Als Zeitz noch erste Liga spielte

Als Zeitz noch erste Liga spielte: Schöne und dunkle Stunden des Zeitzer Fußballs

Zeitz - Schau mit viel Wissenswertem und Historischem über die Entwicklung des Fußballs im Zeitzer Brühlcenter eröffnet.

Von Iris Richter

Einen besseren Zeitpunkt für die Eröffnung seiner Ausstellung rund um den Fußball in Zeitz hätte Oliver Tille eigentlich nicht wählen können. Denn am Samstag war es genau fünf Jahre her, dass die deutsche Herren-Fußballnationalmannschaft im Finalspiel der Weltmeisterschaft in Brasilien gegen Argentinien siegreich vom Platz ging.

Für derlei Lorbeeren hat es für die Zeitzer Fußballer freilich nicht gereicht, trotzdem können die Kicker von der Elster zur Geschichte des runden Leders einiges beitragen. Der Zeitzer Oliver Tille hat in fast einem Vierteljahrhundert zahlreiche Fußballschätze über die Entwicklung des Ballsportes in der Elsterstadt zusammengetragen und präsentiert sie seit Samstag im Zeitzer Brühlcenter.

Anlass für die Ausstellung ist das 25-jährige Gründungsjubiläum des 1. FC Zeitz

Anlass für die Ausstellung ist das 25-jährige Gründungsjubiläum des 1. FC Zeitz sowie das 60-jährige Jubiläum des Aufstieges der Zeitzer Fußballer in die Oberliga der damaligen DDR in diesem Jahr. Das Herrenfußball-Team der Elsterstadt, das damals noch als Chemie Zeitz auflief, konnte immerhin in den Jahren 1959/60 zwei Spielzeiten lang in der obersten Spielklasse der damaligen Republik mitmischen.

Bei der Schau können die Ausstellungsbesucher denn auch mehr als 1.200 Programmhefte, gut 500 großenteils historische Fotos, Schuhe, Trikots, Schals, Urkunden, Pins, aber auch andere Dokumente rund um die Zeitzer Fußballgeschichte bestaunen. Und die Eröffnung der Schau, bei der gut 80 Fußballinteressierte darunter viele ehemalige Spieler der älteren Generation dabei waren, geriet denn auch vor allem zum Schwelgen in Erinnerungen.

„Wir haben selber früher in der Jugend bei Zeitz mitgespielt“

Alois Fischer (76) und Manfred Thomas (75) standen beispspielsweise andächtig vor dem an einen Laptop angeschlossenen Bildschirm und zeigten immer wieder auf Fotos der Diashow, die dort lief. „Wir haben selber früher in der Jugend bei Zeitz mitgespielt und haben so 1962 herum aufgehört, da waren dann andere Dinge interessanter “, erinnern sich die beiden. Allerdings dem Fußball zumindest als Fernsehzuschauer sind sie bis heute treu geblieben.

Auch Edgar Ernst (84) verpasst heute kaum ein Spiel der Fußball-Bundesliga. „Da wird geguckt bis die Augen fast viereckig sind“, sagt Ehefrau Edith lachend. Doch sie kann sich auch an ganz andere Zeiten erinnern, als ihr Ernst mit zahlreichen Blessuren vom Spiel auf dem grünen Rasen nach Hause kam. Denn immerhin sind die Beiden seit 54 Jahren verheiratet und kannten sich schon als der heute 84-Jährige noch zum ehemaligen Zeitzer Oberliga-Team gehörte.

„Ja, bei uns ging’s damals auch schon ganz schön zur Sache“

„Ja, bei uns ging’s damals auch schon ganz schön zur Sache, und ich bin mit so manchem blauen Auge heim gekommen“, berichtet der ehemalige Torwart, für den 28 Einsätze im damaligen Zeitzer Oberliga-Team zu Buche stehen. Das schönste Spiel sei für ihn das gegen Wismut Aue gewesen. Gegen den damaligen Europacup-Teilnehmer konnten die Zeitzer immerhin ein 2:2 erzielen.

„Das hat uns schon sehr stolz gemacht“, erinnert sich Edgar Ernst. Weniger stolz war man auf die zwei verschossenen Elfmeter im Spiel gegen Lok Leipzig 1960 in der zweiten Oberliga-Saison der Elsterstädter. „Hätten wir die erzielt, hätte es wohl für den Verbleib in der Oberliga gereicht“, ist sich der 84-Jährige sicher.

An schöne aber auch an dunkle Stunden der Zeitzer Fußballer erinnerte sich auch Günter Karczmarczyk

An schöne aber auch an dunkle Stunden der Zeitzer Fußballer erinnerte sich auch Günter Karczmarczyk (65). „Ich bin praktisch bei Chemie Zeitz groß geworden. Walter Hertel war mein Trainer und ich habe 1973 bei den Aufstiegsspielen für die Oberliga mitgespielt“, berichtet er. Leider sei man knapp am Aufstieg gescheitert.

„Zu der Zeit sind noch 10.000 Zuschauer im Stadion gewesen. Und wir haben als Spieler für jeden Sieg zwischen 50 und 100 Ostmark bekommen“, sagt Karczmarczyk und ärgert sich darüber, dass es heute nur noch um Millionen geht. Er fiebert vor allem mit den ostdeutschen Teams mit und hat sich deshalb gefreut, dass es Union Berlin in die Bundesliga geschafft hat.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Resonanz.“

Glücklich war vor allem Oliver Tille nach der Eröffnung. „Ich bin sehr zufrieden mit der Resonanz. Und Etliche haben sogar noch weitere Erinnerungsstücke und Fotos mitgebracht“, freute sich der 42-Jährige. So hatte zum Beispiel Wolfgang Krämer (70) ein Foto jenes Zeitzer Alte-Herren-Teams, in dem sein Vater Alfred mitspielte, im Gepäck. Ende der 50er Jahre durften diese Fußballer zu einem Freundschaftsspiel nach Nürnberg reisen.

Wer die Eröffnung verpasst hat, hat diese Woche noch Gelegenheit, sich die Schau anzugucken. Geöffnet ist wochentags von 16.30 bis 18.30 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 17 Uhr. (mz)