„Seit Jahren ein unerträglicher Zustand“

Wenig Zuversicht beim Kampf gegen Vandalismus in Zeitz

Schmierereien und Müll in Zeitz: An der Stadtmauer gibt es eine große wilde Deponie. Wie Leser auf den MZ-Beitrag reagieren und warum viele resignieren.

Von Angelika Andräs
Gegenüber der Müllhalde sieht es an der Stadtmauer so aus. (Foto: Angelika Andräs)

Zeitz - „Wir sind so froh, dass die MZ das Thema Müll und vor allem Schmierereien in Zeitz wieder einmal aufgegriffen hat“, schreibt das Ehepaar Kühn an die MZ. „Probleme damit haben wir leider schon immer in Zeitz, aber so schlimm, wie jetzt, war es noch nie.“ Sehr viele Leser haben sich nach dem Beitrag zu den Schmierereien in der ganzen Stadt an die MZ gewandt. Sie berichten von ihren Erfahrungen, nennen die Stellen, die sie am schlimmsten finden, schicken Fotos und sind letztendlich wenig zuversichtlich, dass sich an diesem Zustand etwas ändern wird.

Eine Lösung hat offensichtlich niemand. Dennoch sind sich fast alle einig, dass hier nur viele Kontrollen, harte und schnelle Bestrafung und Videoüberwachung helfen können. „Mit dem Artikel vom 30. April sprechen Sie aus der Seele vieler Innenstadtbewohner und Geschäftsinhaber“, schreibt auch Gabriele May, „hoffentlich beginnt jetzt ein Wendepunkt, egal wie, es ist unerträglich. Allen Akteuren, Polizei oder öffentlicher Verwaltung sowie Eigentümern viel Erfolg.“ Ein Beispiel, wo man beginnen könnte, hat sie auch parat: die wilde Müllhalde an der Stadtmauer. Ein Termin vor Ort macht sprachlos. Auf 50 Meter Länge liegt Müll aller Couleur, von Hausmülltüten und Verpackungsmüll über Bekleidung bis zu Hausrat und undefinierbaren Tüten. Geschätzt mehr als ein Container.

Unglaublicher Zustand: An der Stadtmauer erstreckt sich eine wilde Müllhalde auf 50 Meter Länge den gesamten Hang hinunter.
(Foto Angelika Andräs)

„Hier ist seit Jahren ein unerträglicher Zustand“

„Hier ist seit Jahren ein unerträglicher Zustand“, so May, „Ansagen beim Ordnungsamt, auch noch zu Lebzeiten von Herrn Norbert Hörig, haben nichts verändert, auch nach dem Verkauf des brandgeschädigten Hauses und der ,Müll-Hanglage’. Seit 2014 ist das ein ewiger Zustand, die Menschen entsorgen ihren Müll hier scheinbar ungehindert.“ Der Müll, der derzeit daliegt, ist teilweise „sehr frisch“. Alles kann man gar nicht sehen, es wächst derzeit jahreszeitgemäß gerade zu. In dieser wilden Müllentsorgung sieht Gabriele May durchaus eine „seelische Verletzung für viele andere“.

Hier wurde wie vielerorts einfach sinnlos geschmiert.
(Foto: Gabriele May)

Sabine Schneider ärgert sich vor allem über die vielen Schmierereien in der Innenstadt. Immer, wenn sie in die Stadt kommt, findet sie neue Krakel und neues Geschmiere vor. „Es sieht einfach unmöglich aus, man schämt sich“, schreibt sie, „ich hoffe, dass es doch irgendwann einmal mehr als Worte gibt. Dieser unhaltbare Zustand in Zeitz muss ständig Thema sein, so lange, bis ernsthaft reagiert wird.“ Unter ernsthaft reagieren versteht sie Kontrollen, aber auch Bürger, die nicht wegsehen. „Und ja, ich bin für Videoüberwachung in der Innenstadt, an Bushaltestellen, rund um den Bahnhof und an bestimmten wichtigen Punkten“, meint sie, „das ist in vielen Ländern längst gang und gäbe und wirkt.“

„In Zeitz wird derartige Sparsamkeit sofort bestraft.“

Was das Handeln angeht, wiederholt auch der Zeitzer Th. Zeller seinen Hinweis: „Wie schon einmal im Zusammenhang mit der Sanierung des Bahnhofs betont, kann ich nur immer wieder dazu auffordern, bei solch ohnehin teuren Sanierungsmaßnahmen nicht ausgerechnet am chemischen Graffiti-Schutz der Fassaden zu sparen. In Zeitz wird derartige Sparsamkeit sofort bestraft.“ Die Möglichkeit eines solchen Fassadenschutzes sollte generell für alle frisch sanierten oder von Graffiti gereinigten Denkmalen und stadteigenen Gebäuden genutzt werden, denn damit „werden nicht nur die Bauwerke geschützt, sondern den Schmierfinken auch der Spaß an ihrem sinnlosen Treiben genommen“.

So wie hier sehen viele Wände in der Innenstadt aus.
(Foto: Gabriele May)

Die häufigste Reaktion ist allerdings Resignation. So schreibt G. Müller: „Seit Jahren und Jahrzehnten sind Müll, Hundekot und Graffiti ein drängendes und oft beredetes Thema. Und jetzt ist es schlimmer als je zuvor. Mir ist der Optimismus verloren gegangen.“ (mz)