Umweltschutz

Harzgerode hofft auf Zuschuss vom Bund für den Stadtumbau

Kommunale Gebäude sollen sinnvoll modernisiert werden. Dabei geht es um Heizung, Dämmung, auch ein Schwimmbad ist geplant.

Von Petra Korn
Vom CCC bietet sich auch der Blick auf das „Alte Werkstor“. Bürgermeister Weise (2.v.l.) erklärt Staatssekretär Pronold (vorn) und den Bundestagabgeordneten Brehmer und Brecht die geplanten Arbeiten im Klimaquartier.
Vom CCC bietet sich auch der Blick auf das „Alte Werkstor“. Bürgermeister Weise (2.v.l.) erklärt Staatssekretär Pronold (vorn) und den Bundestagabgeordneten Brehmer und Brecht die geplanten Arbeiten im Klimaquartier. (Foto: Petra Korn)

Harzgerode/MZ - So bauen, sanieren und ungestalten, dass das Klima geschützt und verbessert wird: Was Harzgerode mit seinem Klimaquartier „Altes Werkstor“ begonnen hat, möchte die Stadt auf ihr gesamtes Gebiet ausdehnen. Ein erster Schritt dafür sind eine Art Bestandserfassung und eine Festlegung erster Schritte - „Fokusberatung“ genannt.

Dafür erhält die Stadt jetzt Unterstützung vom Bund: genau 17.493 Euro. Florian Pronold, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, hat am Dienstag die Förderurkunde an Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) übergeben.

Deutschlands Ziel sei es, bis 2050 treibhausgasneutral zu werden. Wie Florian Pronold weiter sagte, gebe es beim Bundesumweltministerium schon seit mehr als zehn Jahren ein Klimaschutzprogramm, mit dem Klimaschutzprojekte im kommunalen Umfeld gefördert würden.

Beispielsweise bekomme man kommunalen Gebäudebestand nicht klimaneutral, indem alles gedämmt werde, sondern müsse dafür auch eine nahe Wärmeversorgung nutzen, zum Beispiel Abwärme von Industrie, sagte Pronold. „Uns ist es wichtig, dass man in den Kommunen selbst die Initiative ergreift“; über die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) fördere das Bundesumweltministerium das - jetzt auch in Harzgerode.

Ein leerstehender Wohnblock wird abgerissen und ein Parkplatz mit viel Grün gebaut

Initiative ergreifen - das will die Stadt und auch Vorreiter sein, wie Marcus Weise sagt. Erste Erfahrungen gebe es mit dem 2017/2018 auf dem Weg gebrachten Klimaquartier „Altes Werkstor“. Damit sollen unter anderem ein alter, leerstehender Wohnblock abgerissen werden, statt ungeordneter Parkflächen ein neuer Klimaparkplatz mit viel Grün entstehen, ein Quartierstreff sowie ein Lehrschwimmbad gebaut werden (die MZ berichtete).

Alle Investitionen seien bis auf den Quartierstreff, für den ein Förderantrag gestellt sei, „durchfinanziert“, sagte der Bürgermeister und bedankte sich in diesem Zusammenhang bei den beiden Bundestagsabgeordneten Heike Brehmer (CDU) und Eberhard Brecht (SPD), die sich sehr dafür eingesetzt hätten, dass das Schwimmbadprojekt gefördert werde.

„Angearbeitet“ sei auch das Thema der Nutzung industrieller Abwärme - „aus unserer Sicht eine riesengroße Chance“, so der Bürgermeister. Wärme, die in den Produktionsprozessen verschiedener Unternehmen anfalle, könnte für ein Nahwärmenetz für Gebäude, aber auch für das Lehrschwimmbad genutzt werden.

Die Erfahrungen des „Startpunkts ‚Altes Werkstor‘ sollen auf die ganze Stadt ausstrahlen“, sagte Marcus Weise. In Harzgerode selbst könnten insgesamt drei Klimaquartiere entwickelt, die Klimaaktivitäten auf die Ortsteile ausgedehnt werden. Hier gebe es ebenfalls Gewerbe, Hotels - und kommunale Gebäude.

Es geht um Umrüsten von Straßenlampen und Lampen in Gebäuden mithilfe von Photovoltaik

Die „Fokusberatung“ sei eine „erste vorbereitende Maßnahme für ein späteres Klimaschutzkonzept der Stadt in Gänze“, erklärte der Bürgermeister. Sie werde zu 100 Prozent gefördert. Geplant sei hier unter anderem ein Akteursworkshop, bei dem Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammenkämen, um beispielsweise zu erfassen, was einzelne schon im Bereich Klimaschutz täten und was zudem getan werden könnte.

Dann sollen gemeinsam fünf Maßnahmen festgelegt werden, die umgesetzt werden sollen, so der Bürgermeister weiter. Das könnten beispielsweise ein Umrüsten von Beleuchtung in Straßen wie Gebäuden sein oder das Nutzen von Photovoltaik. Bestandteil der „Fokusberatung“ sei auch, mindestens dieser gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen auch umzusetzen. „Und wir wollen den Akteuren, die sich einbringen, auch Handlungsempfehlungen geben.“

Um die geförderte „Fokusberatung“ umzusetzen, hat die Stadt Harzgerode nun 18 Monate Zeit. „Wir wollen schneller durch sein“, sagt Marcus Weise und nennt als Ziel das Frühjahr kommenden Jahres. Und dann solle gleich die Förderung für ein Klimaschutzkonzept für die Stadt beantragt werden.