Kein Graffiti, sondern eine Straftat

Zeitz hart von Schmierereien betroffen: Wunsch nach verstärkter City-Streife

Zeitz ist voller Schmierereien. Wände, Trafohäuser oder Buswartehallen sind besprüht und bekrakelt. Warum das keine Kunst, sondern eine Straftat ist.

Von Angelika Andräs
Neben Krakeleien und wirren Bildern sind Dutzende von großflächigen Schmierereien zum Ärgernis in Zeitz geworden. Foto: Angelika Andräs

Zeitz - „Das ist einfach nur Dreck“, sagt der Leipziger, der einfach nur Pat genannt werden will, „nennt das bloß nie Graffiti.“ Er meint das Geschmiere an gefühlt jeder freien und frei zugänglichen Fläche in Zeitz. Pat war etliche Jahre in der Streetart-Szene in Dresden und Leipzig unterwegs und kümmert sich immer noch in Projekten um Jugendliche, die sich ernsthaft mit Graffiti&Co. befassen wollen.

Viele dutzend Hauswände sind sinnlos bekrakelt.
Foto: Angelika Andräs

Bushaltestellen, Trafohäuschen , Verteilerkästen und Brückenpfeiler: Zeitz besonders hart von Schmierereien betroffen

In den Schmierereien sieht er allgemein einen schlimmen Trend, allerdings sei es in Zeitz sehr stark ausgeprägt. „Ein, zwei Sachen, die ich gesehen habe, zeigen, dass der Verursacher ziemlich gut ist“, meint er, „aber niemand, der zur seriösen Szene gehört, schmiert einfach saubere Wände voll, das geht gegen die Ehre von Graffitikünstlern.“ Vollgeschmiert ist in Zeitz so ziemlich alles: von Bushaltestellen, Trafohäuschen und Verteilerkästen über Brückenpfeiler und Mauern bis zu Tür, Tor und Hauswänden.

Mitunter findet man großflächige und farbige Buchstaben, oft sind es aber einfach nur Krakel, Ornamente, Linien und unleserliche Schriftzüge oder Kleckse. Besonders betroffen sind die Unterstadt, das Stadtzentrum und einige angrenzende Viertel. Weniger Schmierereien finden sich derzeit lediglich in Zeitz-Ost. Auffällig ist auch, dass an manchen Stellen bereits die dritte oder vierte Schicht Farbe aufgesprüht wurde.

Es scheint, als wäre jede freie Fläche zugeschmiert.
Foto: Angelika Andräs

Schmiereien vor allem am Wochenende: Wunsch nach verstärkten City-Streifen

Und mitunter lässt sich der Weg der Vandalen anhand der Farbe und der Krakel verfolgen, so zum Beispiel über die Wendische Straße zum Roßmarkt, zum Altmarkt und zum Steinsgraben. Nicht nur an der Voigtsmauer und in der Kalkstraße wurde offensichtlich nur deshalb etwas hingekleckst, damit die zuvor sauberen Flächen an den Hauswänden irgendwie beschmiert sind.

„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das immer lautlos und unbeobachtet vor sich geht“, sagt der Zeitzer Rudi Lorenz. „Meist findet man ja die neuen Schmierereien am Sonntag oder Montag. Bekommt da nie jemand am Wochenende etwas mit?“ Einen Rat weiß er auch nicht, aber er denkt an verstärkte Streifen, City-Streifen und letztendlich auch Videoüberwachung. „Und wenn man solche Randalierer erwischt, dann müssen sie auch schnell und so hart wie möglich bestraft werden.“

Verteilerkästen und Trafos sind beliebt zum Sprühen.
Foto: Angelika Andräs

Es handelt sich um Straftaten: Jeder betroffene Eigentümer sollte die Sachbeschädigung zur Anzeige bringen

„Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, dass unsere Stadt durch illegale Graffiti verschmutzt wird, erst recht an historischen Gebäuden“, sagt Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU). „Wir stecken so viel Energie rein, um unsere Stadt schöner zu machen und bringen schon deswegen alle Fälle zur Anzeige. Und ich appelliere an die Zeitzer, sich für ihre Stadt starkzumachen, vor allem die Augen offen zu halten und Hinweise bei der Polizei zu melden.“ Jeder betroffene Eigentümer sollte die Sachbeschädigung zur Anzeige bringen.

Fast alle Wartehäuschen sind beschmiert.
Foto: Angelika Andräs

Denn Fakt ist: Es handelt sich hierbei immer um Sachbeschädigungen, um Straftaten. Eine Reinigung sei oftmals schwierig, führt der Oberbürgermeister weiter aus, vor allem bei Sandsteinmauern. Und teuer, wie die Stadtverwaltung, aber auch viele private Eigentümer schon erfahren haben.

Auch Schutzanstriche sind teuer und können nicht großräumig in der Stadt eingesetzt werden. Die finanziellen Mittel, die für die Wiederherstellung des Originalzustandes notwendig sind, könnten besser eingesetzt werden, meint denn auch Thieme. (mz)