Halle

Halle: Schatz findet neue Heimat

Halle/MZ. - Es handelt sich um die Gesangbuch-Sammlungen des Evangelischen Konsistoriums Magdeburg und der Evangelischen Kirche der Union aus Berlin, die nun in Halle zusammengeführt werden. Weitere 700 bibliophile Gesangbuch-Kostbarkeiten werden noch in diesem Jahr erwartet: jene der Sammlung der Evangelisch-Lutherischen Kirche ...

Von HEIDI JÜRGENS 26.01.2009, 16:00

Es handelt sich um die Gesangbuch-Sammlungen des Evangelischen Konsistoriums Magdeburg und der Evangelischen Kirche der Union aus Berlin, die nun in Halle zusammengeführt werden. Weitere 700 bibliophile Gesangbuch-Kostbarkeiten werden noch in diesem Jahr erwartet: jene der Sammlung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringen.

Das älteste Gesangbuch, das nun neu hinzu gekommen ist, stammt aus dem Jahr 1567 und wurde in den Niederlanden herausgegeben. Von besonderem Wert ist auch ein handgeschriebenes so genanntes Stundenbuch aus dem Jahr 1608, das vermutlich in einem Damenstift im Raum Celle entstanden ist. Kunstvoll verzierte bebilderte Exemplare, teils von erheblicher Größe und beträchtlichem Gewicht, finden sich neben ganz schlichten, kleinen Büchlein. Und nahezu allen sieht man an, dass sie wohl sehr häufig benutzt wurden.

Hintergrund der Bücherwanderung ist die Fusion der Kirchenprovinzen Sachsen und Thüringen sowie die Auflösung der Evangelischen Kirche der Union in Berlin. Die Entscheidung, die Sammlungen in Halle zusammenzuführen, habe mehrere Gründe, so der Bischof. Die Marienbibliothek sei dafür geradezu prädestiniert. Und mit der Kirchenmusik-Hochschule, der Universität sowie den Franckeschen Stiftungen sei dafür gesorgt, dass das entsprechende Umfeld vorhanden ist. Nicht zuletzt sei die Bibliothek mit modernen Brandmeldern sowie einer Gaslöschanlage ausgestattet.

Die Bücher gehen allerdings nicht ins Eigentum der Bibliothek über, stattdessen wurde ein Vertrag zur Aufbewahrung geschlossen. Wenn zum Jahresende auch die Eisenacher Exemplare an der Saale eingetroffen sind, wird Halle mit rund 8 000 Gesangbüchern die Heimstatt für eine der größten derartigen Sammlungen in ganz Deutschland sein.

Gesangbücher, so war bei der Präsentation zu erfahren, gehörten früher zum täglichen Leben und waren konfessionell sowie innerhalb der Konfessionen auch regional recht unterschiedlich. Sie spiegelten die Singe- und Gesellschaftskultur wider. Kinder nutzten sie als Schulbuch, lernten damit nicht nur singen, sondern auch lesen - manche hatten gar Rechentabellen. Im Lauf der Zeit wurden sie immer wieder geändert. Noten enthielten die früheren Gesangbücher oft keine oder nur wenige - die Melodien waren allgemein bekannt.

Während einer kleinen Feierstunde zeigte sich Marktkirchen-Pfarrerin Sabine Kramer "glücklich, die Sammlungen zu übernehmen". Zugleich übte sie Kritik an der Stadt, die einen Rahmenvertrag zur finanziellen Unterstützung der Bibliothek seit zwei Jahren nicht mehr erfülle.

Die Bücher sind in der Bibliothek montags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Voranmeldung anzuschauen.

Der Bibliothekar Karsten Eisenmenger blättert in der Marienbibliothek in Halle (Saale) in historischen Gesangsbüchern. In der Bibliothek lagern rund 8 000 Gesangsbücher aus mehreren Jahrhunderten. (FOTO: DPA)
Der Bibliothekar Karsten Eisenmenger blättert in der Marienbibliothek in Halle (Saale) in historischen Gesangsbüchern. In der Bibliothek lagern rund 8 000 Gesangsbücher aus mehreren Jahrhunderten. (FOTO: DPA)
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