Israel-Projekt

Israel-Projekt: Tage der Begegnung

Halle/Jerusalem - Es werden in mehrerer Hinsicht besondere Tage für Evi Lemberger und Maria Göckeritz. Aufregend, bewegend, bedrückend und auf bittersüße Art auch unvergesslich. Die beiden Studentinnen des Masterstudiengangs Multimedia & Autorschaft an der Universität Halle sind gerade in Israel, genauer in Jerusalem. Auch am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers ...

Von Cornelia FUhrmann 28.01.2015, 16:39

Es werden in mehrerer Hinsicht besondere Tage für Evi Lemberger und Maria Göckeritz. Aufregend, bewegend, bedrückend und auf bittersüße Art auch unvergesslich. Die beiden Studentinnen des Masterstudiengangs Multimedia & Autorschaft an der Universität Halle sind gerade in Israel, genauer in Jerusalem. Auch am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.

In gewisser Weise hat ihr Besuch auch damit zu tun, denn sie treffen in Israel die Holocaust-Überlebende Irene Eber, geborene Geminder und Hallenserin, um mit ihr und über sie und ihre Geschichte einen Film zu drehen. Auch an der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, für die sie an zwei Orten tatsächlich eine Drehgenehmigung bekommen haben. „Ich finde es großartig, so eine Person kennenzulernen. Es geht uns im Film darum, dass man Zugang zu der Persönlichkeit findet. Was sagt sie. Wie sagt sie es “, sagte Evi Lemberger vorher.

Sie und Maria Göckeritz haben sich intensiv mit der Geschichte Irene Ebers und der Familie Geminder auseinandergesetzt, im halleschen Stadtarchiv Briefe gefunden, in amerikanischen Archiven recherchiert und das Buch „Ich bin allein und bang“ gelesen, das Eber über ihre Flucht geschrieben hat.

Eher nicht skypen

Und weil sie davon ausgegangen sind, dass Irene Eber mit ihren weit über 80 Jahren vermutlich eher nicht skypen wird, haben sie irgendwann die Idee entwickelt, selbst nach Israel zu reisen. Irene Eber lebt dort und hat bis zu ihrer Emeritierung als Professorin für Chinesische Literatur und Ostasiatische Studien an der Hebrew University of Jerusalem gearbeitet.

Dafür sind Lemberger und Göckeritz sogar einen für Studenten recht ungewöhnlichen Weg gegangen: Sie haben versucht, Fördermittel für ihr Vorhaben einzuwerben. „Wir haben gedacht, wir probieren es einfach mal“, so Evi Lemberger. Und sie haben tatsächlich Erfolg gehabt. Das Landeswissenschaftsministerium Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt mit 1 000 Euro, vom Netzwerk Recherche kommen höchstwahrscheinlich weitere 700 Euro dazu. Viel Unterstützung, gerade in bürokratischen Dingen, gab es aber auch vom Medien-Department der Uni. Und zu guter Letzt musste auch die Kameratechnik vorher beim Zoll angemeldet werden.

Persönlich getroffen

Der Aufwand hat sich gelohnt: Die beiden Filmemacherinnen haben Irene Eber erstmals persönlich getroffen, zuvor hatten sie nur per E-Mail und telefonisch Kontakt. „War super, sehr sehr toll“, schrieb Evi Lemberger per Mail an die MZ über den Drehtag. Am Sonntag hatten sie noch per Videotelefonie-Dienst Skype berichtet, dass so langsam die Aufregung steige. Nach ihrer Rückkehr Anfang Februar geht es in die Nachproduktion. Der Film soll im März fertig sein.

Vor vier Jahren haben Studenten des Masterstudiengangs Multimedia & Autorschaft angefangen, sich filmisch mit den Stolpersteinen in Halle und der Region zu beschäftigen, die im Gedenken an ermordete, vertriebene oder deportierte Juden vor deren früheren Wohnhäusern verlegt worden sind. So wie der für Irene Ebers Vater, Yadida Geminder, im Mühlweg 36 in Halle. (mz)

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Irene Eber hat 2004 ihre Fluchtgeschichte in einem Buch veröffentlicht, die 2007 auch auf Deutsch erschienen ist. Im Englischen lautet der Titel „The Choice. Poland 1939-1945“, im Deutschen „Ich bin allein und bang. Ein jüdisches Mädchen in Polen 1939-1945“.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, die englische Fassung unter der ISBN: 978-0805241976, die deutsche Ausgabe unter der ISBN: 978-3406556524