Schloss Burgkemnitz

Schloss Burgkemnitz: Manager sollen im Märchenschloss Entspannung lernen

Burgkemnitz - Nachdem der Landkreis lange nach einem neuen Eigentümer für das Burgkemnitzer Märchenschloss gesucht hat, ist der Verkauf des altehrwürdigen Ensembles nun endgültig unter Dach und Fach. Eine Investorin aus Sachsen möchte nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr mit der Sanierung des Objektes beginnen. Innerhalb der nächsten „eineinhalb bis zwei Jahre“ soll der Haupt- und Stirntrakt für einen nicht weiter konkretisierten Millionenbetrag wieder in Schuss gebracht werden, so die Leipzigerin, die ihren Namen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich nennen ...

Von Detmar Oppenkowski 02.03.2016, 20:58

Nachdem der Landkreis lange nach einem neuen Eigentümer für das Burgkemnitzer Märchenschloss gesucht hat, ist der Verkauf des altehrwürdigen Ensembles nun endgültig unter Dach und Fach. Eine Investorin aus Sachsen möchte nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr mit der Sanierung des Objektes beginnen. Innerhalb der nächsten „eineinhalb bis zwei Jahre“ soll der Haupt- und Stirntrakt für einen nicht weiter konkretisierten Millionenbetrag wieder in Schuss gebracht werden, so die Leipzigerin, die ihren Namen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich nennen möchte.

Über den Werdegang des Burgkemnitzer Schlosses hat der Kulturhistoriker Matthias Prasse folgendes herausgefunden: „Die Ursprünge des Burgkemnitzer Adelssitzes verlieren sich im Dunkeln. Eine aus slawischer Zeit stammende Burg wird als Ursprung des Rittergutes angesehen. Ihre Stelle verorten die einen im sumpfigen Gebiet nördlich des Ortes, die anderen auf dem Platz der heutigen Schlossanlage.“ Über das, was im 17. Jahrhundert passierte, gebe es mehr Gewissheit: Eine Familie von Koseritz verkauft Burgkemnitz an Bodo von Bodenhausen. Er beginnt 1696 mit dem Bau des Herrenhauses. „Eine barocke Dreiflügelanlage entstand.“ 1709 ist der Neubau weitgehend abgeschlossen. „Das heutige Erscheinungsbild wurde aber wesentlich im 19. Jahrhundert geprägt“, sagt Prasse. „Denn der spätere Landrat von Bitterfeld, Hans Bodo von Bodenhausen, ließ das Haus seiner Ahnen 1870 großzügig umbauen.“

1945 werden Rittergut und Schloss enteignet. Das Schloss dient zunächst als Erholungsheim der Farbenfabrik. Bald aber findet die SED Gefallen am feudalen Ambiente. Das Schloss wird zur Parteischule. Nach der Wende übernimmt der Landkreis das Objekt für eine D-Mark und verpachtet es an die Caritas. Die nutzt es bis 2002 als Wohn- und Pflegeheim für geistig behinderte Menschen. Seither betreibt die Caritas-Trägergesellschaft die Wohn- und Förderstätte „St. Lorenz“ auf dem Gelände. Ende 2015 wird der Schlossverkauf im Kreistag beschlossen.

„Mein Ziel ist es, in dem Schloss eine Bildungsakademie für Führungskräfte zu entwickeln und zu etablieren.“ Dabei stehe die „Entschleunigung“ im Mittelpunkt, denn Manager seien heutzutage in sehr komplexe Arbeitsprozesse eingebunden. Um mögliche psychische und physische Folgen andauernden Stresses zu vermeiden, setzten immer mehr Unternehmen auf spezielle Angebote, die die Aspekte Bildung und Entspannung koppeln. Diesen Ansatz habe man aufgegriffen.

Für die Umsetzung ihres Projektes habe sie sich 300 Schlösser in ganz Deutschland angeschaut. „In Burgkemnitz hatte ich sofort den Eindruck: Das ist der richtige Platz für mein Vorhaben.“ Zum einen sei da die Lage. „Der Ort ist von Berlin, Dresden, Leipzig oder Halle gleichermaßen gut zu erreichen.“ Zum anderen hätten die Gegebenheiten überzeugt. Neben dem Gebäude mit einer Wohnfläche von 1.600 Quadratmetern gehört auch ein großes Grundstück zum Gesamtareal. Und: Der gemeindeeigene Schlosspark grenzt gleich an. „Ideale Voraussetzungen für Bildungs- und Gesundheitsangebote.“

Dass die Caritas Wohn- und Förderstätte „St. Lorenz“ gleich nebenan liege, empfinde sie dabei keinesfalls als Einschränkung. „Im Gegenteil. Das ist durchaus mit meinem Konzept vereinbar“, meint die Sächsin und sagt, dass es angedacht sei, auch Menschen mit Handicap in den breit gefächerten Schlossbetrieb zu integrieren.

Verschiedene weitere Angebote geplant

Neben der Bildungsakademie mit Übernachtungsmöglichkeiten plane man auch ein gastronomisches Angebot. So könnten die Seminarteilnehmer innerhalb der Woche untergebracht und versorgt werden. An den Wochenenden wolle man das geschichtsträchtige Gebäude auch Hochzeitsgesellschaften zur Verfügung stellen.

Abgerundet werden soll das Vorhaben - wenn man so will - durch eine kleine Manufaktur für ökologische Produkte. „Ich denke da etwa an die Herstellung von Käse oder Pata-Negra-Schinken“, sagt die sächsische Investorin, die Burgkemnitz schon als ihr neues Zuhause bezeichnet. Dass dieses baulich bald nach Denkmalschutzauflagen hergerichtet wird, darauf setzt auch der Landkreis. „Wir sind daran interessiert, dass das Gebäude nicht verfällt“, sagt der amtierende Bau- und Umweltdezernent Erich Mühlbauer. „Da wir die Leipziger Käuferin als eine Frau mit Engagement und Herzblut kennengelernt haben, sind wir zuversichtlich, dass sich nun alles zum Guten wendet.“ (mz)