Jubiläum in Schielo

Jubiläum in Schielo : Das Haus Einetal wird 111

Schielo - Flure mit hohen Decken und großen Fenstern, die nach Süden ausgerichteten Patientenzimmer, die einstigen offenen, in den Mittelbau integrierten Liegehallen, die heute allerdings zugemauert sind: Dass das Haus Einetal in Schielo einst als Heilstätte zur Behandlung von Tuberkulosepatienten errichtet wurde, ist noch immer zu ...

Von Petra Korn 06.09.2016, 09:52

Flure mit hohen Decken und großen Fenstern, die nach Süden ausgerichteten Patientenzimmer, die einstigen offenen, in den Mittelbau integrierten Liegehallen, die heute allerdings zugemauert sind: Dass das Haus Einetal in Schielo einst als Heilstätte zur Behandlung von Tuberkulosepatienten errichtet wurde, ist noch immer zu erkennen.

Eröffnet wurde diese vor 111 Jahren. Für die Haus Einetal GmbH, die sich heute in dem idyllisch in einem Seitental des Flüsschens Eine gelegenen Objekt befindet, ist dies Anlass, am 9. September zu einem Sommerfest einzuladen. „Jeder kann kommen und sich das Haus ansehen“, sagt Rolf Weber, Geschäftsführer des Hauses Einetal, einer sozialtherapeutischen Einrichtung für Menschen mit seelischen Behinderungen und Suchterkrankungen.

Die Lage abseits von großen Städten, im Regenschattengebiet des Brockens und in waldreicher Umgebung hatten dazu geführt, dass die Wahl eines Standortes für den Bau einer Heilstätte für an Tbc Erkrankte auf Schielo fiel. Tuberkulose hatte im 19. Jahrhundert stark zugenommen. Nach dreijähriger Bauzeit wurde die Lungenheilstätte Schielo schließlich am 2. Oktober 1905 eröffnet. Bauherr und Eigentümer war die Landesversicherungsanstalt Sachsen-Anhalt. Der Bau mit 140 Betten hatte rund 965 000 Mark gekostet, veranschlagt waren 900 000 Mark.

Die Einrichtung wurde über viele Jahrzehnte als Lungenheilstätte betrieben. Während des Zweiten Weltkrieges war sie ebenso ein Lazarett, in dem Verletzungen der Lunge behandelt wurden, weiß Rolf Weber.

Behandlung anderer Patienten

Bis in die 60er Jahre, als es dann neue Medikamente und eine Impfung gab, blieb Schielo eine Klinik für Tbc-Erkrankte, später spezialisiert auf Patienten, die zudem unter Diabetes litten. Dann wurde die Einrichtung umgewandelt in ein Kliniksanatorium für Herz-, Kreislauf- und Diabetes-Erkrankungen und bis zur Wende betrieben, schildert Rolf Weber.

Danach habe es Versuche gegeben, die Einrichtung in die gesamtdeutsche Rehabilitationslandschaft einzubinden. „Das hat nicht funktioniert.“ Das lag womöglich am Standortnachteil, so der Geschäftsführer. Zudem sei das Gebäude an die Landesversicherungsanstalt rückübereignet worden.

Diese verkaufte das Objekt 1992 an einen privaten Heim-Betreiber, der es in das heutige Kliniksanatorium umwandelte, das am 1. August 1992 als Wohn- und Pflegeheim für geistig und seelische behinderte Menschen den Betrieb aufnahm. Inzwischen hat sich die Einrichtung weiter spezialisiert auf die Betreuung von seelisch Behinderten infolge Suchterkrankungen.

Leitbild der Einrichtung ist, den betroffenen Menschen die verloren gegangene Würde und die Selbstbestimmung soweit wie möglich zurückzugeben, sagen Rolf Weber und Einrichtungsleiterin Karin Steinberg.

So gibt es verschiedene Therapiegruppen; die Arbeit in der Holzwerkstatt, in Gartengruppen oder bei der Tierbetreuung soll helfen, in einen strukturierten Tagesrhythmus zurückzufinden. Dazu gibt es eine Suchttherapie. Später besteht dann die Möglichkeit, vom Haus Einetal in ein ambulant betreutes Wohnen umzuziehen. „So können die Bewohner aus der Vollversorgung heraus lernen, sich wieder um alles selbst zu kümmern“, sagt Katrin Steinberg.

Die privat geführte sozialtherapeutische Einrichtung mit rund 100 Mitarbeitern verfügt über 114 Plätze im Wohnheim und 42 Plätze im Pflegeheim. Die historischen Gebäude sind zwar in ihren Grundstrukturen erhalten; die Zimmer entsprechen aber modernen Standards, und der einstige Kirchen- ist als Veranstaltungsraum umgestaltet, sagt Rolf Weber. Die Bewohner der Einrichtung kommen aus fast allen Landkreisen Sachsen-Anhalts und sind zwischen Mitte 20 und 82 Jahre alt. (mz)