Keine Party auf dem Hexentanzplatz

Feiert jemand trotzdem Walpurgis in Thale?

In Thale hätten am Freitag normalerweise Hexen und Teufel getanzt. Die MZ hat sich erkundigt, wie der Bürgermeister und der künftige den Abend verbringen.

Von Benjamin Richter
Viele Hundert Walpurgis-Fans fahren in normalen Jahren auf den Hexentanzplatz. In diesem Jahr sind die Deko-Puppen die einzigen Hexen in Thale. Foto: Richter

Thale - Spätestens seit Goethes „Faust“ und der ebenfalls von dem Dichter verfassten Ballade „Die erste Walpurgisnacht“ ist die Sage vom Spuk auf dem Blocksberg weit über die Region hinaus bekannt. „Sieh, wie die verhexten Leiber durch und durch von Flamme glühen, Menschen-Wölfe und Drachen-Weiber, die im Flug vorüberziehen!“, ruft in letzterem, im Jahr 1799 verfassten Stück ein Wächter aus.

Der Flug der unheimlichen Gestalten zum „Hexensabbat“ beginnt bekanntlich traditionell auf dem Hexentanzplatz in Thale. Dort veranstaltet, wenn auch nicht seit 1799, so doch seit einigen Jahren die städtische Bodetal Tourismus GmbH alljährlich am 30. April eine Walpurgis-Show mit hochkarätigen musikalischen Gästen.

In diesem Jahr fällt, wie seit Mitte März feststeht, die große Fete auf dem Berg wie schon 2020 coronabedingt aus (die MZ berichtete). Doch Walpurgis, der größte inoffizielle Feiertag des Harzes, steht trotzdem im Kalender. Wenn also auch Hexen und Teufel nicht tanzen - wie werden die Thalenser die Nacht in den Mai verbringen?

Frank Hirschelmann wird die Walpurgisnacht an der Feuerschale verbringen

Es werde, auch angesichts der zuletzt wieder verschärften Corona-Regeln, ein stiller Abend werden, blickt der amtierende Bürgermeister Frank Hirschelmann voraus. „Ich werde mit einem tränenden Auge zu Hause sitzen“, sagt er. Es sei schon der Höhepunkt des Abends, wenn das Wetter es zulasse, dass er sich mit seiner Familie in den Garten begeben und dort, rund um die Feuerschale, eine Weile plaudern oder die Gedanken schweifen lassen könne.

Hoffnungsvoll stimme den kommissarischen Rathauschef, für den in jener Nacht der letzte Monat auf dem Chefsessel der Stadtverwaltung anbricht, hingegen, dass die Menschen in der Stadt ihre Fensterbretter und Vorgärten auch in Pandemie-Zeiten dem Anlass angemessen dekoriert hätten. „Sie haben ihre Grundstücke wieder mit einigen Hexen herausgeputzt, und das finde ich ganz gut so“, zeigt sich Hirschelmann zufrieden.

Virtuellen Alternativen, wie der Konzertbühne in der digitalen Kneipe „Zum Bestehorn“, die ein Veranstalter aus Aschersleben zur Walpurgisnacht an den Start bringen will, kann das Stadtoberhaupt unterdessen nichts abgewinnen. „Ich finde einfach, so ein Fest muss man live erleben“, betont Hirschelmann.

Ganz ähnlich sieht es Maik Zedschack. „Das ist wie mit dem Weihnachtsmarkt“, zieht der designierte Bürgermeister, der Hirschelmann zum 1. Juni ablösen wird, einen Vergleich: „Da gehören der Lebkuchenduft und der Glühwein einfach dazu, und diese Stimmung fehlt vor dem Computerbildschirm.“ Mehrere Städte hatten ihre Weihnachtsmärkte im vergangenen Jahr ins Internet verlagert.

„Ich finde einfach, so ein Fest muss man live erleben.“

Frank Hirschelmann, designierter Bürgermeister

Dass der Harzer Tourismusverband vor rund zwei Wochen ein digitales Angebot online gestellt hat, das am 30. April noch die eine oder andere Überraschung bereithalten soll, begrüßt der Noch-Marketingleiter der Seilbahnen Thale Erlebniswelt, die sich an dieser Aktion beteilige und einige Preise für die erfolgreichen Rater beim Quiz auf der Webseite zur Verfügung stelle.

Ansonsten werde Walpurgis für ihn in diesem Jahr ein Tag wie jeder andere werden. „Es gibt keine Feier und keine Party, auch wenn es traditionell der Höhepunkt des Jahres ist“, setzt Zedschack auseinander. Das hänge auch mit seiner derzeitigen Doppelrolle zusammen:

Zu seinen Verpflichtungen im Seilbahnen-Betrieb komme, da ihn viele Thalenser bereits für den Bürgermeister hielten und er vorbereitet in das Amt gehen wolle, ein Posten als „ehrenamtlicher Bürgermeister“ hinzu, der vom zeitlichen Aufwand einem weiteren Vollzeitjob gleichkomme.

„Für mich geht die Arbeit jeden Tag um 8 Uhr los und endet um 22 Uhr“, schildert Maik Zedschack. Bürgeranfragen erreichten ihn über mehrere Kanäle und müssten beantwortet werden, außerdem stehe er mit Investoren in Kontakt und kommuniziere behördliche Pläne und Entscheidungen über die sozialen Medien. „Innehalten ist da nicht drin“, erklärt der Marketingfachmann - nicht einmal in der Harzer „Nacht der Nächte“.

Bereits gekaufte Tickets können behalten werden, sie bleiben gültig

Die Bodetal Tourismus GmbH weist indes auf ihrer Homepage darauf hin, dass bereits erworbene Tickets für die Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz bis zum nächsten Jahr behalten oder in einen Gutschein für eine andere Veranstaltung, etwa im Harzer Bergtheater, umgewandelt werden könnten.

Die Karten, hatte Geschäftsführer Ronny Große im März gegenüber der MZ erklärt, behielten auch dann ihre Gültigkeit für 2022, wenn zwischenzeitlich der Ticketpreis angehoben werde. Seit Ende März steht darüber hinaus fest, dass auch der Walpurgismarkt in der Thalenser Innenstadt erneut abgesagt werden muss.

Die Entscheidung, teilte die Gesellschaft damals mit, habe man „schweren Herzens“ getroffen. Seit „Hexoween“, dem Gruselfest, das Ende Oktober gerade noch vor dem zweiten Lockdown stattfinden konnte, ist für die allermeisten Harzer Tourismusbetriebe bis Walpurgis ein halbes Jahr Zwangspause verstrichen. (mz)