Trockenheit

Forstwirtschaft im Harz: Viele junge Bäume gehen wegen Trockenheit ein

Ballenstedt/Harzgerode - Dieser Sommer hat den Bäumen auf Hardi Busches Plantage zugesetzt: Alles, was der Ballenstedter neu gepflanzt hat, ist vertrocknet. Was einmal ein Weihnachtsbaum werden sollte, ist nur noch Gestrüpp.

Von Rita Kunze 16.08.2018, 07:54

Dieser Sommer hat den Bäumen auf Hardi Busches Plantage zugesetzt: Alles, was der Ballenstedter neu gepflanzt hat, ist vertrocknet. Was einmal ein Weihnachtsbaum werden sollte, ist nur noch Gestrüpp.

Eine rund 2,5 Hektar große Fläche hat Busche mit mehreren Tausend Weihnachtsbäumen bepflanzt. Seine Kunden können sich ihren Baum direkt im Wald selbst schlagen. „Dass eine Jahresgeneration raus ist, wird später zum Problem“, sagt der Diplomkaufmann.

„Eine Jahresgeneration ist raus"

Die Bäume brauchen acht und mehr Jahre Wachstumszeit, bis sie groß genug sind, um gefällt zu werden.

Von Hitze und Trockenheit betroffen sind aber nicht nur die jungen Nadelbäume. Die größeren sind geschwächt, sagt Hardi Busche. „Kommt weiter kein Regen, ist das für sie Stress.“ Damit kommt ein neues Problem: Schädlingsbefall. Weil der Ballenstedter auf nachhaltigen Anbau setzt, sind für ihn die Möglichkeiten der Bekämpfung begrenzt.

Vertrocknete Bäume herausreißen und neue pflanzen

„In einem Jahr wie diesem ist der Boden komplett trocken“, sagt Hardi Busche. Künstliche Bewässerung ist keine Option: „Das Gießen hätte kein Ende genommen, und wir haben kein Equipment dafür.

Das war ja auch bisher nicht nötig.“ Jetzt bleibe ihm nur noch, die vertrockneten Bäume herauszureißen und neue zu pflanzen.

Auch die gepflanzten Colorado-Tannen sind vertrocknet

Lassen sich durch die Trockenheit bedingte Ernteausfälle durch das Anpflanzen anderer Baumarten reduzieren? „Ich habe darüber nachgedacht, mich breiter aufzustellen, und beispielsweise die Colorado-Tanne anzupflanzen“, sagt der Ballenstedter. Aber auch diese in diesem Jahr angepflanzten Exemplare seien ausgefallen.

Die Colorado-Tanne ist ein schnellwachsender Nadelbaum, der an seinen Standort nur geringe Ansprüche stellt und Trockenheit besser erträgt als andere.

So ist die Colorado-Tanne die unempfindlichste von allen Tannenarten - aber sie kann bei der Beliebtheit trotzdem nicht mit der Nordmanntanne mithalten. Sie bleibt wegen ihrer Wuchsform und der Tatsache, dass ihre weichen Nadeln lange am Baum bleiben, immer noch der am meisten gefragte Weihnachtsbaum.

Die meistens Weihnachtsbäume kommen aus Skandinavien

„Das ist eine Katastrophe“, beschreibt Hans Christian Schattenberg die zurückliegenden Wochen. „Es wird aber kein Mangel an Weihnachtsbäumen herrschen, denn die kommen meistens aus Skandinavien“, sagt der Leiter des Forstbetriebes Ostharz mit Blick auf den Baumverkauf - in knapp vier Monaten ist immerhin schon wieder Weihnachten.

Der Forstbetrieb verkauft kaum Weihnachtsbäume, aber dafür Holz. Und er hat ein Borkenkäferproblem: „Bis vor 14 Tagen haben wir nichts gesehen.

Borkenkäfer setzen den Fichten zusätzlich zu

Aber durch Dürre und die Tatsache, dass die Fichten richtig geblüht - viele erinnern sich sicher noch an den gelben Staub im Frühjahr - und Zapfen gebildet haben, sind die Bäume zusätzlich gestresst“, sagt Schattenberg. „Sie werden sehr anfällig, und ein nicht unerheblicher Anteil ist vom Borkenkäfer befallen.“

Um noch größeren Schaden zu verhindern, werden die Bäume genau kontrolliert, um befallene Exemplare zu erkennen, bevor die Käfer ausfliegen und sich weiter vermehren. Sie werden gezielt gefällt und entrindet, wodurch die Larven absterben

„Die Frühjahrs-Aufforstung ist fast zu 100 Prozent vertrocknet“, so der Forstbetriebsleiter. Der damit verbundene finanzielle Schaden ist hoch: Die Aufforstungskosten je Hektar liegen bei 6.000 bis 7.000 Euro.

Seit April hat es keinen richtigen Regen gegeben, der Wald ist trocken bis in die tieferen Lagen. Das stresst auch ältere Bäume: In der Nähe von Stiege gibt es Eichen, die aussehen, als wären sie verbrannt, sagt Schattenberg.

Ob die Bäume mit dieser extremen Trockenheit dennoch klarkommen, ist erst im Frühjahr zu sehen, wenn sie dann wieder austreiben. „Wir brauchen dringend Regen für die Herbstaufforstung“, sagt Schattenberg. Doch danach sieht es nicht aus. Noch immer ist die höchste Waldbrandgefahrenstufe ausgerufen.

(mz)