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Hoffnungsträger "Baade 152" Vor 67 Jahren: DDR-Düsenjet stürzt ab – Gesamte Besatzung stirbt

Die DDR träumte von einer Flugzeugindustrie mit ostdeutschen Maschinen. Doch bei einem Testflug in der Nähe von Dresden starb die gesamte Besatzung bei einem Absturz des Hoffnungsträger-Jets "Baade 152".

Von Elisabeth Köhli 04.03.2026, 16 Uhr
Das Passagierstrahlflugzeug Baade 152 auf dem Flughafen in Dresden war Hoffnungsträger für die DDR.
Das Passagierstrahlflugzeug Baade 152 auf dem Flughafen in Dresden war Hoffnungsträger für die DDR. (Foto: Imago/Ulrich Hässler)

Dresden/DUR. – Am 4. März 1959 steigen vier Männer, die Piloten Kurt Bemme und Willi Lehmann sowie die Ingenieure Paul Heerling und Georg Eismann, für einen Testflug in Dresden in das Flugzeug Baade 152 und heben ab.

55 Minuten später setzt die Maschine zum Sinkflug an. Dabei stürzt der Flieger über Ottendorf-Okrilla bei Dresden ab, die gesamte Besatzung stirbt.

Brunolf Baade: Entwickler der B 152 will ostdeutsche Flugzeugindustrie in DDR aufbauen

Die Baade 152 war das erste deutsche Passagierstrahlflugzeug und wurde in der DDR entwickelt. Es war rund 31 Meter lang, 800 km/h schnell, sollte 2.000 Kilometer weit fliegen und je nach Modell 48 bis 73 Passagiere transportieren. Mit dem Jet sollte der Grundstein für eine eigene DDR-Luftfahrtindustrie gelegt werden.

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Gebaut wurde die Maschine beim VEB Flugzeugbau Dresden-Klotzsche. Brunolf Baade leitete das Team der dortigen Spezialisten. Im Dritten Reich hatte er zuvor Kriegsflugzeuge in den Dessauer Junkerswerken entwickelt.

Als General-Konstrukteur hatte er vor, eine ostdeutsche Flugzeugindustrie aufzubauen. Er wurde der Kandidat des Zentralkomitees der SED. Parteichef Walter Ulbricht organisierte die Mittel, die aus der Sowjetunion flossen, und den Bauauftrag für die 152.

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Der Jungfernflug des Prototyps war 1956 geplant. Doch erst im Dezember 1958 konnte die Baade 152 erstmals abheben und legte damit einen erfolgreichen Start hin. Die Flugzeugbauer empfanden darüber Erleichterung und Freude.

Am 4. März 1959 startete der Jet mit der vierköpfigen Crew erneut – doch stürzte wenig später bei einem Sinkflug ab.

Erinnerung an die Besatzung: Das Grab der am 4. März 1959 bei einem Testflug über Ottendorf-Okrilla abgestürzten Baade-152 Crew.
Erinnerung an die Besatzung: Das Grab der am 4. März 1959 bei einem Testflug über Ottendorf-Okrilla abgestürzten Baade-152 Crew.
(Foto: Imago/Ray van Zeschau)

Absturz am 4. März 1959: Wieso scheiterte der Testflug der Baade 152?

Der Grund für diese Tragödie konnte laut der Bundesarchiv-Schriftenreihe "DDR im Blick" nie richtig geklärt werden. Laut MDR waren Ursachen jedoch die Unerfahrenheit der Piloten im Schaufliegen des Jets, eine Beschädigung des Tanks während des Sinkfluges und ein zu spät erfolgter Schub durch die Turbinen.

1960 folgten noch zwei Versuchsflüge von "152"-Maschinen. Es waren die letzten. Die Sowjetunion baute mittlerweile ihre eigenen Flugzeuge. 1961 wurde die Produktion eingestellt Das war auch das Ende der eigenständigen DDR-Luftfahrtindustrie. 

Auf dem Neuen Friedhof Klotzsche im gleichnamigen Dresdner Stadtteil erinnert heute ein Ehrengrab an die vier Männer, die ihr Leben im Namen des technischen Fortschritts verloren.