Demonstrationen fehlen die Anhänger

Demonstrationen fehlen die Anhänger : Legida geht die Luft aus

Leipzig - Warum die fremdenfeindliche Leipziger Bewegung Legida kaum noch Anhänger hat.

Von Alexander Schierholz 14.09.2016, 20:49
Mitglieder des fremdenfeindlichen Legida-Bündnisses.
Mitglieder des fremdenfeindlichen Legida-Bündnisses. dpa-Zentralbild

Am Montag voriger Woche haben sie sich noch einmal getroffen, die Fremdenfeinde der Leipziger Legida-Bewegung. Redner pöbelten bei der Kundgebung am Innenstadtring gegen den Leipziger Polizeipräsidenten; zum Schluss ertönten die üblichen Rufe: „Lügenpresse“, „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Der geplante Demonstrationszug fiel mangels Teilnehmern aus, nur rund 200 Leute waren gekommen. Dem Leipziger Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung geht die Luft aus.

„Legida ist über den Jordan gegangen"

„Legida ist ziemlich angeschlagen“, sagt Irena Rudolph-Kokot vom Netzwerk „Leipzig nimmt Platz“, das in der Stadt seit Jahren gegen rechte Aufmärsche mobil macht. Die Bewegung, die in der Regel mittlerweile nur noch einmal pro Monat statt wöchentlich auf die Straße geht, habe in den eigenen Reihen einen „extremen Bedeutungsverlust“ erlitten. Schon vor der zwei Monate dauernden Sommerpause blieben die Teilnehmerzahlen überschaubar: Bei zwei Treffen im Juli kamen einmal 300, das andere Mal rund 150 Anhänger. Gestartet waren die selbsternannten Retter des Abendlandes im Januar 2015 mit 4.800 Demonstranten.

Nun stellen auch wichtige Organisatoren des Protestes gegen Legida ihre Arbeit ein: Die Initiative „No Legida“, die via Facebook über eineinhalb Jahre zu Aktionen gegen die Fremdenfeinde aufgerufen hatte, kündigt den Rückzug an. Die Seite soll in den kommenden Tagen abgeschaltet werden. „Legida ist so gut wie über den Jordan gegangen“, heißt es in einer Erklärung zur Begründung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass „No Legida“ wohl einfach die Kraft fehlt: Über weite Strecken war die Initiative ein Ein-Mann-Projekt.

Interne Streitereien in der Führungsriege bei Legida

Rudolph-Kokot von „Leipzig nimmt Platz“ führt den Niedergang von Legida auf interne Streitereien in der Führungsriege zurück. Die Bewegung habe keine „Galionsfigur“ mehr, die Anhänger mobilisieren könne. Sie sei für viele nicht mehr attraktiv. „Den einen genügt es mittlerweile, die AfD zu wählen“, so Rudolph- Kokot, „anderen ist Legida nicht mehr radikal genug.“ Sie wendeten sich anderen rechten Gruppierungen zu, die es seit Monaten immer wieder auf die Straße treibt. Dabei waren die Leipziger von Anfang an radikaler als ihr großes Vorbild in Dresden. Legida - das waren stets auch Hooligans, Neonazis, gewalttätige Angriffe auf Journalisten.

Einzelhändler klagen über Umsatzeinbußen

Und nun? Ob und wann Legida überhaupt noch einmal auf die Straße geht, ist unklar. Für den 3. Oktober hat die Bewegung nach Dresden mobilisiert, zur großen Schwester Pegida. Für November ist noch gar nichts bekannt. „Wir hoffen, dass sich das jetzt erledigt hat“, sagt Heike Melzer vom Leipziger City-Marketing-Verein. Nach wie vor klagten Einzelhändler in der Innenstadt an Demo-Montagen über Umsatzeinbußen, weil Kundschaft ausbleibe. (mz)