Ausstellung

Burg Falkenstein zeigt Nussknacker und Mäusekönig

Der Märchenklassiker wird in einer Sonderschau mit vielen Leihgaben näher beleuchtet.

Von Rita Kunze 25.11.2021, 16:00
Auch das Nordharzer Städtebundtheater hat sich des Klassikers angenommen. Die Ausstellung zeigt Kostüme des Balletts „Der Nussknacker“.
Auch das Nordharzer Städtebundtheater hat sich des Klassikers angenommen. Die Ausstellung zeigt Kostüme des Balletts „Der Nussknacker“. Foto: Kunze

Es gehört zu Weihnachten dazu wie der Baum, die Gans und die Geschenke: das Märchen vom Nussknacker. E.T.A. Hoffmann hat es vor 205 Jahren, im November 1816, aufgeschrieben. Eine Sonderausstellung auf der Burg Falkenstein beleuchtet nun die ganze Bandbreite, die im Lauf der Jahrhunderte daraus entstanden ist.

„Nussknacker und Mäusekönig im Spiegel von Literatur, Musik und Kunst(handwerk)“ erzählt von Hoffmanns Erzählung, ihren Adaptionen für Bühne, Ballett und Film und von der ganz handwerklichen Entstehung eines Nussknackers, wie sie im Erzgebirge bis heute erfolgt.

„In Deutschland war diese Geschichte gar nicht so populär“, sagt Nadine Breitschuh, die auf der Burg Falkenstein für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist, über Hoffmanns Werk. „Das Märchen ist regelrecht verrissen worden.“

Weit bekannter ist dagegen die knapp drei Jahrzehnte später veröffentlichte französische Übersetzung von Alexandre Dumas dem Älteren, der vor allem für seine Musketier-Romane berühmt ist. Seine „Nussknacker“-Version inspirierte schließlich auch den Russen Peter Tschaikowski zu einer Ballettfassung, die, 1892 in Sankt Petersburg uraufgeführt, bis heute in der Vorweihnachtszeit die Theater füllt.

„Dumas hat Hoffmanns Geschichte kindgerecht aufbereitet.“

Nadine Breitschuh, Sprecherin Burg Falkenstein

„Dumas hat Hoffmanns Geschichte so aufbereitet, dass sie kindgerecht wird“, sagt Nadine Breitschuh über das ziemlich verschachtelte deutsche Original. Dumas’ „Histoire d’un cassenoisette“, illustriert vom seinerzeit gefeierten Karikaturisten Bertall, schlug dagegen richtig ein. „Er hat es wirklich geschafft, das Märchen durch eine Bildergeschichte lebendig zu machen.“

Dumas sei aber nicht der einzige gewesen, der sich des Märchens angenommen hat. Auch der „Struwwelpeter“-Autor Heinrich Hoffmann hat eine Version geliefert: 1851 schrieb er „König Nussknacker und der arme Reinhold“, weil er für seinen kranken Sohn kein gescheites Buch zum Vorlesen gefunden hat, sagt Nadine Breitschuh. „Er kannte die Figuren vom Nürnberger Weihnachtsmarkt, und das waren die Vorlagen für die Figuren, die so aussehen, wie wir uns einen Nussknacker vorstellen.“

Und sie sind in der Sonderschau echte Hingucker, die unglaublich vielfältigen Nussknacker, die zum Teil noch aus den 1920er Jahren stammen. Beim Anblick der Leihgaben aus Thüringen, Sachsen und eines privaten Sammlers aus Dresden wird deutlich: Nussknacker ist nicht gleich Nussknacker. Da gibt es Figuren der wichtigsten Charaktere aus Hoffmanns Märchen, Könige, Soldaten, Bergmänner.

Wie die dekorativen Holzfiguren im Erzgebirge entstehen, zeigt ein Kurzfilm, gedreht in der Füchtner-Werkstatt im erzgebirgischen Seiffen. Und wie komplex ein solcher Nussknacker ist, wird anhand der vielen Einzelteile deutlich, die in einer der Vitrinen aufgestellt sind.

Kampf von Gut und Böse

Bis heute ist das Märchen vom Nussknacker aus der Kinderliteratur nicht mehr wegzudenken. Das spiegelt die Ausstellung kurzweilig wider, die mit historischen Ausgaben, zeitgenössischen Illustrationen und Verfilmungen aus dem 20. Jahrhundert aufwartet.

„Ob im Buch, auf der Leinwand oder als Bühnenstück - die Ausstellung lässt den Kampf Nussknacker gegen Mäusekönig, Gut gegen Böse, auf vielfältigste Art und Weise wieder lebendig und erlebbar werden“, sagt Nadine Breitschuh.

Da gibt es nicht nur einiges zu sehen, denn „natürlich dürfen auch der ‚Tanz der Zuckerfee‘ und der ‚Marsch der Zinnsoldaten‘ nicht fehlen“, setzt sie hinzu. Diese bekannten Melodien aus Peter Tschaikowskis berühmtem Ballett sind in der Ausstellung nämlich auch zu hören.

Am Ende des Rundgangs wird noch einmal an Tschaikowski erinnert. Das Nordharzer Städtebundtheater hat 2015 den „Nussknacker“ farbenprächtig auf die Bühne gebracht, und einige der Kostüme, darunter das schwarze Gewand des unheimlich-düsteren Mäusekönigs, sind jetzt auf der Burg Falkenstein zu sehen.

Grafisch gestaltet und umgesetzt wurde die Sonderausstellung von der Leipziger Agentur „Insel und Meile Museumskulturen“, die Illustration des Ausstellungsplakates stammt von Uta Wolf aus Quedlinburg.

„Nussknacker und Mäusekönig im Spiegel von Literatur, Musik und Kunst(handwerk)“, bis zum 23. Januar dienstags bis sonntags jeweils in zwei Zeitfenstern von 10 bis 13 und 13 bis 16.30 Uhr. Für den Museumsbesuch auf der Burg Falkenstein gilt die 3G-Regelung (getestet, geimpft, genesen).