„Abwerben kann nicht das Ziel sein“

30 Bewerber auf eine Stelle: Stadt Harzgerode bildet eine Verwaltungsfachangestellte aus

Harzgerode - Mit der Ausbildung im eigenen Haus wolle man den zukünftigen Personalbedarf decken, erklärt Bürgermeister Marcus Weise (CDU), man werde also nicht jedes Jahr, sondern nach Bedarf ausbilden. „Wenn wir das nicht tun, bleibt abwerben, und das kann nicht unser Ziel sein“, so der Verwaltungschef.

Von Susanne Thon 19.07.2019, 09:56

Wenn im August das neue Ausbildungsjahr beginnt, wird es auch für die Mitarbeiter der Harzgeröder Stadtverwaltung spannend. Denn zum ersten Mal seit Jahren will die Stadt wieder ausbilden – eine Verwaltungsfachangestellte, die in den kommenden drei Jahren die verschiedenen Bereiche des Rathauses kennenlernen, und einen Fachangestellten für Bäderbetriebe, der im Freibad „Albertine“ und im Hallenbad den praktischen Teil seiner Ausbildung absolvieren wird.

Bürgermeister Marcus Weise: Wir werden nicht jedes Jahr, sondern nach Bedarf ausbilden 

Mit der Ausbildung im eigenen Haus wolle man den zukünftigen Personalbedarf decken, erklärt Bürgermeister Marcus Weise (CDU), man werde also nicht jedes Jahr, sondern nach Bedarf ausbilden. „Wenn wir das nicht tun, bleibt abwerben, und das kann nicht unser Ziel sein“, so der Verwaltungschef.

Während es für die ausgeschriebene Ausbildungsstelle im Bäderbereich zwei Interessenten gab, waren es für die andere ungleich mehr: 30 Bewerbungen gingen um die Stelle in der Verwaltung ein, darunter eine aus Harzgerode.

Dass es mehr als zwei Dutzend Bewerbungen gab, wundert Daniel König, Sprecher der Agentur für Arbeit in Halberstadt, nicht. „Gerade bei Mädchen ist der Beruf sehr beliebt“, Büroberufe stünden in der Hitliste der Berufswünsche gleich hinter der Verkäuferin und vor den Gesundheits- und Pflegeberufen, sagt er mit Blick auf die Statistik.

Was den jungen Leuten wichtig ist? „Der Beruf muss Spaß machen“, so König, und wenn es kein ganz ausgefallener sei, dann zögen es die Jugendlichen auch vor, in der Region zu bleiben. Knapp 200 der 327 anerkannten Ausbildungsberufe, die es gibt, werden ihm zufolge hier angeboten.

Unternehmen und Behörden im Landkreis Harz meldeten 1.265 Ausbildungsstellen an die Arbeitsagentur 

Auch der Verdienst spielt bei der Berufswahl eine Rolle, weniger jedoch das Wie-Weiter: Denn im Gegensatz zu Generationen von Auszubildenden vor ihnen wüssten die heutigen Lehrlinge ja, dass sie gute Chancen hätten, nach ihrer Ausbildung auch übernommen zu werden, so König.

1.265 Berufsausbildungsstellen meldeten Unternehmen und Behörden im Landkreis Harz dem Arbeitgeber-Service der Halberstädter Arbeitsagentur für das in wenigen Wochen beginnende Ausbildungsjahr. Dem gegenüber standen 1 192 Bewerber.

Doch was rein rechnerisch passt, geht in der Realität nicht auf: Weil es in einigen Branchen mehr Interessenten gibt als offene Stellen – oder aber mehr Stellen als Bewerber. Noch für die Hälfte der Stellen wurden zu Beginn des Monats Interessierte gesucht. „In der Gastronomie stehen sieben freie Stellen einem Bewerber gegenüber“, nennt König ein Beispiel.

Andere Berufe seien überrannt, sagt der Agentursprecher, da ende dann auch die Bewerbungsfrist früher, etwa bei den Verwaltungsfachangestellten.

In der Stadtverwaltung Harzgerode wurden die Bewerber einem Einstellungstest unterzogen, einem Onlinetest vom Studieninstitut für kommunale Verwaltung Sachsen-Anhalt. Der wurde vorab sogar intern erprobt: „Wir wollten das selbst ausprobieren, bevor wir die Bewerber an den Test lassen“, erklärt Heike Schoch vom Personalrat.

„Wir sind da auch ins Schwitzen gekommen“, räumt ihr Kollege Christian Herzer ein, hätten aber bestanden, schiebt er noch hinterher. „Durchwachsen“ fiel indes das Testergebnis bei den Bewerbern aus. „Drei haben sich herauskristallisiert“, sagt Weise, die habe man dann zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Darunter eine Abiturientin aus Eisleben. Sie hat die Ausbildungsstelle bekommen. Der Auszubildende in „Albertine“ und Hallenbad kommt aus Duderstadt. (mz)