Special Olympics

Special Olympics: Weißenfelserin ist die goldene Reiterin

Zeitz - Juliane Dietrich freut sich über zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille bei den Special Olympics in Abu Dhabi. Hinter diesem sachlichen Satz steckt eine ganze Menge: Juliane Dietrich ist behindert, was sie aber keineswegs daran hindert, eine begeisterte Reitsportlerin zu sein. Seit zehn Jahren schon trainiert die Weißenfelserin beim Zeitzer Reit- und Fahrverein. „Trotz meiner Behinderung bin ich leidenschaftlich und mit Ehrgeiz Reitsportlerin und messe mich auf verschiedenen nationalen Turnieren sogar mit Reitern ohne Handicap“, sagt die 33-jährige, die an Epilepsie leidet und zum Beispiel keinen Orientierungssinn ...

Von Angelika Andräs 22.03.2019, 16:00

Juliane Dietrich freut sich über zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille bei den Special Olympics in Abu Dhabi. Hinter diesem sachlichen Satz steckt eine ganze Menge: Juliane Dietrich ist behindert, was sie aber keineswegs daran hindert, eine begeisterte Reitsportlerin zu sein. Seit zehn Jahren schon trainiert die Weißenfelserin beim Zeitzer Reit- und Fahrverein. „Trotz meiner Behinderung bin ich leidenschaftlich und mit Ehrgeiz Reitsportlerin und messe mich auf verschiedenen nationalen Turnieren sogar mit Reitern ohne Handicap“, sagt die 33-jährige, die an Epilepsie leidet und zum Beispiel keinen Orientierungssinn hat.

Die goldene Reiterin: Seit zehn Jahren dabei

So ist es eine ganz große Herausforderung für die couragierte Frau, die Dressurstrecke zu meistern. Um sich da zurechtzufinden, muss sie sie auswendig lernen. Die allergrößte Herausforderung hatte sie aber in den letzten Tagen in Abu Dhabi zu meistern: Sie musste auf einem fremden Pferd antreten, weil ihre Tillda keine Turnierzulassung hat und der Transport nicht nur zu aufwendig, sondern auch viel zu teuer wäre. Und dennoch: Ihren größten sportlichen Erfolg konnte sie jetzt bei den Special Olympics mit drei Medaillen feiern.

Auch in Zeitz wird gefeiert. „Wir sind sehr, sehr stolz auf Jule“, sagt ein glücklicher Ernst Ebenhoch, Vorsitzender des Zeitzer Reitvereins, „begleitet der Verein sie doch schon rund zehn Jahre.“ Sofort nachdem die Zeitzer vom Medaillenregen erfahren hatten, gingen Glückwünsche von hier nach Abu Dhabi. Und Juliane Dietrich antwortete prompt: „Vergesst den tollen Reitlehrer nicht, ohne ihn und ohne meine Eltern hätte ich dieses Hobby nicht so auskosten können!“

Reiterin und Pferd sind eine Einheit

Sie ist aber vor allem Reiterin mit Herz und Seele und wenn es darauf ankommt, ganz und gar eins mit ihrem Tier. „Meine Eltern können mir nur die Zeit schenken und unser Trainer Achim Bock die Geduld, das Lernen, das Training“, meint sie, „vergesst nie, das Pferd, das Ihr unter Eurem Hintern habt, ist keine Maschine, die man betätigen muss, damit sie funktioniert!“

Vielmehr sei das Pferd ein Partner. Für die junge Reiterin sogar ein Spiegel der Seele. Man müsse diese Partner verstehen lernen und man bekomme das, was man erarbeitet habe. „Druck erzeugt Gegendruck.“ Genau so ging sie die Herausforderung in Abu Dhabi an: ohne Druck, mit Vertrauen auf den Partner und auf das, was sie gelernt hat, was sie kann. Und genau das führte zum Erfolg. Zum großen Erfolg, dem größten bisher auf internationaler Ebene.

Dabei sein zählt, Medaillen sind Bonus

Eigentlich war sie ja zu den Weltspielen behinderter Sportler 2019 angetreten mit dem Wunsch, vielleicht eine Medaille zu erreichen und ansonsten glücklich zu sein, überhaupt teilnehmen zu dürfen. Schließlich ist sie seit 1990 die erste Reiterin aus den neuen Bundesländern, die an den Special Olympics teilnimmt. Special Olympics stehen nicht so im Rampenlicht, wie andere Spiele oder Sportarten, sie werden nicht gefördert.

Deshalb mussten ihre Eltern und ihr freiberuflicher Reitlehrer Joachim Bock aus Taucha bei Leipzig, die so wichtig dafür sind, dass sie zurechtkommt und ihr jemand den Rücken stärkt, auf eigene Kosten nach Abu Dhabi reisen. Für die Familie war das ein finanzieller Kraftakt, den sie nur dank vieler Sponsoren, darunter Landrat Götz Ulrich (CDU), stemmen konnte. Alle Förderer und nicht zuletzt auch ihr Verein hoffen und wünschen, dass hier ein Umdenken einsetzt.

Trainer ist stolz

Aber jetzt wird erst einmal gejubelt, und das eine oder andere Tränchen verdrückt. „Juliane hat in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen“, schwärmt Ebenhoch, „im Verein und auf unserer Anlage findet sie optimale Bedingungen für ihr Training. Und das Beste ist: Sie wird von allen geachtet und unterstützt.“

„Gebt Euren Pferden die Chance, Euch zu vertrauen, zu lernen, zu fühlen und die Liebe zu ihnen und Ihr bekommt, was Ihr daraus macht“, ist die Ansage von Juliane Dietrich an alle Menschen, die Pferde lieben. Irgendwie an alle, die Tiere lieben. (mz)