Prominente Gäste

Wirt vom „Alt Zeitz“: „Mit Franz Beckenbauer spielte ich mal Schafkopf“

Seit fast 26 Jahren gibt es das Restaurant „Alt Zeitz“. Über die Leidenschaft des Wirtes André Krause und die prominenten Gäste.

Von Peter Zielinski
 André Krause in seinem Metier: als  Wirt im ?Alt Zeitz?.
André Krause in seinem Metier: als Wirt im ?Alt Zeitz?. Foto: Peter Zielinski

Zeitz/MZ - Wenn ein Mensch 44 Jahre seinen Beruf ausübt, dann kann man wohl sagen, dass er das nicht täte, wenn er den Beruf nicht liebte. Bei André Krause ist es so. Gelernt hat der heute 60-Jährige im Hotel Astoria in Leipzig. Dem ersten Haus am Platz. Er war der Letzte, der 1989 in der DDR seine Serviermeister-Prüfung ablegte.

Angefangen hat die Leidenschaft aber schon viel früher. „In den Sommerferien, da war ich gerade mal 13, half ich in der Gaststätte am Ferienort hinter der Theke aus. Das hat mir riesig Spaß gemacht. Da war mir schon klar, das werde ich später auch beruflich machen.“ Als 1995 das Hotel Astoria seine Türen für immer schloss, war es seine Zeitzer Verwandtschaft, die dazu führte, dass Krause hier seine beruflichen Wurzeln schlug. In der Brüderstraße 10 fanden seine damalige Frau und er Räumlichkeiten für ein Lokal im frisch renovierten Gebäudekomplex, der früher einen Kolonialwarenladen und nebenan die Fischhalle beherbergte. Das kleine Lokal mit seinen 30 Innen- und 20 Außenplätzen ist wie gemacht für den Wirt aus Leidenschaft. „Ich will nicht mehr weg aus Zeitz.“

„An manchen Feiertagen sind die Tische schon auf Jahre ausgebucht. Man vererbt sie sozusagen“

Der kurze Kommentar von André Krause sagt alles über seine Beziehung zur neuen Heimat und den Menschen aus. Und die Zeitzer scheinen ihre Gaststätte „Alt Zeitz“ ebenso sehr zu lieben. „An manchen Feiertagen sind die Tische schon auf Jahre ausgebucht. Man vererbt sie sozusagen“, sagt Krause und freut sich über den Zuspruch, den sein Lokal erfährt. „Wir arbeiten hier im Zweier-Team. Meine Köchin ist schon seit vielen Jahren bei mir. Auf sie kann ich mich blind verlassen. An den Wochenenden oder bei größeren Feiern hilft meine Ehefrau im Service mit.“ Für viel mehr Mitarbeiter wäre auch nicht Platz in dem gemütlichen Lokal. Aber immerhin gibt es eine kleine Bühne, auf der schon so manche Liveband an den verschiedenen Festen in der Stadt aufgetreten ist.

Gerade in den Anfangsjahren war es wichtig, dass André Krause und sein Team den Stadionimbiss beim 1. FC Zeitz übernommen hatten. „Das war ein zweites Standbein für uns. So konnten wir die Anlaufphase der Gaststätte, als noch nicht so viele Gäste da waren, gut überstehen.“ Anfangs wollte er noch etwas gehobene Küche anbieten. Doch Garnelenspieße und Rinderfilet waren nicht so der Geschmack des Zeitzer Publikums. Er nahm dann die gutbürgerlichen Klassiker wie Rostbrätl und Roulade auf die Speisekarte. Die Gäste fanden es gut. Zumal auch die Preise moderat geblieben sind. „Ich kann doch hier in Zeitz nicht Preise verlangen wie in der Leipziger Innenstadt“, stellt Krause fest.

Mit Franz Beckenbauer spielte ich mal Schafkopf

Doch in einem steht Krauses Lokal der Leipziger Gastronomie in nichts nach. Er legt Wert auf eine gute Speisenpräsentation und eine elegante Eindeckung des Tisches. Gerade so, wie er es schon in seiner Ausbildung gelernt hatte. Schließlich hatte er es im Service auch mit vielen prominenten Persönlichkeiten zu tun. „Als 1992 die Queen zu Besuch in Leipzig war, durfte ich sie bedienen. Nach dem Essen zog sie sich zum Ausruhen in einen Nebenraum zurück. Als die Tür aufging, kam sie ohne Schuhe herein. Prinz Philip sagte dann auf Deutsch: ,Ihr tun die Füße weh’.

Mit Franz Beckenbauer spielte ich mal Schafkopf, weil Uli Hoeneß immer zum Telefonieren vom Tisch aufstand und dann der vierte Mann fehlte. Beckenbauer hat mir am Ende über sechs Mark abgeknöpft“, erinnert sich André Krause. Auch der ehemalige sachsen-anhaltische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer war nach einem Zeitzbesuch so angetan vom „Alt Zeitz“, dass er am liebsten zur Skatrunde wieder gekommen wäre.