„Was denken Sie sich eigentlich dabei?“

Warum Fahrt ohne Führerschein diesmal im Gefängnis endet

Weil er zum wiederholten Mal ohne Führerschein gefahren ist, muss ein 31-Jähriger für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Bewährung wird nicht mehr gewährt.

Von Matthias Voss
Polizeikontrolle (imago images/vmd-images)

Zeitz - Die Verzweiflung war dem Angeklagten schon während der Verhandlung vor dem Zeitzer Amtsgericht anzusehen. Immer wieder verdeckte er mit seiner Mütze sein Gesicht, immer wieder führte er leise Selbstgespräche. Als dann das Urteil gesprochen wurde, schien der 31-Jährige sich wohl wie in einem falschen Film zu wähnen. Denn wegen vorsätzlichen Autofahrens ohne Fahrerlaubnis hat ihn das Gericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Und das ohne die Strafe auf Bewährung auszusetzen. „Sie lernen es einfach nicht. Sie stehen einfach nicht zu Ihren Fehltritten. Immer sind andere schuld, aber nie Sie selber“, zeigte sich der Richter verärgert.

Bei früheren Verurteilungen sei er noch nachgiebig gewesen. So gibt es zehn Einträge in dem Vorstrafenregister des Angeklagten. Wegen unter anderem Diebstahls, Erschleichens von Leistungen, Hausfriedensbruch, Drogenbesitzes und vor allem wiederholten Fahrens ohne Fahrerlaubnis oder auch unter Drogeneinfluss bekam er meistens nur Geldstrafen aufgebrummt. Eine Haftstrafe über sieben Monate wurde erst letztens zur Bewährung ausgesetzt. Doch damit ist jetzt Schluss.

„Er war ganz klar allein im Auto“

Im September 2020 ist er in seinem Heimatdorf, einem Ortsteil von Zeitz, erneut aufgefallen. Ein Zeuge hatte ihn dabei beobachtet, wie er rund 30 Meter vom Kindergarten zur Kirche gefahren war und die Polizei informiert. „Die waren früher schon mal da, als es um die gleiche Sache ging und hatten mich gebeten, sie anzurufen, falls ich ihn wieder dabei beobachten sollte“, erklärte der 51-Jährige. Er kenne den Angeklagten persönlich nicht, wollte ihn, weil er ein Freund seines Cousins war, aber erst schützen. Auf die Frage des Richters, warum er ihn letztendlich dann doch verpfiffen hatte, konnte oder wollte er nicht antworten.

Rein zufällig war er mit einem Freund zum Amtsgericht gekommen, der ebenfalls den Angeklagten beim Fahren gesehen hatte. Kurzfristig setzte der Richter diesen ebenfalls auf den Zeugenstuhl. „Er war ganz klar allein im Auto. Und es ist bei uns im Dorf bekannt, dass er keine Fahrerlaubnis hat“, meinte der 27-Jährige. Tatsächlich hat der Angeklagte nach eigenen Angaben noch nie einen Führerschein besessen. Die Aussagen der Zeugen aber quittierte er nur mit einem „das sind die größten Verbrecher bei uns im Dorf.“ Dem Richter waren die beiden Zeugen aber gänzlich unbekannt, „während Sie hier ja schon fast ein Dauergast sind.“

„Was denken Sie sich eigentlich dabei?“

So hatte der Richter genauso keine Zweifel, dass der 31-Jährige verbotenerweise gefahren war, wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. „Genau einen Monat vor der Tat sind Sie doch erst wegen derselben Sache zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Was denken Sie sich eigentlich dabei?“, meinte sie und forderte sieben Monate Gefängnis. Der Verteidiger hielt dagegen den ersten Zeugen für unglaubwürdig, weil er seinem Mandanten erst mit einer Handynachricht Hilfe angeboten hatte. Von dem zweiten Zeugen sei er überrascht gewesen, beantragte aber trotzdem einen Freispruch für den Angeklagten.

Dieser behauptete so auch bis zum Schluss, dass er nicht gefahren sei. Stattdessen habe er an dem Auto auf einem privaten Parkplatz ein wenig herumgeschraubt. Zusammen mit einem Freund, der gefahren sein soll, habe er das Fahrzeug aus Zwickau geholt. Mittlerweile ist dieses allerdings Schrott. Und das soll laut Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, weswegen die nächste Anklage gegen den 31-Jährigen schon in den Startlöchern steht. (mz)