Antisemitismus-Vorwürfe

Im Fall Ofarim steht Aussage gegen Aussage

Nach den Vorwürfen des Sängers ermittelt die Polizei. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter wehrt sich per Anzeige.

Von Alexander Schierholz 06.10.2021, 16:51
Hotelbeschäftigte mit dem umstrittenen Banner
Hotelbeschäftigte mit dem umstrittenen Banner Foto: Schierholz

Leipzig/MZ - - In den sozialen Netzwerken schlagen die Wellen der Empörung weiter hoch, für Polizei und Justiz aber beginnt nun die mühevolle Kleinarbeit. Am Tag eins nach dem Antisemitismus-Vorwurf des Sängers Gil Ofarim gegen ein Leipziger Hotel prüfen die Ermittler drei Anzeigen: eine eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung gegen unbekannt. Eine des beschuldigten Hotelmitarbeiters wegen Bedrohung. Und eine weitere des Rezeptionisten wegen Verleumdung - gegen Gil Ofarim.

Der Mitarbeiter habe den Sachverhalt an der Rezeption „abweichend“ von der Darstellung des Musikers in seinem Video geschildert, sagt eine Polizeisprecherin am Mittwoch. In dem Clip hatte Ofarim erklärt, ihm sei das Einchecken im Hotel „Westin“ verweigert worden, weil er offen einen Davidstern an einer Kette trägt.

Damit steht vorerst Aussage gegen Aussage. „Wir werden jetzt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft die Anzeigen und das Video prüfen“, kündigt die Sprecherin an. Der Musiker solle ebenso befragt werden wie Zeugen aus dem Hotel. Eine Anzeige Ofarims liege der Polizei bisher nicht vor. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stuft den Vorfall derweil als „Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ ein, also als Diskriminierung.

Unterdessen gerät das Hotel weiter unter Druck. Das Haus hat in Zusammenhang mit dem Vorfall zwar mittlerweile zwei Beschäftigte bis zum Abschluss der Ermittlungen beurlaubt. Gil Ofarim vermisst aber eine Entschuldigung. Am Mittwoch ist er bei „Bild TV“ zugeschaltet, er sagt, es habe von dem Hotel ihm gegenüber bisher „keine Stellungnahme, keine Entschuldigung, gar nichts“ gegeben. Das „Westin“ hatte sich am Dienstag in einer Stellungnahme an Leipziger Medien lediglich allgemein gegen Antisemitismus und Diskriminierung gestellt und eine Aufklärung des Falls angekündigt.

Am Dienstagabend hatten mehrere hundert Menschen vor dem Hotel gegen Antisemitismus protestiert. Daran beteiligten sich auch Beschäftigte mit einem Banner. Es zeigte neben dem Hotel-Logo die israelische Flagge sowie einen Halbmond und einen fünfzackigen Stern als muslimische Symbole. In Kommentaren im Netz stößt diese Verbindung auf Kritik, am Mittwoch schüttelt auch Josef Schuster den Kopf: „Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken“, kritisiert der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Ob die Hotelbeschäftigten freiwillig oder auf Anweisung ihres Arbeitgebers an der Kundgebung teilnahmen, bleibt offen. Mit Medienvertretern wollten sie nicht reden.