Schönstatt-Zentrum in Quellendorf

Schönstatt-Zentrum in Quellendorf: Letzte Heilige Messe am Ostersonntag

Quellendorf - Waltraud Jäger nimmt Abschied von Quellendorf, von der Kapelle Maria Königin, dem alten katholischen Pfarrhaus und dem neueren Anbau. Das Gehen fällt der 76-Jährigen schwer, doch sie zeigt gern den Ort, der ihr Heimat und Arbeitsstätte für fast 40 Jahre ...

Von Henrik Klemm

Waltraud Jäger nimmt Abschied von Quellendorf, von der Kapelle Maria Königin, dem alten katholischen Pfarrhaus und dem neueren Anbau. Das Gehen fällt der 76-Jährigen schwer, doch sie zeigt gern den Ort, der ihr Heimat und Arbeitsstätte für fast 40 Jahre war.

Ihre wachen Augen, ihre Worte lassen erahnen, wie wichtig ihr dies alles immer noch ist und wohl stets bleiben wird. Doch das fortgeschrittene Alter, die angeschlagene Gesundheit lassen es ihr dieser Tage ratsam erscheinen, zurück nach Köthen zu gehen, dorthin, wo ihre Familie nach der Vertreibung aus dem Sudetenland mit der damals Fünfjährigen eine neue Heimat gefunden hatte. Das war 1945.

Bundesschwester Waltraud Jäger verlässt Quellendorf

Eine Nachfolgerin für die seit Ende der 1960er Jahre dem Schönstatt-Frauenbund angehörende Bundesschwester gibt es nicht. Auch habe sich deren Zahl verringert und die der Veranstaltungen sowie der Treffen in Quellendorf ebenso, erzählt Waltraud Jäger.

Am Ostersonntag wird also ab 9 Uhr die letzte Heilige Messe in der Kapelle Maria Königin in Quellendorf gefeiert. Matthias Hamann, Propst der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul in Dessau, hält den Gottesdienst.

Er wird es auch sein, der ein Dekret von Bischof Gerhard Feige über die Entweihung der Kapelle bekanntgibt. Danach werden alle Gegenstände, die religiösen Zwecken dienen, entfernt. Das Bistum Magdeburg, Eigentümer von Kapelle, Haus und Grundstück, ist bereits auf der Suche nach einem Käufer.

Letzte Heilige Messe am Ostersonntag

„Wir konnten die Seelsorgestelle nicht übernehmen. Wir haben nicht die finanzielle und die personelle Kraft, um alles zu unterhalten“, sagt der Propst. Zuversichtlich fügt er hinzu: „Wenn wir uns nicht verändern, kann auch nichts Neues entstehen.“

Und auch Waltraud Jäger gewinnt der Entwicklung etwas Positives ab. Getröstet habe sie zuallererst das Datum der letzten Heiligen Messe in der Kapelle Maria Königin Quellendorf: Ostern - die Auferstehung Jesu. „Das Leben geht weiter. Die vergangenen Jahre waren keine verlorene Zeit“, sagt sie und erinnert sich gern zurück.

Keine Nachfolgerin für das Schönstatt-Zentrum

Gerade 18 Jahre ist sie, als der erste Kontakt mit der Schönstatt-Bewegung zustande kommt. Pfarrer i. R. Heinz Aust, damals Vikar an St. Marien in Köthen, spricht ihre Freundin an und die Waltraud Jäger. Es gibt verschiedene Treffen, sie lernt und spürt, dass die Bewegung das Richtige für sie ist.

„Wir wollen der Gottesmutter ein wenig ähnlich werden, uns an ihrem Leben orientieren, um Christus näherzukommen“, sagt sie und wird Bundesschwester im Schönstatt-Frauenbund.

Sie bleibt indes - so wie es vorgesehen ist - in ihrem normalen Leben, wird Facharbeiterin für Stenografie und Schreibmaschine, arbeitet in den Mechanischen Werkstätten Max Schulze in Köthens Dessauer Straße, später im Volkseigenen Betrieb Hydraulikgerätewerk Köthen.

Die Kuratie Quellendorf gehört indes 1974 zu den ersten Seelsorgestellen im Bischöflichen Amt Magdeburg, die keinen Priester als Seelsorger mehr haben. Das Pfarrhaus und die in den 1950er Jahren errichtete Kapelle stehen leer und werden 1977 dem Schönstatt-Frauenbund - der damals in den Bistümern der DDR fast 50 Mitglieder hatte - angeboten.

Seit 1978 organisiert Waltraud Jäger die Treffen der Schönstatt-Frauen

1978 ist es dann soweit: Waltraud Jäger zieht von Köthen nach Quellendorf, gibt ihre Arbeitsstelle auf und organisiert fortan unter dem Dach der katholischen Kirche die Treffen der Schönstatt-Frauen.

1980 wird der Bildstock mit dem Schönstatt-Wallfahrtsbild bei der Kapelle errichtet und eingeweiht. Das zieht viele Wallfahrer in den beschaulichen Ort. Das Wohnhaus wird nun zu klein, ein Anbau entsteht - das Geld kommt aus dem Westen - mit Möglichkeiten zum Übernachten und einem großen Gemeinschaftsraum.

Den Gottesdienst mit den Gläubigen feiern indes Priester aus anderen Gemeinden, die nach Quellendorf kommen. Zuletzt sind es die Maristen-Patres aus Dessau. Sie kümmern sich um Seelsorge und Gottesdienste. Aber auch das ist nun Geschichte.

Pfarrhaus und Anbau werden vom Bistum Magdeburg verkauft

Propst Matthias Hamann möchte jedoch gern mit der Evangelischen Landgemeinde St. Christophorus in Quellendorf „gemeinsam aktiv werden“, wie er sagt. Zudem kann er sich vorstellen, dass zu bestimmten Anlässen katholische Gottesdienste in der dortigen Christophoruskirche stattfinden.

Selbstverständlich, sagt er noch, „sind die Menschen eingeladen, zu den Gottesdiensten nach Dessau zu kommen“. Und Waltraud Jäger? Sie bleibt eine Schönstatt-Bundesschwester, auch wenn sie fortan in Köthen lebt. (mz)

Zur katholischen Pfarrei St. Peter und Paul mit 2 700 katholischen Christen gehören die Gemeinden St. Peter und Paul, Dessau-Propstei; Heilige Dreieinigkeit, Dessau-Süd; St. Joseph, Dessau-Alten; St. Konrad, Aken; Christkönig, Oranienbaum und die Kuratie Quellendorf mit der Kapelle Maria Königin.

Der Schönstatt-Frauenbund sagt über sich: „Wir sind unverheiratete Frauen, eine Lebensgemeinschaft, ohne in Gemeinschaft zu leben. Wir wohnen in der Regel allein und arbeiten in verschiedenen Berufen und Ländern ... Wir verwirklichen unser Christsein in der Gemeinschaft der katholischen Kirche.

Unser Ursprung und unsere Kraftquelle ist Schönstatt, eine internationale katholische Erneuerungsbewegung. Aus ihrer Spiritualität gestaltet jedes Mitglied unserer Gemeinschaft sein Leben.“

Im Oktober 1914 hatte Pater Josef Kentenich die Schönstattbewegung ins Leben gerufen. 1919 wurde der Apostolische Bund gegründet. Nach der Aufnahme von Frauen wurde der heutige Schönstatt-Frauenbund gegründet.

Schönstatt ist ein Stadtteil von Vallendar am Rhein unweit von Koblenz. Dort befindet sich der geistige und symbolische Mittelpunkt der Bewegung. 

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter der Adresse www.gemeinde-leben.com bzw. unter www.s-fb.org. (mz/hk)