renft - eine der ersten Beat-Bands, deren Sänger deutsch sangen, und entwickelte sich zu einer der bekanntesten und beliebtesten Rockgruppen der DDR. Immer wild und unberechenbar, wurde Renft durch das Verbot 1975 zur Legende. Stilistisch unabhängig von Mode und Trends, bezeugen ihre Lieder Unbeugsamkeit, erinnern an Zivilcourage. Bereits in den frühen 70er Jahren wurde Renft zum Begriff für Opposition und Auflehnung gegenüber einer staatlich verordneten Kulturdoktrin.

Aus den Trümmern der 1975 verbotenen und 1990 neu gegründeten Combo formte Schoppe 2007 die Band in ihrer heutigen Besetzung. Er selbst war schon 1970 eingestiegen. „Klaus lud mich zum Vorsingen ein“, erinnert er sich, „heute nennt man sowas ja Audition. Er hatte damals schon einen guten Ruf. Also war ich etwas aufgeregt, aber es klappte.“ Schoppe sang damals „Monster“ von „Steppenwolf“. „Meinen Spitznamen hatte ich dadurch weg.“ 1971 landeten er und die Band mit „Wer die Rose ehrt“ den ersten Nummer-Eins-Hit.

Natürlich werden die guten alten Renft-Songs wie dieser, aber auch „Zwischen Liebe und Zorn“, „Apfeltraum“, „Gänselieschen“, „Nach der Schlacht“ oder „Als ich wie ein Vogel war“ zu hören sein. Um den textlichen Inhalten der Lieder noch mehr Ausdruckskraft zu verleihen, aber auch um den atmosphärischen Ansprüchen von Theater- und Kleinkunstbühnen gerecht zu werden, wählte die Band für die Konzerte der Jubiläumstournee bewusst eine musikalisch-akustische Darbietungsform, und verzichtet dabei auf manche, für Rockmusik typische Stilistiken.

Karten gibt es an den Theaterkassen in Halberstadt, Spiegelstraße 20a, Telefon: 03941/69 65 65, und Quedlinburg, Maschlinger Hof 17/18, Telefon: 03946/96 22 22, im Netz auf www.harztheater.de und www.eventim.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

(mz)