Bundestagswahl

Der promovierte Historiker Karsten Lippmann will sein Handicap nutzen und Stimme für Menschen mit Behinderung sein

Wo der 43-Jährige die Schwerpunkte für seine politische Arbeit sieht.

Von Regine Lotzmann
Karsten Lippmann tritt für die Linke im Harz, in Aschersleben und im Seeland an.
Karsten Lippmann tritt für die Linke im Harz, in Aschersleben und im Seeland an. Foto:Julia Bornkessel

Halberstadt/Aschersleben/Seeland/MZ - „Mich hat schon immer interessiert, wie Gesellschaft funktioniert“, gibt Karsten Lippmann zu. Deshalb hat er an seine Ausbildung zum Bürokaufmann ein Studium in Geschichte und Philosophie dran gehängt und sich schon in jungen Jahren der Politik gewidmet.

„Während meiner Promotion bin ich dann in die Linke eingetreten“, erzählt der 43-jährige Halberstädter, der derzeit als freischaffender Historiker tätig ist. „Das Programm hat mich angesprochen und ich war schon immer linksorientiert - da konnte es gar keine andere Partei sein“, begründet er das.

„Denn als Mensch mit körperlicher Behinderung gehöre ich zu den Gruppen, die es nicht ganz so einfach haben“

Der Harzer setzt sich seitdem für eine Gesellschaft ein, „in der alle Menschen selbstbestimmt in Frieden, Würde und sozialer Sicherheit leben können“. Zudem sei ihm die soziale Gerechtigkeit wichtig. „Denn als Mensch mit körperlicher Behinderung gehöre ich zu den Gruppen, die es nicht ganz so einfach haben“, sagt Lippmann, der offen zu seinem Handicap steht. Unter der Geburt habe er nicht genug Sauerstoff bekommen und sei seitdem spastisch gelähmt und Rollstuhlfahrer, sagt er und meint: „Da sollte man kein Geheimnis draus machen.“

In den Bundestag, für den er für die Linken im Harz, in Aschersleben und dem Seeland kandidiert, würde er aber genau diese Sichtweisen aufs Leben mitnehmen wollen, auch eine Stimme für behinderte Menschen sein. „In dieser Gesellschaft müssen Veränderungen erfolgen, gerade im sozialen Bereich“, findet er nämlich.

Pandemie hat viele Probleme offenbart

Einen seiner Schwerpunkte sieht der Harzer deshalb natürlich in der Integration behinderter Menschen, aber auch im Bewusstmachen, dass sie - vor allem, was Normen betrifft - doch besonders sind. „Wie lange braucht jemand, damit er etwa nach einer Blinddarm-OP wieder gesundet?“, fragt er und meint: „Behinderte Patienten brauchen im Krankenhaus aber mehr Pflege und mehr Zeit für die Heilung.“ Das müsse bei den Vorgaben für Betreuungsschlüssel und Zeiten Beachtung finden. Und das sei nur ein Beispiel.

„Auch die Corona-Pandemie hat viele Probleme offenbart“, denkt er etwa an das Gesundheitswesen und meint: „Die Pandemie-Bekämpfung muss staatlich organisiert werden.“ Zudem dürften nicht so viele Krankenhäuser geschlossen werden, müsse es eine bessere Bezahlung für die Angestellten geben.

Zudem - sein dritter Schwerpunkt im Wahlkampf - liegt Karsten Lippmann die Kultur sehr am Herzen. „Corona hat gezeigt, dass es um die Finanzen der kulturellen Einrichtungen nicht gut bestellt ist. Es muss etwas getan werden für die Künstler und Künstlerinnen, für die Theater, Clubs, die Kinos“, zählt er auf. Das Thema Vorsorge für Kulturschaffende müsse auf den Tisch, so der Halberstädter weiter. Und das nicht nur wegen Corona. Aber die vergangenen Monate haben diese oft freischaffende Szene noch viel deutlicher in den Fokus gerückt. Kein Wunder, dass sich der Harzer da auch für die Initiative „Ohne Kunst und Kultur wird’s still“ stark gemacht hat.

Und seine Hobbys?

„Wenn ich Zeit habe, lese ich unheimlich viel. Am liebsten das, was andere vielleicht nur beruflich lesen: Goethe, Schiller...“, sagt Lippmann und lacht, weil seine Leidenschaft auch ein bisschen seine größte Schrulle ist. Denn etwas zum Lesen hat er immer und überall dabei. „Uns Linke beschäftigt vorrangig die Zukunft, aber als Historiker interessiert mich die Vergangenheit, mit ihren Höhepunkten und Abgründen“, fasst Lippmann seine Interessen auf seiner Homepage zusammen. Und erklärt dort weiter: „Manchmal liegt beides dicht zusammen. Das ist dann besonders spannend und auch lehrreich.“ So wie der Wahlkampf, den der Linke gerade führt. Wie er ausgeht? Er ist gespannt.