Wahlkreis 71

Kay-Uwe Ziegler ist Direktkandidat der AfD für den Bundestag und will bewusst auch mal anecken

Die MZ stellt die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 71 - Anhalt in der Reihenfolge des Wahlzettels vor. Heute: Kay-Uwe Ziegler (AfD).

Von Ulf Rostalsky
Kay-Uwe Ziegler will für die AfD in den Bundestag. Um das Ziel zu erreichen, ist er derzeit viel im Wahlkreis unterwegs - hier in Staßfurt.
Kay-Uwe Ziegler will für die AfD in den Bundestag. Um das Ziel zu erreichen, ist er derzeit viel im Wahlkreis unterwegs - hier in Staßfurt. (Foto: Ziegler)

Bitterfeld/MZ - Kay-Uwe Ziegler tritt gern in die Pedale. „Kräftig, bis zum Anschlag und richtig lange“, sagt der Bitterfelder. Ist etwas Zeit, rast er um den Goitzschesee. Immer die gleiche Strecke - weil er so auf alle Stolperstellen vorbereitet sei und den Gedanken freien Lauf lassen könne. Auf gewohnter Strecke finde er oft Lösungen zu allerhand Fragen - geschäftlich, privat, politisch. Dennoch will er jetzt abbiegen. Richtung Berlin. Kay-Uwe Ziegler strebt in den Bundestag.

Der AfD-Politiker sieht die Zeit gekommen für Leute wie sich. „Weil es einfach zu wenig kleine Unternehmer und Mittelständler im Bundestag gibt. Die Stimme fehlt“, sagt er und kündigt im Falle eines Wahlerfolgs schon mal klare Kante an. „Ich werde nicht ruhig sein. Ich werde ans Mikro gehen.“ Sein Selbstverständnis hat er auf Wahlplakaten drucken lassen. Ziegler sieht sich als „Ost-Lobbyist“, will sich um Wirtschaft, Bildung, Sicherheit kümmern.

Es ist Zieglers zweiter Versuch in den Bundestag einzuziehen

Solche Aussagen sind nicht gänzlich neu. Kay-Uwe Ziegler hat sie häufiger gemacht. Auch im Jahr 2017, als er schon einmal für seine Partei in den Wahlkampf zog. Damals reichte es nicht. Der Bitterfelder ist überzeugt, dass es auch daran lag, weil viele ihm die politische Erfahrung abgesprochen hätten. Anders als vor vier Jahren, sieht sich der Inhaber mehrerer Textilläden jetzt gut aufgestellt. Ortschaftsrat, Stadtrat, Kreistag: Überall ist er dabei. Im Bitterfeld-Wolfener Stadtrat ist er sogar Fraktionsvorsitzender der AfD. „Ich habe viel gesehen. Auch in Aufsichtsräten und Verbandsversammlungen.“ Zwischen den Zeilen klingt durch: Ziegler passt manche Sache nicht. Er will verändern. Das wiederholt er häufig in diesen Tagen. Der Kandidat ist viel im Wahlkreis unterwegs - plakatiert, redet, diskutiert.

„Manche wundern sich, dass ich die Wirtschaft an erste Stelle setze“, sagt er nach einer Runde mit Berufsschülern in Bitterfeld. Für ihn ist das allerdings normal. Nicht nur, weil er selbst Unternehmer ist. „Wenn unsere Wirtschaft nicht funktioniert, funktioniert alles nicht. Keine Bildung, kein soziales System. Wo soll denn das Geld für solche Leistungen herkommen?“

Der Unternehmer will laut sein und durchaus auch anecken

Funktionierender Mittelstand und lebensfähige kleine Unternehmen mit kaum mehr als einer Hand voll Mitarbeiter, Einzelkämpfer: Das ist für Ziegler die Basis. Dafür setzt er sich ein, engagiert sich unter anderem als Vorsitzender des Bitterfelder Innenstadtvereins. Mühsam sei alles, weil Stolperstellen und Fallstricke praktisch überall zu finden seien.

„Dabei beschäftigen wir Leute, bilden aus.“ Der Unternehmer will laut sein und durchaus auch anecken. „Ich finde viele Dinge, die in Berlin passieren, nicht richtig.“ Deshalb will er in die Hauptstadt und in den Bundestag. Er ist überzeugt, dass dort nicht wirklich jemand sitze, der wisse, wie die Unternehmer ticken. Ideen vermisst er und moniert, dass die Großen viel zu viel abbekommen. Die Förderung von Verteilzentren großer Onlinehändler kann er nicht verstehen. Auch an der EU und ihren Regularien stößt er sich. Vieles müsse anders werden.

Kein Abschied von der Basis, Ziegler möchte mit seinem Wahlkreis verbunden bleiben

Kay-Uwe Ziegler im Bundestag. Wäre das nicht ein Abschied von der Basis, für die er Lobbyist sein möchte? Der Bitterfelder sieht das nicht so. Er werde im Falle des Wahlsieges ja nicht alle Aktivitäten ruhen lassen. Zwei, drei Tage im Monat in seinen Läden sollten drin sein. Auch im Bitterfeld-Wolfener Stadtrat wolle er bleiben - weil damit der Kontakt zu den Menschen in der Region bleibe.

Stressig dürfte der Tanz auf mehreren Hochzeiten aber werden. „Ich arbeite seit 35 Jahren jeden Tag, will etwas bewegen. Ich will eine Zukunft für mein Kind und alle anderen Kinder“, sagt er und greift zum Handy. Neuer Termin am anderen Ort. Das Rad nimmt er nicht. Er fährt Auto.