Junge Segelflieger

Aeroclub Ballenstedt: Flieger-Nachwuchs zeigen im Sommerlager sein Können

Ballenstedt - Die Sonne strahlt am Freitagmorgen schon vom Himmel, als eine Handvoll junger Menschen aus den Zelten nahe dem Vereinsheim des Ballenstedter Flugplatzes kriecht.

Von Cosima Sophia Hofmann 04.08.2018, 07:58

Die Sonne strahlt am Freitagmorgen schon vom Himmel, als eine Handvoll junger Menschen aus den Zelten nahe dem Vereinsheim des Ballenstedter Flugplatzes kriecht.

Doch es ist nicht etwa ein Musikfestival, was die Jugendlichen hierher verschlagen hat - sie sind Teil des jährlich stattfindenden Sommerfliegerlagers des Ballenstedter Aeroclubs.

„Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen"

„Ich kann mir eigentlich nichts Schöneres vorstellen, als dort oben in der Luft zu sein“, sagt Benjamin Gellert. Der 17-Jährige aus Halberstadt gehört zu den etwa 15 flugbegeisterten jungen Menschen aus der Region, die seit vergangenem Samstag auf dem Flugplatz kampieren.

Dabei bekommen die Jugendlichen täglich Flugunterricht und können somit in relativ kurzer Zeit ihren Ausbildungsstand verbessern, denn viele der Teilnehmer wollen schnellstmöglich einen Luftfahrerschein erwerben, der sie dazu berechtigt, alleine und ohne Hilfe des Fluglehrers ein Segelflugzeug zu führen.

Auf einer Versammlung werden die Tagesaufgaben verteilt

Doch bevor die jungen Männer und Frauen ins Cockpit der insgesamt vier Vereinsflieger klettern und losfliegen können, stehen einige Vorbereitungen auf dem Plan: So startet der Flugtag früh am Morgen mit einer Versammlung von Flugschülern und Lehrern, in der jeder Aufgaben und Flugzeuge zugeteilt bekommt.

Auch die Zusammenarbeit und der Teamgeist der Sommerfliegerlager-Teilnehmer spielen vor dem Start eine wichtige Rolle. So müssen die Schüler die Segelflieger gemeinsam aus der Lagerhalle nach draußen schieben und diese für den Transport auf die Startbahn des Flugplatzes entsprechend sichern.

Wer keinen Platz in einem der Transport-Autos bekommen hat, begleitet den rollenden Segelflieger-Tross dann zu Fuß zur Startbahn - so wie Leon Schymura aus Quedlinburg.

„Wir sind hier immer viel in Bewegung"

Bei über 30 Grad im Schatten und einem Fußmarsch von gut einem Kilometer klingt das erst mal hart, ist für die Jugendlichen aber nichts Ungewöhnliches mehr: „Wir sind hier immer viel in Bewegung und helfen uns gegenseitig, deswegen macht das uns nichts aus“, sagt der Schüler, der vor zwei Jahren in den Aeroclub kam.

Seitdem ist er so oft, wie es nur geht, in der Luft: „Es stimmt, man fühlt sich grenzenlos frei in der Luft, und das macht echt süchtig“, sagt er und grinst.

Ein paar Meter weiter bespricht Vereinsmitglied und Fluglehrer Axel Reinemuth mit einem Schüler die technischen Details, bevor sich die beiden gleich mittels Windenstart, einer Methode, bei der das Flugzeug an einem Seil von der etwa 900 Meter entfernten Schleppwinde mit hoher Geschwindigkeit angezogen wird, in die Luft begeben.

Und dann dann geht alles auch ganz schnell: Das Seil wird straff gespannt, und der etwa 500 Kilogramm schwere Doppelsitzer hebt ab.

Unten am Boden wird jedes Detail des Fluges genau besprochen - zudem hält ein Funker jederzeit Kontakt zum Piloten sowie zur Schleppwinde, um im Ernstfall reagieren zu können. Nach wenigen Minuten kommt das polnische Hauptschulungsflugzeug mit dem Namen „Bocian“ nach einer eleganten Rechtskurve wieder in den Landeanflug.

Schnupperflüge an jedem Wochenende bis Oktober

Der Lehrer ist zufrieden. „Es ist heute nicht das perfekte Wetter für längere Flüge - dafür fehlen uns die Wolken, aber der Tag ist ja noch lang“, lautet das Urteil des Fluglehrers Reinemuth.

Und wenn das Sommerfliegerlager am Sonntag zu Ende geht, stehen die Vereinsmitglieder des Aeroclubs noch längst nicht still: Denn von April bis Oktober bietet der Verein jedes Wochenende Schnupperflüge im Segelflugzeug oder in einem Motorsegler an, woran jeder, der mutig genug ist, teilnehmen kann. (mz)