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Carl-Loewe-Festtage 2024In Löbejün ist der Loewe los

Die kleine Stadt im Saalekreis darf sich auf neue Banner freuen, die alte Gebäude frisch aussehen lassen. Was zum bevorstehenden Musikfest geschieht, weiß Andreas Porsche.

Von Andreas Montag Aktualisiert: 26.01.2024, 11:33
Gruppenbild mit Studierenden, Dozenten und der Büste des Komponisten
Gruppenbild mit Studierenden, Dozenten und der Büste des Komponisten (Foto: Carl-Loewe-Gesellschaft/Porsche)Andreas Porsche

Löbejün/MZ. - Eine kleine, alte Stadt im nördlichen Saalekreis, wohin sich nicht viele Fremde verlaufen. Ein berühmter Komponist, der große Sohn des Ortes. Und eine Gruppe junger Menschen, die für beide ihr Herz entdeckt haben. Was kann man sich Schöneres wünschen? So zu bestaunen in Löbejün, das ansonsten noch für sein Porphyrgestein bekannt ist. Und seit geraumer Zeit eben auch für großflächige Banner, die an den Fassaden leer stehender Gebäude angebracht wurden.

Die Urheber der freien künstlerischen Arbeiten sind Studierende der Hochschule Merseburg, eingeladen von der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft, die in Löbejün ihren Sitz hat. Anlass der Aktion, die der Stadt ein frisches Aussehen verpasst hat und bei der Bevölkerung gut angekommen ist, waren die 8. Carl-Loewe-Festtage im Jahr 2021. Nun, da im April die neunte Ausgabe des Musikfestes zu Ehren Loewes bevorsteht, wird das Stadtbildprojekt fortgesetzt, fünf der acht angebrachten Banner sollen dann durch neue Arbeiten ersetzt werden.

Andreas Porsche, Präsident der Loewe-Gesellschaft, ist begeistert davon, mit wie viel Gründlichkeit und Hingabe sich die jungen Leute der Musik und dem Leben des Komponisten (1796-1869) annehmen. Gemeinsam mit Frieder Badstübner (Projektleiter) und Heidelore Rathgen ist Porsche seitens der Musikgesellschaft beratend beteiligt, Thomas Tittmann und Frank Venske von der Hochschule Merseburg begleiten die Arbeit der Studierenden.

Persönliches Jubiläum

Für Andreas Porsche, den guten Geist und Motor der Erinnerung an Carl Loewe in dessen Heimat, wird sich in diesem Jahr übrigens nicht nur glücklich über die neuerlich über alle Finanzprobleme getragenen Festtage und über die neuen Banner in Löbejün freuen können, sondern auch ein persönliches Jubiläum zu feiern haben.

Denn es ist dann ganze 40 Jahre her, dass Porsche, im Hauptberuf Mediziner und Leitender Oberarzt im Klinikum der Lutherstadt Eisleben, in seiner Geburtsstadt Löbejün die ehrenamtliche Arbeit für Carl Loewe aufnahm – seinerzeit noch „im Schoß“ des Kulturbundes der DDR.

Was er gemeinsam mit seinen Mitstreitern geschafft hat, ist aller Ehren wert. In dem Gebäude, das 1886/87 das abgerissene Geburtshaus Loewes ersetzte, ist nach der Zeitenwende von 1989/90 ein Museum entstanden – und keine Großbäckerei, von der in Goldgräbertagen ein paar Leute geträumt hatten. Die Festspiele haben sich etabliert und ziehen Publikum aus der Region wie von weither an.

In diesem Jahr steht unter dem Motto „Erfindung, Geist, Grazie“ das Oratorienschaffen des für seine Lieder (unter anderem nach Goethe-Texten) berühmten Komponisten im Mittelpunkt. Loewe, der 46 Jahre lang als Kantor in Stettin wirkte, hat auch in zehn Jahren Spuren in Halle hinterlassen, wo er ausgebildet worden war. So hat er 1814 die Trauerfeier für den Komponisten Johann Friedrich Reichardt in der Bartholomäuskirche musikalisch umrahmt, wie Porsche erzählt.

Das Opern-Verbot

Überhaupt gibt es wohl nichts, was der „Loewe-Pate“ nicht wüsste über seinen Schützling, man staunt und staunt. So war es dem kreativen Loewe in Stettin vertraglich untersagt, Opern zu komponieren. Also verlegte er sich auf chorische Werke – die „Balladen-Oratorien“ und die weltlichen „Opern-Oratorien“, die er im Schützenhaus aufführen ließ.

Der Sänger Udo Jürgens (1934-2014), ein Loewe-Fan und einst zu Gast beim Fest in Löbejün, hat gesagt, Loewe, der aus dem Stegreif und auf Zuruf komponieren konnte, sei ein Popstar des 19. Jahrhunderts gewesen. Da soll man doch wirklich einmal nachhören!

Informationen zu den Festtagen: carl-loewe-gesellschaft.de

Stadtrundgang durch Löbejün als Teil der studentischen Projektarbeit
Stadtrundgang durch Löbejün als Teil der studentischen Projektarbeit
(Foto: Porsche)
Pauline Stöcker bei der Präsentation eines Banner-Entwurfs zu Loewes „Lazarus“-Oratorium, der ihre Kommilitonin  Andrea Aviles Torres zeigt.
Pauline Stöcker bei der Präsentation eines Banner-Entwurfs zu Loewes „Lazarus“-Oratorium, der ihre Kommilitonin Andrea Aviles Torres zeigt.
(Foto: Porsche)